Liebe auf den ersten Wisch
Das lukrative Geschäft der Online-Dating-Apps wie Lovoo,
Tinder & Co. Mit Premiumangeboten sollen Kunden Traumpartner schneller
finden
Der Zeigefinger der Frau gleitet über das Display des Smartphones.
Fotos junger Männer blinken nacheinander auf. Ein "Wisch" nach links:
Der Mann mißfällt ihr. Ein Wisch nach rechts: Der könnte der Eine sein.
Maximilian, der Mann auf dem Bild, ist 29, sportlich, mag laut Steckbrief Bier
und Museen. Ob der zu ihr paßt? Nur wenn beide einander mögen, wird ein Kontakt
hergestellt und sie können über die App miteinander chatten.
Die Liebe in Zeiten der Digitalisierung ist eine auf den ersten
"Wisch": Dating-Apps bieten ihren Nutzern leichten Zugang zu Millionen
Single-Profilen. Die Anmeldung ist häufig kostenlos. Doch die App-Entwickler
wollen ihre Smartphone-Kunden durch Abonnements immer stärker zu Kasse bitten.
Der weltweite Marktführer Tinder führte Ende August einen
Goldstatus ein, der noch bessere Chancen auf die große Liebe oder schnelle
Affäre verspricht. Der deutsche Platzhirsch Lovoo aus Dresden, der jetzt vom
US-Konzern The Meet Group für umgerechnet 58 Millionen Euro übernommen wurde,
schaffte es mit seinen kostenpflichtigen Zusatzangeboten sogar bis an die
deutsche Spitze der umsatzstärksten Apps – jenseits des Spielesektors.
Prognosen deuten auf weiteren Wachstum des Marktes hin.
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| Foto-buzzefed |
"Onlinedating ist kein Nischenphänomen, sondern für
viele Singles ein ganz normaler Weg bei der Partnersuche", sagt Julia
Miosga, Expertin des Digitalverbands Bitkom. Dessen Umfragen zufolge hofft
jeder zweite Internetnutzer ab 14 Jahren auf die große Liebe via Internet.
Vorurteile gegenüber Onlinedating verschwinden laut Bitkom zunehmend.
Tinder wirbt derzeit mit 26 Millionen sogenannter
"Matches" täglich. Lovoo nutzen täglich 1,9 Millionen. Insgesamt
konnte das Dresdener Unternehmen seinen Umsatz in den vergangenen drei Jahren
nahezu verdoppeln - auf 27,2 Millionen Euro in den zurückliegenden zwölf Monaten.
Und das, obwohl die Firma 2016 nach Ermittlungen um Fake-Profile kurzzeitig in
Schieflage geriet. Davon aber habe sich Lovoo gut erholt, sagt Mitgründer und
Marketingleiter Tobias Börner. Die App zähle aktuell bis zu 50.000
Neuanmeldungen pro Tag. "Wir sind sehr stark in der Fläche. Bei Lovoo kann
man bis ins letzte Dorf fahren und hat genug Auswahl", so Börner.
Das Modell ist einfach, funktioniert wie bei Spiele-Apps:
Wer bezahlt, darf Zusatzfunktionen nutzen. Die Hoffnung auf das perfekte
"Match" steigt. "Spielerischer Ernst – das ist es, was User in
dem Umfeld erwarten", meint Tobias Börner. Für 9,99 Euro können Nutzer
einen Monat lang "VIP"-Mitglied bei Lovoo werden, ein Jahresabo kostet
59,99 Euro. "VIP"-Kunden werden anderen Singles häufiger
vorgeschlagen und können direkt sehen, welche potentiellen Partner ihr Profil
für interessant befunden haben. Mit solchen Funktionen lockt auch Tinder beim
neuen "Gold"-Abonnement, das nach Tests in Argentinien, Kanada und
Australien jetzt auch in Deutschland eingeführt wurde. 9,66 Euro kostet es
bei Abschluß für einen Monat, 90,96 Euro über einen Zeitraum von 12 Monaten.
Bei beiden Apps läßt sich durch den Abo-Abschluß auch die
Ausspielung von Werbung abschalten. Für das Unternehmen Lovoo lohnt dieses
Angebot: Werbeeinnahmen machen dort im Vergleich zu den kostenpflichtigen
Angeboten nur 30 Prozent der App-Umsätze aus, sagt Tobias Börner.
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Ebenso verhält es sich bei "Planet-Romeo", einem
weltweiten Netzwerk ausschließlich für homosexuelle Männer aller Altersklassen.
"Wir haben eine sehr reisefreudige, kaufkräftige Nutzergruppe, die für
Werbekunden besonders interessant ist", sagt Gui Bosselaers, Sprecher des
niederländisch-deutschen Unternehmens. Schon im Jahr 2002 ging das Projekt als
Website an den Start – bereits zwei Jahre vor der Gründung von Facebook.
"Für Homosexuelle war es damals besonders schwer, sich zu vernetzen",
erklärt Bosselaers die Idee der ebenfalls homosexuellen Gründer. Mittlerweile
wird auch eine App angeboten, die es Nutzern ermöglicht, Freunde, Flirts und
Dates zu suchen. 1,8 Millionen aktive User zählt Romeo nach eigenen Angaben.
Deutschland bildet mit 40 Prozent den Kernmarkt der App, die in sechs Sprachen
erhältlich ist. Konkrete Umsätze nennt PlanetRomeo nicht, nur so viel: Zehn
Prozent der Einnahmen flössen in eine gleichnamige Stiftung, die sich für
Antidiskriminierungsprojekte einsetzt.
Beim Blick auf den Markt der Dating-Apps sieht der
Romeo-Sprecher noch Luft nach oben: "Gerade für Homosexuelle sind in den
letzten Jahren viele spezialisierte Apps entstanden – dort finden Nutzer dann
zum Beispiel nur Bartträger." Aufgrund dessen würden viele homosexuelle
Singles gleich mehrere Apps nutzen.
Doch wie erfolgreich ist der Markt mit der Liebe wirklich?
Laut repräsentativer Bitkom-Umfrage fand nur jeder vierte Nutzer seinen
aktuellen Partner über Onlinedienste. Bei einem weiteren Viertel ging eine
Partnerschaft bereits wieder in die Brüche. Vier Prozent gaben an, daß sie
einen erotischen Kontakt hatten. Die größte Gruppe jedoch – mit insgesamt 43 Prozent
– ging leer aus.(Von Anna Ernst-morgenpost.de)



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