Skandalpfarrer in der Toskana Das geheime Luxusleben des "Don Euro"
Drogen, Callboys, Luxuspartys: Mit veruntreuten Spenden und von seinem Bischof erpressten Geld soll ein Pfarrer in der Toskana ein Doppelleben finanziert haben. Die Kirche kommt in dem Skandal schlecht weg.
Seinen Vorgesetzten hatte Don Luca Morini, Pfarrer der
300-Seelen-Gemeinde Caniparola, offenbar gut im Griff: Er plünderte den Bischof
von Massa-Carrara regelrecht aus, wenn man der italienischen Staatsanwaltschaft
glauben mag.
Anfangs bettelte und log der Pfarrer den Ermittlern zufolge
nur. Er sei krank, klagte er zum Beispiel, müsse zum Heilfasten ins
Kapuzinerkloster. Aber er habe das nötige Geld nicht. Bischof Giovanni Santucci
gab es ihm. Damit finanzierte Don Luca freilich keinen Besuch bei den
Kapuzinermönchen, sondern im Fünfsternehotel "Ai Capuccini"
("Bei den Kapuzinern"). Statt Fasten gab es Feste, orgiastische
Wellness-Abenteuer mit Callboys.
![]() |
| Foto-Mannsbilder |
Jahrelang besorgte sich der Dorfpfarrer nach Überzeugung der
Ermittler auf solche Weise beim Bischof Geld für sein süßes Doppelleben. Als es
dem Monsignore zu viel wurde, verlegte sich der Pfarrer demnach vom Betteln
aufs Erpressen. Er soll damit gedroht haben, "bedauerliche Fakten über viele
Priester der Diözese" publik zu machen. Er habe nämlich "brisante
Dokumente".
Der Bischof erschrak und zahlte weiter. Mal 1000, mal 4000
Euro, mal aus der eigenen, mal aus der Kirchenkasse. So jedenfalls sieht es die
Staatsanwaltschaft. Dazu habe der Bischof dem Pfarrer ein Häuschen im Wert von
200.000 Euro kostenlos zum Bewohnen überlassen und ihm monatlich 800 Euro für
die Haushaltshilfe zugeschoben.
Geld "für die Armen" - leicht zweckentfremdet
Aber ein paar Tausender vom Bischof reichen natürlich nicht
dauerhaft für ein pralles Luxusleben mit Kokain und teuren Geschenken für
Lustknaben, etwa Designermode. Also wandte sich der Pfarrer laut
Staatsanwaltschaft seiner kleinen Gemeinde zu. Sie hat einige durch den Marmor
dieser Gegend sehr reich gewordene Mitglieder. "Für die Armen"
forderte Don Luca so nachdrücklich wie erfolgreich Geldspenden ein, dass er den
Spitznamen "Don Euro" bekam.
Sogar bei einigen Pfarrerkollegen griff er Ermittlern
zufolge Geld ab. Und selbst vor den Nonnen im "Casa Faci", einem
Haus, in dem Priester und strenggläubige Kirchenschäfchen meditieren und
verweilen können, soll er nicht zurückgeschreckt sein. Sagt die Justizbehörde.
Wenn die Nonnen ihm nicht jeweils 400 Euro zahlten, gebe es keine Gedenkmesse
für verstorbene Betschwestern mehr, habe er gedroht. Natürlich wurde gezahlt.
Pfarrers Sparstrumpf: 700.000 Euro, dazu Edelsteine und
Aktien
Als Fahnder im Auftrag der Staatsanwaltschaft von Massa-Carrara das Haus des "Don Euro" durchsuchten, fanden und beschlagnahmten sie, so schreibt die katholische Kirchenzeitung "Avvenire", 700.000 Euro Bargeld, dazu Edelsteine und Aktien im Wert von 150.000 Euro.
Jetzt droht Don Luca Morini eine Anklage wegen Erpressung,
Untreue und Betrug.
"Don Euro" selbst sagt öffentlich gar nichts zu den
Vorwürfen. Nur sein Anwalt verkündet, es handle sich um "ein großes
Missverständnis", es gehe "um Sünden, nicht um Straftaten".
Ermittelt wird auch gegen den Bischof, weil der das Geld für
"Don Euro" aus der Kirchenkasse genommen haben soll. Zudem steht ein
Ex-Priester unter Verdacht der Hehlerei. Er soll die Spendenschecks der reichen
Gemeindemitglieder für den Pfarrer eingelöst haben. Alles zusammen es ein
unfassbar peinlicher Skandal für die katholische Kirche, die in der
traditionell "roten Toskana" ohnehin keinen leichten Stand hat.
Und je mehr ans Licht kommt, desto schlimmer wird es. Als
die Gemeinde der Gläubigen langsam Verdacht gegen den Pfarrer schöpfte und mit
dem Bischof darüber reden wollte, schickte der nur einen Referenten. Dem
erklärten die Katholiken von Caniparola, wie Don Luca sie jahrelang ausgenommen
habe: Sie spendeten zum Beispiel viel Geld für einen Spielplatz, der nie gebaut
wurde. Sie zahlten hohe Summen für des Pfarrers Segen - ob Taufe, Kommunion
oder letzte Ölung, ohne Spende gab es ihn nicht. Dabei wussten die Gläubigen
längst, dass der Priester alles verprasste. Und wie reagierte die Kirche, als
sie über all das informiert wurde? Gar nicht.
![]() |
| Foto-mannsbilder |
Ein Callboy packt aus
Der Skandal kam erst durch einen der Beteiligten ans Licht, den
Prostituierten Francesco Mangiacapra. Der soll den Priester offenbar lange für
einen wohlhabenden Richter gehalten und homosexuelle Feste, Geschenke und
Liebesbriefe vom Pfarrer in Bildern und Filmen festgehalten haben. Aber selbst
dieser Hauptzeuge hatte Mühe, sich Gehör zu verschaffen, als er den Betrug
offenbaren wollte.
Schon seit 2015 habe Bischof Santucci alles gewusst, sagt
Mangiacapra, Homo-Escort aus Neapel und nun auch Buchautor ("Bekenntnisse
eines Strichers"). Er wolle sich mit dem Buch nicht bereichern, sagt er.
Er habe lange zuvor versucht, die Sache aufzudecken. Aber der Bischof sei nie
ansprechbar gewesen. Und der Vikar, mit dem er sprechen durfte, "wusste
alles, tat nichts", sagt Mangiacapra: "Ich erzählte ihm, ohne Namen
zu nennen, 'was einer eurer Priester so macht'". Die Antwort sei gewesen:
"Bete für Don Luca!"
Statt zu beten ließ Mangiacapra das gesamte Material einem
Fernsehsender zukommen. Es war das Ende für Don Lucas Doppelleben.( Von Hans-Jürgen Schlamp- Rom-spiegelonline)



Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen