Wie es sich anfühlt, wenn dein Freund merkt, dass er eine Frau ist
Maya* (26) ist seit fast zwei Jahren mit ihrer Freundin Emma* (25) zusammen. Sie hatten sich vor einem Club kennengelernt, im Sommer 2015, am Einlass, wo sie beide warten mussten. Sie liefen sich wieder und wieder über den Weg und ziemlich bald wussten beide: Da stimmt was, zwischen uns beiden, das fühlt sich richtig an. Es folgte das klassische Programm: Romantische Abende zu zweit, gemeinsame Studentenpartys und lange Gespräche in diversen Küchen.
Nur, dass Emma damals noch Lukas hieß.
Wenn ein Mensch sein Geschlecht ändert, dann ist das für ihn
ein großer Schritt – und auch für die Menschen um ihn herum. Deshalb haben wir
mit Maya darüber gesprochen, wie sich der Prozess für sie anfühlt.
Wann wurde dir klar, dass dein Freund vielleicht deine
Freundin ist?
Nach einigen Monaten wurden Emmas Zweifel an ihrer
Geschlechtsidentität immer mehr zum Thema. Sie hat sich dann häufiger
geschminkt. Es war erst Mal komisch, "meinen Freund“ geschminkt zu
sehen.
Als wir zum ersten Mal Sex hatten, während sie geschminkt war,
war ich völlig verwirrt.
Durch die Schminke habe ich sie als Frau gelesen. Das
hat meine Wahrnehmung von ihr so verändert, dass sie mir erstmal ziemlich fremd
vorkam. So, als ob wir zum ersten Mal was miteinander hätten. Ich habe
dann schnell gemerkt, dass sie trotzdem noch dieselbe Person ist.
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| Foto Huffingtonpost |
Ich konnte mir nicht so richtig vorstellen, was das alles
bedeuten würde. Aber vor allem ging es viel um Emma. Sie war in der
Zeit sehr belastet. Ich habe sie darin unterstützt die Therapie anzufangen, die
man, braucht, um später eine Hormonbehandlung machen zu können. Erst
später, als wirklich klar war, dass sie ihr Geschlecht anpassen wird, habe ich
stark an der Beziehung gezweifelt.
Aber du bist mit ihr zusammen geblieben.
Stimmt. Ganz einfach, weil die Beziehung richtig gut
lief. Alle meine Ängste bezogen sich nur auf die Zukunft. Irgendwann habe
ich verstanden, dass ich mich nicht jetzt sofort entscheiden muss, ob ich
den ganzen Weg mitgehen möchteoder nicht.
Wovor hattest du Angst?
Ich hatte Angst vor den ganzen Veränderungen in der
Beziehung. Die Hormonbehandlung kann starke Nebenwirkungen haben. Ich
wusste überhaupt nicht, was da auf uns zukommt. Und habe mir den ganzen
Prozess extrem schwierig vorgestellt. Emma meinte da schon, dass sie
glaubt, dass es mehr Entlastung, als Belastung sein werde. Aber auch Angst
vor Homophobie und Diskriminierung haben eine Rolle gespielt.
Was hat dir geholfen, deine Ängste zu überwinden?
Gelöst haben sie sich als ich zu einer Beratungsstelle
gegangen bin. Dort habe ich gemerkt, dass ich viele Ängste einfach
unterdrückt habe. Mir wurde klar, dass sie auch ihren Platz brauchen
– dass ich auch zweifeln darf und unsicher sein. Das auszusprechen und
mich nicht schuldig dafür zu fühlen, hat mir sehr geholfen.
Aber Emma hat Recht behalten, und der Prozess war dann eher
entlastend…
Auf jeden Fall! Es ist enorm, wie viel Belastung von ihr
abgefallen ist. Und immer noch von ihr abfällt. Sie ist jetzt seit
ungefähr einem halben Jahr in hormoneller Behandlung, hat sich geoutet, ihren
Namen geändert, einen neuen Pass beantragt und wartet gerade auf einen Termin
für die OP.
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| Foto-Huffingtonpost |
Genau. Sie hat allen Bescheid gesagt, dass sie jetzt Emma
heißt. Sie hat sich neue Klamotten gekauft und ist geschminkt auf die Straße
gegangen.
Ich musste mich erstmal daran gewöhnen, einen neuen Namen zu
benutzen.
Die Zeit nach dem Outing war insgesamt sehr schön. Zu
sehen wie sich Emma immer mehr traut, wie viel Last von ihr abfällt und sie
selbstbewusster wird – das hat richtig Spaß gemacht!
Aber Schwierigkeiten gibt es schon auch?
Klar! Anstrengend ist vor allem die ganze Bürokratie. Zum
Beispiel muss man für den neuen Personalausweis nachweisen, dass man drei Jahre
unter dem Zwang lebt, sein Geschlecht anpassen zu wollen.
Der ganze Prozess zieht sich durch die vielen unsinnigen
Bestimmungen sehr in die Länge. Immer wieder Geduld dafür aufzubringen, und
dabei mit den Belastungen weiterleben zu müssen, ist für Emma sehr hart. Jedes
Mal, wenn sie ein Paket bei der Post abholt, feiern geht oder das
Semesterticket in der Bahn kontrolliert wird, ist das sehr unangenehm für
sie. Weil da Lukas drin steht und es trotzdem der Ausweis einer Frau
ist.
Ihr tretet jetzt auch in der Öffentlichkeit als
homosexuelles Paar auf. Was hat sich dadurch verändert?
Homophobie spielt jetzt eine Rolle - das ist neu. Man
wird angestarrt, uns wird hinterhergepfiffen und allgemein haben sich die
Blicke und Reaktionen veränder – das ist halt ätzend.Besonders schwierig ist,
dass in Konflikten Emmas Stimme tief wird. Dann sind wir nicht einfach ein
homosexuelles Pärchen, sondern dann wird deutlich, dass Emma trans* ist. Und
Gewalt und Ausgrenzung gegen Trans*personen sind weit verbreitet.
Wie haben denn deine Familie und Freunde
reagiert?
Viele kannten bisher keine Trans*person, aber es hat
trotzdem niemand abweisend reagiert.
Alle waren sehr offen und neugierig.
Das konnte dann fast schon ein bisschen nerven, immer die
gleichen Fragen zu beantworten, aber es ist natürlich voll schön, dass so viele
Fragen gestellt werden!
Meinst du, du wirst Lukas irgendwie vermissen?
Nö – ich bin ja immer noch mit der gleichen Person
zusammen. Traditionelle Geschlechterrollen haben wir in unserer Beziehung
noch nie gelebt, da wird sich kaum etwas ändern.
An die körperlichen Veränderungen müssen wir uns natürlich
gewöhnen – und im Bett einiges neu ausprobieren.
Hat sich mit Emmas Geschlechtsangleichung auch deine
Sexualität verändert?
Verändert hat sie sich dadurch nicht. Ich hatte schon vorher
überlegt, ob ich vielleicht bisexuell bin. Im Laufe der Beziehung ist das Thema
natürlich nochmal aufgekommen.
Mittlerweile würde ich sagen, dass es mir egal ist, welchem
Geschlecht sich jemand zuordnet. Ich habe mich in eine Person verliebt,
und auch wenn sich viel verändert hat, liebe ich immer noch denselben
Menschen.
Sie ist nur ein bisschen mehr sie selbst geworden.(Pia Siber-bento)
* Die Namen beider Protagonisten wurden zu ihrem Schutz
geändert.



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