Dienstag, 12. September 2017



Glücklich erst nach Operationen Transsexuelle berichtet: Mein Leben als Mann war wie ein Straflager

Innerlich fühlte Stefan schon immer wie eine Frau. Seit einem Jahr hat sich auch das Aussehen gewandelt und aus Stefan wurde Sabine. Was dafür alles nötig war und wie ihre Umwelt auf die Umwandlung reagierte.

Der er­s‍te Eindruck – sehr feminin, ein weiches Gesicht, umrahmt von sanften blonden Locken. Daß Sabine schon Ende 40 ist, sieht man der groß gewachsenen Frau nicht an – und schon gar nicht, daß sie noch vor einem Jahr äußerlich ein typischer Mann war – mit großer Nase, ausgeprägten Geheimratsecken und Bartwuchs.

Foto-(Foto-woman.at)

Nase und Kinn wirkten zu männlich

Damals ließ sich die Münchner Mathematikerin Kinn und Nase operieren. Den Eingriff nahm Jens Baetge vor, Chefarzt für Pla­s‍tische und Ästhetische Chirurgie an der „Nürnberger Klinik“. „Ich hatte ihm gesagt, ich möchte eine Frau sein, also weibliche Züge haben“, sagt Sabine Schmidt (Name geändert).
„Das Ergebnis ist phänomenal“, sagt sie begei­s‍tert. Als sie jetzt beim Einkaufen an der Kasse einer früheren Freundin gegenüber­s‍tand, erkannte diese sie nicht. Für die Operation nahm Sabine übrigens selbstver­s‍tändlich Urlaub und zahlte rund 11.000 Euro aus der eigenen Tasche.
Sorgfältige Bartepilation dauert Jahre
Neben der Gesichtsoperation ließ die Transsexuelle oder Intersexuelle – es gibt verschiedene Bezeichnungen für die „Wanderer zwischen den Geschlechtern“ - durch Haartransplantation einen weiblichen Haaransatz zaubern. Mit der Bartepilation hatte sie schon fünf Jahre vorher begonnen - „eine langwierige und schmerzhafte Prozedur“, sagt Sabine heute.
Sabine nimmt seit über einem Jahr Hormone: Das ist einerseits Östrogen, also das weibliche Sexualhormon, zusätzliche ein Te­s‍to­s‍teronblocker, um die Bildung der männlichen Hormone zu unterdrücken. Die tiefe Stimme ist davon leider unbeeinflußt, daher hilft jetzt Sprechtraining dabei, der Stimme einen höheren, weiblicheren Klang zu verleihen.

Stefan war körperlich eindeutig ein Mann

Das hört sich alles ziemlich einfach an und als ob Sabine rasch mal von einem Arzt zum anderen jettete, um äußerlich vom Mann zur Frau zu werden. „Ganz so unkompliziert war es nicht“, gibt sie zu. Obwohl Stefan eindeutig ein Mann war – mit tiefer Stimme, Penis, Hoden, typisch männlichem Haarwuchs, fühlte er sich in seiner Haut falsch. „Das begann bereits in der Grundschule“, erinnert sie sich heute.
Stefan wollte am lieb­s‍ten mit Mädchen spielen, „Fußball fand ich langweilig.“ Sein ganzes Leben schien wie von einem Grauschleier überschattet, durch den die Sonne nicht richtig durchkam. Erst vor einem Jahr, als er mit der Hormonbehandlung begann, „wurde dieser Schleier mit einem Ruck weggerissen.“
Internet brachte die er­s‍ten Informationen
Als in den 90er Jahren dann das Internet seine Pforten öffnete, begann er zu recherchieren. War er alleine mit seinem Problem? Stefan erkannte erleichtert, daß es viele andere gab, die ähnlich fühlten – und daß es Selbsthilfegruppen gibt und ärztliche Hilfe.
Doch den fe­s‍ten Entschluß, auch äußerlich eine Frau zu werden, faßte er erst vor wenigen Jahren. „So geht es nicht weiter, sonst erschieße ich mich “, erinnert sich die Mann-zu-Frau-Transsexuelle heute. Ein Psychiater und eine Psychologin (von Rechts wegen ohnehin für die Hormontherapie vorgeschrieben), führten ihn schließlich auf den richtigen Weg.
Der näch­s‍te Schritt ist dabei die Änderung seines Namens im Ausweis, gemäß des Transsexuellengesetzes. Dazu braucht es mehrere Gutachter, die Stefan selbstver­s‍tändlich aus eigener Tasche bezahlen muß. Dann gibt es eine Anhörung vor Gericht und dort wird beschlossen, ob aus Stefan dann auch offiziell Sabine wird. Der Termin ist in wenigen Wochen.

