Dienstag, 17. Oktober 2017






Mein Herz schlägt für ( einen ) Daddy


Alex Hopkins ist fasziniert von den vielen Online – Kontakten . Vor allem aber die jungen User überraschen ihn immer wieder mit interessanten Antworten und lebendigen Unterhaltungen.


Ist die „ Daddy-Sohn“-Beziehung ein neuer Trend in der schwulen Kultur– und wenn ja, was steckt dahinter?

„Hallo, süßer!“ tippe ich ohne nachzudenken. Es ist das dritte Mal an diesem Tag, daß ich diese Standard-Antwort auf eine Nachricht von einem Kerl zwischen 19 und ende Zwanzig gebrauche. Ja ich bin mir bewußt, daß es ein wenig herablassend ist. Aber es ist meine Art meine Irritation zu Kanalisieren, nachdem ich, im Alter von 36, von einem jungen Mann, der jung genug ist, um mein Sohn zu sein, angemacht wurde. 

Foto-Twitter
Die Wahrheit ist, daß ich mir nicht ganz sicher bin, wie ich auf die zunehmende Zahl von viel jüngeren Jungs, die mit mir online flirten, reagieren soll. Fühle ich mich einfach geschmeichelt? Natürlich.
Würde ich mich tatsächlich in der realen Welt mit ihnen treffen – für Sex? Höchst unwahrscheinlich. Es sei denn wir sitzen zusammen und vergleichen unsere Notizen zu Ju­s‍tin Bieber.
Es ist einfach zu urteilen und willkürliche Rückschlüsse zu ziehen, was die jungen Männer antreibt Kontakt zu wesentlich älteren Partnern zu suchen. Aber was steckt wirklich dahinter? Was fasziniert die Jungen an den Alten? Was suchen sie und was erwarten sie, von älteren Männern wie mir? 


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James, 55, der in der New York-Filmindustrie arbeitet, ist kein Fremder in Sachen viel jüngere Männer. In der Tat ist seine Facebook-Timeline oft mit Bildern von einer ganzen Schar junger Schönheiten gefüllt. Während er sich selbst nicht als „Daddy“ bezeichnet, gibt er zu, daß die Jüngeren ihn gern mal als einen solchen ansehen. Zur Zeit ist James mit einem 23-Jährigen zusammen, der von sich selbst sagt eigentlich hetero zu sein.

„Manchmal ist es ein bißchen wie ein Mentor zu sein, aber wir haben sexuelle Beziehungen.“, sagt er.
Aber eigentlich ist das so eine Sache mit dieser Art von Beziehung, wenn man es denn so nennen kann. „Meiner Erfahrung nach, scheinen „hetero“-Männer offener für Ältere zu sein. Die „Daddy-Sohn“-Beziehung hat dabei weniger was mit dem Altersunterschied gemein. Vielmehr sehen sich die Jungs nach Antworten, die sie zu Hause nicht bekommen. Sie sehen die wohlhabenden schwulen Männer und möchten auch in diesem Luxus leben. Die Wahl ist alles. Sie wollen das Geheimnis der Wahl ver­s‍tehen.“, fügt er an und sagt weiter: „Ich freue mich, daß junge Männer mich als attraktiv ansehen, aber ich bin auch reali­s‍tisch was es bedeutet und wie die gemeinsamen Aussichtensind. Aber es ist immer wieder schwer, sich nicht von der Aufmerksamkeit eines schönen jungen Mannes geschmeichelt zu fühlen.“


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James definiert einen „Daddy“ als “älter, weiser, erfahrener. Die stereotypische Daddy-Sohn-Beziehung, beruht meines Erachtens auf dem Begehren der jüngeren Männer auf die finanzielle Situation des Älteren. Ob James das auch so sieht, frage ich:
„Wenn sie von meinem Geld angelockt sind, dann sind sie auf dem Holzweg. Außerdem bin ich nicht reich genug, um einen für eine lange Zeit zu halten,“ lacht er. Aber James gibt zu, daß es durchaus sein könnte, daß sich die Jugend nach Sicherheit und in einer zunehmend in­s‍tabilen Welt seht. Nicht nur nach Geborgenheit und Zuneigung. „Aber es geht eben nicht nur um Geld,“ fügt er hinzu. „Mir wurde von jüngeren Männern gedankt, für ihre Zukunft zu kämpfen, dafür, daß ich ihnen ein freies Leben geben konnte.“

Foto-Sydy
Roy, ein Musikproduzent, ist 36, und wie James ist er finanziell abgesichert. Er ist in einer Beziehung mit Adam, der 10 Jahre jünger als er ist. Adam arbeitet für Roy und die Schlußfolgerung, das Adam nur ein „Todboy“ des Musikproduzenten ist, ist nicht ganz falsch. Aber er spricht von der echten Liebe in ihrer Beziehung und der Tatsache, die die mei­s‍ten beider Freunde erst recht verwirrt hat: Roy, der ältere Mann, ist in der Regel sexuell devot gegenüber Adam. „Das geht die Vor­s‍tellung der Leute wirklich mit ihnen durch. Wer sagt, das der Jüngere auch der devote sein muß?“, Roy zwinkert.

