Freitag, 9. Februar 2018

„Poppers: Schnüffeln bis zur Ekstase“  und „Augen zu und durch?“

Boylove

Seit den 70er-Jahren gehören Poppers zu den beliebtesten Schnüffeldrogen. Der Verkauf als Aphrodisiakum ist eigentlich verboten – dennoch landen die bunten Fläschchen immer wieder in Erotikshops, wo sie als Zimmerduft oder Reinigungsmittel angeboten werden. Der Besitz unterliegt keinen betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften und ist nach aktueller Gesetzeslage legal. 


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Die Bezeichnung „Poppers“ rührt vom knallenden Geräusch her, das beim Öffnen der Glasampullen entsteht. Durch das Schnüffeln tritt eine stark gefäßerweiternde Wirkung (Vasodilatation) ein. Ursprünglich wurde Alkylnitrit, so die chemische Bezeichnung der Flüssigkeit, als Herzmedikament und bei der Behandlung von Angina pectoris verwendet.


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In der Gay-Szene erfreuen sich Poppers einer immensen Beliebtheit. Die inhalierten Dämpfe bewirken eine tiefe Muskelentspannung und eine Unempfindlichkeit gegen Schmerzen, sodass sich der Geschlechtsverkehr leichter vollziehen lässt. Nicht selten entsteht ein Rausch, der mit starken Glücksgefühlen verbunden ist.

Normalerweise werden die Dämpfe unmittelbar vor dem Geschlechtsakt eingeatmet. Bei einem falschen Timing kann es passieren, dass der Benutzer Kopfschmerzen, Hautrötungen oder Herzrasen bekommt. In manchen Fällen kommen Schwindel, Übelkeit oder Erbrechen hinzu. 


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DasFachbuch dazu
Um Poppers ranken sich viele Geheimnisse und Gerüchte. Kaum einer weiß, woraus es eigentlich besteht, warum es so wirkt, wie es wirkt, und wie gefährlich es tatsächlich ist. Bekannt in der schwulen Welt, dringt es aber auch zunehmend in Hetero Kreise ein. Die wenigsten kennen die Gesetzeslage: Darf man Poppers in Deutschland, Österreich und der Schweiz erwerben und besitzen, ohne sich strafbar zu machen? Und kann man vom 'Raumduft'-Schnüffeln eigentlich süchtig werden? Das Handbuch beantwortet all diese Fragen, klärt über die verschiedenen Poppers-Sorten auf, warnt vor Gefahren und Wechselwirkungen mit anderen Rauschmitteln, gibt Tipps für den verantwortungsvollen Gebrauch, erklärt, ob und wie man es selbst herstellen kann, und nennt die günstigsten Bezugsquellen. In dem Buch kommen Ärzte, Apotheker und Sexualwissenschaftler ebenso zu Wort wie schwule Promis, die offen und tabulos über ihre Poppers-Erfahrungen berichten. Mit Beiträgen und Statements von den Comiczeichnern Ralf König und Stefan Zeh, Cazzo-Star Tim Vincent, Mr. Gay Germany 2004 Suat Bahceci, Pornoproduzent Alexander Roessner, Georg Roth alias Sister George und dem Fotografen Henning von Berg.'


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Nach spätestens 10 Minuten ist alles vorbei
Im Gegensatz zu Drogen wie Marihuana oder Ecstasy hält die Wirkung von Poppers nur kurzzeitig an. Abhängig von der eingeatmeten Menge dauert der „Kick“ zwischen einer und zehn Minuten. Der Preis pro Einheit liegt bei durchschnittlich 5 bis 8 CHF.
Verglichen mit anderen Drogen sind Poppers ein teurer Spass – dennoch ist die Popularität der Fläschchen ungebrochen. Dies hat einen einfachen Grund: Poppers gelten als die ultimative Sexdroge. Der Orgasmus wird weitaus intensiver erlebt, als es normalerweise der Fall ist. Da die Wirkung unmittelbar nach dem Akt schwindet, besteht zudem nicht die Gefahr, dass man „versackt“ und den Rest des Tages untätig bleibt. 