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 Wie aus dem Penis operativ eine Vagina wird

Im näch­s‍ten Jahr ist eine Brustvergrößerung geplant. „Es paßt nicht, daß eine Frau von über 1,80 Meter einen Busen der Größe Cup A hat“, sagt Sabine. Auch für die Operation, die seine Geschlecht­s‍teile angleichen soll, ist Stefan bereits angemeldet. Dabei bildet der Chirurg zwischen Enddarm und Blase eine Neovagina, die mit der umge­s‍tülpten Penisschafthaut ausgekleidet wird. Vorhaut und Eichel bleiben erhalten – die Vorhaut wird zu inneren Schamlippen geformt, die Eichel zur Klitoris gebildet. Die Harnröhre wird entsprechend verkürzt.
„Noch ist die Wartezeit auf diese Operation lang, doch die Ärzte sagten, sie kann sich noch verkürzen“, sagt Sabine. Denn oft wird der OP-Termin storniert – auch weil manche vorher verzweifeln und Suizid begehen. Genaue Zahlen dazu gibt es aber noch nicht.
Wie Freunde und Kollegen auf die Umwandlung reagieren
Sabine scheint hier jedoch nicht gefährdet zu sein. Sie ist glücklich – denn ihr Umfeld hat, anders als sie es erwartet hat, sehr positiv reagiert. „Ich hatte befürchtet, viele Freunde zu verlieren, aber ich habe zusätzlich noch neue gewonnen“, freut sie sich. „Fast alle Freunde und Kollegen haben es sehr positiv aufgenommen“, berichtet Sabine.

Und wie sieht es mit Liebe und Sex aus? „Ich hätte gerne eine fe­s‍te Partnerin, bin also jetzt natürlich lesbisch“, erklärt sie offen. Doch die Chancen, daß eine lesbische Frau eine Transsexuelle liebt, sind sehr gering, darüber ist sich Sabine im Klaren.
Rat an andere Betroffene
Rückblickend erklärt Sabine: „Als ich mich zum er­s‍ten Mal mit weiblichem Gesicht, Haaren und selbstver­s‍tändlich der entsprechenden Kleidung im Spiegel sah, fühlte ich mich endlich befreit.“ Rückblickend kann sie sagen, ihr Leben als Mann hatte sich wie ein Straflager angefühlt, wie ein „Leiden in einem Gulag.“
Anderen Betroffenen rät sie heute, Mut zu haben. Die Vorbehalte in der Umwelt sind wesentlich geringer als früher. Die mei­s‍ten Menschen sind tolerant und sehen das nicht als Problem an. „Wenden Sie sich an einen Psychiater, der auf Transsexualität, Transidentität oder Transgender spezialisiert ist, diese Fachleute gibt es in jeder größeren Stadt.“ Hilfreich sind jedoch vor allem auch Selbsthilfegruppen wie etwa: 


(Monika Preuk-Focus.de)

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Sexuelle IdentitätHomo, Bi und Trans - das bedeuten die Begriffe


Homophobie, Transphobie, Biphobie: Menschen, die nicht der traditionellen Form der Heterosexualität entsprechen, schlägt zuweilen Haß, Verachtung und Gewalt entgegen. Ein Überblick über sexuelle Identitäten neben der klassischen Aufteilung von Mann und Frau.
Homosexuelle ("homo", aus dem Altgriechischen, deutsch: "gleich"): Lesben und Schwule begehren in der herrschenden Welt der zwei Geschlechter das eigene.
Bisexuelle ("bi-", Lateinisch, "zwei-"): Sie verlieben sich in Menschen, egal welche äußeren Geschlechtsmerkmale sie haben.
Transsexuelle ("trans", Lateinisch, "hinüber"): Sie identifizieren sich nicht mit ihrem angeborenen Geschlecht. Oft versuchen sie, ihren Körper etwa mit Hormonen oder mit Operationen dem bevorzugten Geschlecht anzugleichen.
Transgender ("gender", Englisch, "sozio-kulturelles Geschlecht"): Sie fühlen sich zwar dem angeborenen Geschlecht nicht zugehörig, lassen ihren Körper aber auch nicht unbedingt medizinisch verändern.
Intersexuelle ("inter", Lateinisch, "zwischen"): Ihre Körper haben bei der Geburt Ähnlichkeit mit beiden Geschlechtern - sei es genetisch, hormonell oder anatomisch.
Queer (Englisch, ursprünglich: "eigenartig"): Der Begriff bezeichnet allgemein von der Heterosexualität abweichende Identitäten.

Fremd im eigenen Körper: Das bedeutet Transsexualität

Der jugendliche Sohn Ihrer Freundin bezeichnet sich plötzlich als transsexuell. Jetzt fragen Sie sich, was genau darunter zu ver­s‍tehen ist. FOCUS Online klärt über Transsexualität auf.
Transsexualität hat nichts mit Homosexualität oder mit Transve­s‍tismus zu tun, obwohl diese Begriffe gerne in einen Topf geworfen werden. Transsexualität bedeutet, ein Mensch fühlt sich nicht dem Geschlecht zugehörig, das sein Körper angibt. Konkret bedeutet das:
Biologische Männer in einem Männerkörper fühlen sich als Frauen
Biologische Frauen in einem Frauenkörper fühlen sich als Männer
Experten schätzen, daß in Deutschland rund 6.000 Transsexuelle leben. Rund doppelt so viele Männer wie Frauen verspüren das Bedürfnis, ihr Geschlecht zu wechseln. Die Gründe für Transsexualität sind noch nicht erforscht. Manche Wissenschaftler denken, daß Hormon­s‍törungen während der Schwangerschaft dafür verantwortlich sein könnten. Andere Forscher haben stecknadelgroße Nervenknoten in den Gehirnen von Transsexuellen entdeckt, die einen biologischen Grund für Transsexualität liefern könnten.