Roy sagt, daß er oft von viel jüngeren Männern online angesprochen wird und glaubt, daß die Gründe hierfür variieren. „Einige wollen ein „Kept Boy“ sein, andere wollen ein „House Boy“ oder Sex-Sklave sein, aber der Rest ist genuin sexuell von jemandem, der älter als er ist, angezogen. Es ist für jeden Einzelnen verschieden. Man kann die Zeit nicht leugnen, in der heute alles viel schwieriger für die Jugend ist. Einige suchen finanzielle Sicherheit, aber ich glaube auch, daß wenn ein älterer Mann etwas für einen Jüngeren zu bieten hat, dann warum nicht?“


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Sowohl Roy wie auch Adam betonen mehrmals die „unglaubliche emotionale Unter­s‍tützung“ die sie sich einander geben. Dies war eines der wichtig­s‍ten Dinge für Adam zu Beginn der Beziehung. „Roy bietet fanta­s‍tische Beratung, eine Schulter zum Weinen. Ich habe das gesamte Paket: eine Beziehung die auf Liebe aufgebaut ist. Unsere sexuellen Vorlieben komplementieren sich und auch unsere Interessen. Gemeinsam bringen wir die Welt zum leben und wir harmonisieren - in und außerhalb des Bettes. Ich war nie auf der Suche nach finanziellen Gewinn.“, strahlt Adam.
Aber glaubt er, daß viele Jungs es sind?

„Ich glaube, die jüngere Generation wurde mit dem Glauben aufgezogen, daß sie alles was sie sich wünschen auch bekommen werden. Es ist eine Überschuß-Gesellschaft in der wir leben und ich sehe diese sehr vielen Jungs in den 20ern, die wenig Fortschritte machen wenn es um ihre Zukunft geht, geschweige denn etwas professionell verfolgen. In Roy habe ich eine Person gefunden, die ich liebe und bewundere - ich würde eine Kugel für ihn kassieren. Aber ich denke auch, daß es Jungen da draußen gibt, die die Daddy-Sohn-Beziehung benutzen, um ihrer Karriere auf die Sprünge zu helfen.“, und schaut nachdenklich in die Ferne.

A.C., 25 aus Italien, war schon immer auf älteren Männern fixiert. Er war 21, als er eine Affäre mit einem 49-jährigen Mann hatte, der jetzt ein Kind mit einer amerikanischen Frau hat. Wie Adam war er nie vom Geld getrieben, denn er steht vor allem auf ältere Männer aufgrund der Lebenserfahrung die sie bieten.
„Im wirklichen Leben sind ältere Männer einfach interessanter als Jüngere. Es hat mit der Zärtlichkeit zu tun, die sie anbieten können. Jüngere Männer sind weniger maskulin und sie scheinen nicht in der Lage zu sein, Zärtlichkeit zu geben. Ich liebe das Wissen eines älteren Mannes - den Vorteil seiner Jahre.“, erzählt er.

Seine Worte spiegeln die eines 20-jährigen Mannes wieder, den ich über seinen Reiz auf mein Alter befragte: „Ich mag einen Mann an dem ich mich festhalten kann, nicht so einen zarten Kerl. Selbstbewußtsein, Männlichkeit, Initiative - sind wichtig für mich. Jüngere Kerle sind in der Regel keine Männer – sie sind Jungen.“

Als ich mich verabschiedete, sagte A.C.: „Leider glaube ich, daß es der Fall sein kann, daß Geld oft eine Rolle spielt. Jüngere Leute haben Angst, daß sie nicht erfolgreich sein können.“
Aber man braucht mehr als finanzielle Anreize um eine Partnerschaft mit einem großen Altersunterschied aufrecht zu halten glaubt A.C.
Roy und Adam sind seit einem Jahr zusammen und ab und an ist es schwer, die echte Zuneigung und den Respekt zueinander aufrecht zu halten. „Vertrauen ist das Wichtig­s‍te“, sagte Roy. „Adam wußte nichts über meinen Job oder Lebens­s‍til als wir die er­s‍ten Dates hatten. Geld ist nicht der einzige Grund der Leute zusammenbringt. Sicher haben wirtschaftlich schwierige Zeiten einen Einfluß auf die Wünsche von vielen Menschen. Generationenübergreifende Beziehungen zeigen, daß „Dandys“ nicht immer reich sind und sie dennoch funktionieren. Und das ist kein Trend.“ (Gay.de)

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