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Der Mischkonsum ist ein Husarenspiel
Poppers werden vor allem in der Clubszene gehandelt. Auf manchen Parties kreisen die Flaschen fast permanent über den Dancefloor. Das Gefährliche daran ist, dass viele Besucher sich nicht auf diesen einen Kick beschränken, sondern Poppers zusammen mit anderen Drogen konsumieren. Hier sind vor allem Ecstasy und LSD zu nennen.

Der Mischkonsum ist ein regelrechtes Husarenspiel – insbesondere dann, wenn man gleichzeitig Medikamente gegen niedrigen oder zu hohen Blutdruck einnimmt. Die Kombination von Viagra und Poppers gilt als lebensgefährlich, da es hierbei zu einem plötzlichen Abfall des Blutdrucks kommen kann und unter Umständen die Durchblutung wichtiger Organe gefährdet wird.

Forscher: Der Poppers-Konsum kann ins Auge gehen
Im Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ erschien unlängst ein Artikel, der weltweit für Aufsehen sorgte. Ein französisches Medizinerteam äussert darin die Vermutung, dass Poppers die Netzhaut schädigt. Die Augenärzte hatten vier Patienten behandelt, die nach dem Konsum der Sexdroge nicht mehr in der Lage waren, scharf zu sehen. Zudem beklagten sie einen hellen Fleck in ihrem Sichtfeld.


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Die Ärzte stellten bei allen vier Personen eine Schädigung der Netzhaut fest. Diese konzentrierte sich fatalerweise auf die Sehgrube – den Bereich des Auges, der Bilder in hoher Auflösung an das Hirn übermittelt. Zwei Patienten hatten Glück im Unglück: Bei ihnen liessen die oben beschriebenen Symptome nach wenigen Wochen nach. Wie sich später herausstellte, gibt es noch eine Reihe weiterer Fälle, in denen Poppers-Konsumenten Schädigungen der Netzhaut davontrugen.


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Der medizinische Beweis, das der Genuss von Poppers die Augen in Mitleidenschaft zieht, steht indessen noch aus. Das Forscherteam weist in seinem Artikel darauf hin, dass zwei der behandelten Patienten kurz vor dem Sehkraftverlust eine beträchtliche Menge hochprozentigen Alkohols zu sich genommen hatten. Dessen ungeachtet vermuten die Wissenschaftler einen unmittelbaren Zusammenhang mit der Droge.

Augen zu und durch?

Macht Poppers-Konsum die Augen kaputt? Französische Forscher warnen vor der Schwulen liebsten Sexdroge, andere Experten plädieren für Gelassenheit
Das Schnüffeln von Poppers kann ins Auge gehen. Das befürchtet jedenfalls ein Medizinerteam aus Frankreich. Die Sexdroge könne die Netzhaut schädigen, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine.


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Der Grund für die Warnung: Die Augenspezialisten hatten vier Personen behandelt, die nach dem Popperskonsum nicht mehr scharf sehen konnten. Die Patienten beklagten zudem einen hellen Fleck in ihrem Blickfeld. Tatsächlich konnten die Experten bei allen Patienten eine Schädigung der Netzhaut feststellen, und zwar genau an jener Stelle, die Bilder mit hoher Auflösung ans Hirn vermittelt („Sehgrube“). Eine Folge: Die Geschädigten konnten nur noch schwer lesen. Bei zweien von ihnen ließen die Symptome glücklicherweise nach einigen Wochen nach.


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Die Forscher suchten und fanden danach noch weitere Fälle. Teilweise waren sie von vorher behandelden Augenärzten nicht diagnostiziert worden, weil die Netzhautveränderungen nur einen sehr kleinen – wenn auch wichtigen – Bereich betreffen.