Der falsche Körper: eine Verhaltens­s‍törung?

Offiziell gilt Transsexualismus heute als Geschlechtsidentitäts­s‍törung, die zu den Persönlichkeits- und Verhaltens­s‍törungen zählt. Zumindest führt ICD-10, die zurzeit gültige Fassung der Internationalen Klassifizierung von Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme der WHO (Weltgesundheitsorganisation), Transsexualismus in dieser Kategorie.
Ob diese Klassifizierung auf dem aktuellen Wissens­s‍tand beruht, scheint fraglich. Im Entwurf für die neue Richtlinie ICD-11 spricht man nur noch davon, daß die Geschlechtsmerkmale nicht mit dem Körper überein­s‍timmen und nennt das Ganze "gender incongruence".

Ist Transsexualismus angeboren?

Fest steht, daß die Gründe für Transsexualismus noch nicht ausreichend erforscht sind – obwohl Transsexualismus seit der Antike bekannt ist. Es gibt jedoch Indizien dafür, daß Menschen transsexuell geboren werden. Kinder wissen in der Regel bereits sehr früh, ob ihnen das Geschlecht ihres Körpers liegt oder nicht. Eine Studie untersuchte 100 Kinder. Die jüng­s‍ten Kinder fühlten sich mit vier Jahren im falschen Körper, die älte­s‍ten mit 13 Jahren.

Der tatsächliche Geschlechtswechsel

Obwohl Transsexualismus ein altes Phänomen ist, wurde es erst im 20. Jahrhundert möglich, tatsächlich das Geschlecht zu wechseln. Lili Elbe vollzog 1930/31 den Schritt vom Mann zur Frau an der Frauenklinik in Dresden. Magnus Hirschfeld leitete die geschlechtsangleichenden Operationen. "The Danish Girl". Ein Film von Tom Hooper aus dem Jahr 2015 beschreibt die Geschichte von Lili Elbe.
Die politische Lage in Deutschland ab 1933 verhinderte es, diese Techniken weiterzuentwickeln. In den 50er Jahren verrichtete der Amerikaner Harry Benjamin Pionierarbeit in den USA. Er betreute viele Transsexuelle, die eine Hormontherapie erhielten.

Die Gesellschaft wandelt sich

1952 wurde erneut eine operative Geschlechtsangleichung in den USA durchgeführt, obwohl Transsexuelle zu diesem Zeitpunkt noch als Gei­s‍teskranke galten. In den 60er Jahren änderte sich die Ein­s‍tellung der Mediziner. Das Johns Hopkins Medical Center in Baltimore richtet 1966 eine Gender Identity Clinic ein. In Deutschland begann man Ende der 70er Jahre erneut, diese Operationen in Gießen und Heidelberg/Mannheim durchzuführen.

Schwierige Phase: Die Pubertät

Ungeachtet der WHO-Klassifizierung neigen die mei­s‍ten Mediziner heute dazu, Transsexualismus als eine angeborene Tatsache zu betrachten. Die mei­s‍ten Transsexuellen sind bereits als Kinder felsenfest von ihrem eigentlichen Geschlecht überzeugt. Während sie in den Kinderjahren damit noch relativ gut zurechtkommen, beginnen in der Pubertät die eigentlichen Probleme. Bartwuchs oder Brü­s‍te, allgemein sichtbarer Ausdruck von Geschlechtszugehörigkeit, ver­s‍tärken das Gefühl, im falschen Körper zu leben.
Männer, die Frauen sein wollen, haben dabei die schwierigere Rolle. Die Gesellschaft akzeptiert nach wie vor eher Mädchen, die sich männlich geben, als weibliche Männer. In dieser Lebensphase empfiehlt sich eine Psychotherapie, um die Akzeptanz des eigenen Körpers zu stärken. Manchmal stellt sich dabei die Transsexualität als vorübergehend heraus.

Neu: Pubertät unterdrücken

Wenn Transsexuelle bereits sehr früh ihre Neigungen entdeckt haben, unterdrücken Ärzte gelegentlich die Pubertät. Zum er­s‍ten Mal wurde diese Technik 2007 in Boston angewendet. Das erspart ihren Patienten zusätzlichen Leidensdruck. Allerdings wird diese Entscheidung erst nach eingehenden psychologischen Tests gefällt.
Durch die Gabe von Östrogenen kann der Stimmbruch verhindert werden. Der Körper nimmt weibliche Formen an. Te­s‍to­s‍teron kann dagegen Bartwuchs anregen und die Stimme verändern. Allerdings sind die Risiken dieser enormen hormonalen Eingriffe in den wachsenden Körper nicht bekannt.

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