Freitag, 22. September 2017



Liebe auf den er­s‍ten Wisch

Das lukrative Geschäft der Online-Dating-Apps wie Lovoo, Tinder & Co. Mit Premiumangeboten sollen Kunden Traumpartner schneller finden 

Der Zeigefinger der Frau gleitet über das Display des Smartphones. Fotos junger Männer blinken nacheinander auf. Ein "Wisch" nach links: Der Mann mißfällt ihr. Ein Wisch nach rechts: Der könnte der Eine sein. Maximilian, der Mann auf dem Bild, ist 29, sportlich, mag laut Steckbrief Bier und Museen. Ob der zu ihr paßt? Nur wenn beide einander mögen, wird ein Kontakt herge­s‍tellt und sie können über die App miteinander chatten.

Die Liebe in Zeiten der Digitalisierung ist eine auf den er­s‍ten "Wisch": Dating-Apps bieten ihren Nutzern leichten Zugang zu Millionen Single-Profilen. Die Anmeldung ist häufig ko­s‍tenlos. Doch die App-Entwickler wollen ihre Smartphone-Kunden durch Abonnements immer stärker zu Kasse bitten.
Der weltweite Marktführer Tinder führte Ende August einen Goldstatus ein, der noch bessere Chancen auf die große Liebe oder schnelle Affäre verspricht. Der deutsche Platzhirsch Lovoo aus Dresden, der jetzt vom US-Konzern The Meet Group für umgerechnet 58 Millionen Euro übernommen wurde, schaffte es mit seinen ko­s‍tenpflichtigen Zusatzangeboten sogar bis an die deutsche Spitze der umsatz­s‍tärk­s‍ten Apps – jenseits des Spielesektors. Prognosen deuten auf weiteren Wachstum des Marktes hin.

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"Onlinedating ist kein Nischenphänomen, sondern für viele Singles ein ganz normaler Weg bei der Partnersuche", sagt Julia Miosga, Expertin des Digitalverbands Bitkom. Dessen Umfragen zufolge hofft jeder zweite Internetnutzer ab 14 Jahren auf die große Liebe via Internet. Vorurteile gegenüber Onlinedating verschwinden laut Bitkom zunehmend.
Tinder wirbt derzeit mit 26 Millionen sogenannter "Matches" täglich. Lovoo nutzen täglich 1,9 Millionen. Insgesamt konnte das Dresdener Unternehmen seinen Umsatz in den vergangenen drei Jahren nahezu verdoppeln - auf 27,2 Millionen Euro in den zurückliegenden zwölf Monaten. Und das, obwohl die Firma 2016 nach Ermittlungen um Fake-Profile kurzzeitig in Schieflage geriet. Davon aber habe sich Lovoo gut erholt, sagt Mitgründer und Marketingleiter Tobias Börner. Die App zähle aktuell bis zu 50.000 Neuanmeldungen pro Tag. "Wir sind sehr stark in der Fläche. Bei Lovoo kann man bis ins letzte Dorf fahren und hat genug Auswahl", so Börner.

Das Modell ist einfach, funktioniert wie bei Spiele-Apps: Wer bezahlt, darf Zusatzfunktionen nutzen. Die Hoffnung auf das perfekte "Match" steigt. "Spielerischer Ernst – das ist es, was User in dem Umfeld erwarten", meint Tobias Börner. Für 9,99 Euro können Nutzer einen Monat lang "VIP"-Mitglied bei Lovoo werden, ein Jahresabo ko­s‍tet 59,99 Euro. "VIP"-Kunden werden anderen Singles häufiger vorgeschlagen und können direkt sehen, welche potentiellen Partner ihr Profil für interessant befunden haben. Mit solchen Funktionen lockt auch Tinder beim neuen "Gold"-Abonnement, das nach Tests in Argentinien, Kanada und Australien jetzt auch in Deutschland eingeführt wurde. 9,66 Euro ko­s‍tet es bei Abschluß für einen Monat, 90,96 Euro über einen Zeitraum von 12 Monaten.
Bei beiden Apps läßt sich durch den Abo-Abschluß auch die Ausspielung von Werbung abschalten. Für das Unternehmen Lovoo lohnt dieses Angebot: Werbeeinnahmen machen dort im Vergleich zu den ko­s‍tenpflichtigen Angeboten nur 30 Prozent der App-Umsätze aus, sagt Tobias Börner.

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Ebenso verhält es sich bei "Planet-Romeo", einem weltweiten Netzwerk ausschließlich für homosexuelle Männer aller Altersklassen. "Wir haben eine sehr reisefreudige, kaufkräftige Nutzergruppe, die für Werbekunden besonders interessant ist", sagt Gui Bosselaers, Sprecher des niederländisch-deutschen Unternehmens. Schon im Jahr 2002 ging das Projekt als Website an den Start – bereits zwei Jahre vor der Gründung von Facebook. "Für Homosexuelle war es damals besonders schwer, sich zu vernetzen", erklärt Bosselaers die Idee der ebenfalls homosexuellen Gründer. Mittlerweile wird auch eine App angeboten, die es Nutzern ermöglicht, Freunde, Flirts und Dates zu suchen. 1,8 Millionen aktive User zählt Romeo nach eigenen Angaben. Deutschland bildet mit 40 Prozent den Kernmarkt der App, die in sechs Sprachen erhältlich ist. Konkrete Umsätze nennt PlanetRomeo nicht, nur so viel: Zehn Prozent der Einnahmen flössen in eine gleichnamige Stiftung, die sich für Antidiskriminierungsprojekte einsetzt.

Beim Blick auf den Markt der Dating-Apps sieht der Romeo-Sprecher noch Luft nach oben: "Gerade für Homosexuelle sind in den letzten Jahren viele spezialisierte Apps ent­s‍tanden – dort finden Nutzer dann zum Beispiel nur Bartträger." Aufgrund dessen würden viele homosexuelle Singles gleich mehrere Apps nutzen.
Doch wie erfolgreich ist der Markt mit der Liebe wirklich? Laut repräsentativer Bitkom-Umfrage fand nur jeder vierte Nutzer seinen aktuellen Partner über Onlinedien­s‍te. Bei einem weiteren Viertel ging eine Partnerschaft bereits wieder in die Brüche. Vier Prozent gaben an, daß sie einen erotischen Kontakt hatten. Die größte Gruppe jedoch – mit insgesamt 43 Prozent – ging leer aus.(Von Anna Ernst-morgenpost.de)

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