Da stellt sich die Frage: Wie gefährlich ist Poppers? Drohen wirklich bleibende Augenschäden? Schließlich sind die bunten Minifläschchen mit betörenden Namen wie „Jungle Fever“, „Hard Wave“ oder „Rush“ bei vielen schwulen Männern sehr beliebt. Die enthaltenen Nitrite haben eine berauschende und sexuell stimulierende Wirkung. Vor allem aber weiten sie die Blutgefäße und entspannen so die glatte Muskulatur – inklusive der Schließmuskel. Das erleichtert den Analverkehr.


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Poppers hat allerdings auch unerwünschte Nebenwirkungen wie Herz-Kreislaufprobleme und das Absterben von Gehirnzellen.

Der Verkauf von Poppers wird in Deutschland toleriert, obwohl die Inhaltstoffe rezeptpflichtig sind. Hier findest Du eine große Auswahl!


„Poppers wird eifrig benutzt“, sagt Rainer Rybak von Check Up, der schwulen Gesundheitsagentur in Köln. „Bei vielen Leuten stehen solche Fläschchen im Kühlschrank.“

Bezüglich des Warnrufs aus Frankreich rät Rybak zur Gelassenheit. „Bisher sind nur vier Einzelfälle bekannt. Bei vielen medizinischen Meldungen kocht die Erregung nur solange hoch, bis die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird.“

Seit 15 Jahren ist Rybak in der schwulen Szene unterwegs und informiert über sexuelle Gesundheit. „Mir ist persönlich kein Fall bekannt, in dem jemand nach Poppers-Konsum schwere Folgeschäden zurückbehalten hat.“ Nur auf einer Sexparty sei mal ein Gast nach dem Schnüffeln umgekippt. „Aber ob das nun am Poppers lag, am engen Latexleibchen oder am Flüssigkeitsmangel nach einer durchtanzten Nacht – das kann man nicht eindeutig feststellen“.


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Körperliche Probleme wie Herzrasen oder Bewusstlosigkeit sind laut Rybak selten allein auf die Droge zurückführen. Das erste Anzeichen einer Überdosierung ist bei Poppers kaum zu ignorieren: ein stechender Kopfschmerz beim Schnüffeln. „Das wirkt so abtörnend, dass dadurch meist Schlimmeres verhindert wird“, sagt der Partydrogenexperte.

Das französische Forscherteam weist selbst darauf hin, dass zwei ihrer Patienten kurz vor dem Sehkraftverlust nicht nur Nitrit, sondern jeweils auch „eine halbe Flasche hochprozentigen Alkohol“ zu sich genommen hätten. Dennoch vermuten die Forscher einen direkten Zusammenhang mit der Droge.


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Beweisen lässt sich der allerdings bisher nicht: Zwar kann Poppers ein Enzym aktivieren, das für die Fotorezeptoren des Auges wichtig ist, aber dieses hat – das räumen auch die Forscher ein – eine völlig andere Wirkung als in den vier untersuchten Fällen: Das Enzym reduziere die Lichtempfindlichkeit, die Patienten jedoch hätten helle, blendende Flecken beklagt.


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Der Medizinreferent der Deutschen AIDS-Hilfe, Armin Schafberger, sieht vor allem in Wechselwirkungen eine Gefahr: „Poppers wird oft mit anderen Drogen wie Alkohol kombiniert, dabei können viel schneller gesundheitliche Probleme entstehen.“


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Die Kombination von Poppers und Viagra ist sogar lebensgefährlich: Sie kann zu starkem Blutdruckabfall bis hin zu tödlichem Herz-Kreislauf-Versagen führen. Ebenso gefährlich: die gleichzeitige Einnahme von Medikamenten gegen Angina Pectoris oder hohen Blutdruck.



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So bleibt am Ende vorläufig die Erkenntnis: Wer Poppers nimmt, sollte über mögliche Folgen Bescheid wissen – und mit Augenmaß zur Sache gehen.






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