Freitag, 15. September 2017



Realsatire

Gender Studies – Jobwunder für Genderi­s‍ten oder überflüssig wie ein Kropf? Oder  Eine kritische Betrachtung unserer Bildungspolitik

Dissertation: „Klimawandel und Gender: Untersuchung der Bedeutung von Geschlecht für die soziale Vulnerablität in überflutungsgefährdeten Gebieten“ - Habilitation: „The Gendered Body: Female Sanctity, Gender Hybridity and the Body in Women's Hagiography“.
Liebe Leser! Pardon: Liebe Leserinnen und Leser! Liebe LeserInnen! Liebe Leser_innen! Liebe Leser*innen! Liebe Leser/innen! Liebe Leserixe! Liebe Lesa! Liebe Lesende!
Fühlt sich jetzt jede*r/jedix mit diesen von führenden GenderlinguistInnen empfohlenen, „entpatrifizierten“ Anreden angesprochen? Dann kann ich ja endlich starten mit meiner ganz großen Bitte um ganz viel Geduld für das Nachfolgende. Sie müssen es wirklich geduldig lesen, und Sie müssen jeden Tobsuchtsanfall, auch jeden Lachkrampf gewaltsam unterdrücken, sonst wird Ihnen nicht klar, welche Blüten mittlerweile Deutschlands Bildungs- und Forschungs(un)wesen treibt. Und Sie dürfen auch nicht glauben, daß es sich hier um den Rohentwurf einer Büttenrede handelt. Nein, es ist Realität, was ich Ihnen hier präsentiere. Realsatire eben!
Wußten Sie, daß es an deutschen Universitäten und Fachhochschulen 212 Professuren mit Schwerpunkt oder Teilschwerpunkt Genderforschung gibt? Wußten Sie, daß dies mehr Professuren sind, als Deutschland Pharmazieprofessuren hat, nämlich 191? Wußten Sie, daß es damit etwas doppelt so viele Gender-Professuren gibt wie Professuren für alte Sprachen (nämlich 113), also Professuren für unsere sprachlichen und kulturellen Wurzeln? Sie glauben es nicht? Dann präsentiere ich Ihnen ein paar „Dominationen“ (ja, man sagt wirklich so) dieser Professuren sowie ein paar Titel von Dissertationen und Habilitationsschriften.

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Genderismus-Blüten

Fangen wir mit Professuren und Universitätsin­s‍tituten an! Beispiel Humboldt-Universität Berlin: Dort gibt es zum Beispiel eine Professur für Gender und Globalisierung an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät; eine Juniorprofessur für Wissensgeschichte und Gender Studies am In­s‍titut für Kulturwissenschaft; eine Professur für Gender und Science/Naturwissenschafts- und Geschlechterforschung am In­s‍titut für Geschichtswissenschaften. An der Technischen Universität München haben wir eine Professur für Gender Studies in den Ingenieurwissenschaften. Ja, ganze In­s‍titute gendern: Die Humboldt-Universität Berlin hat ein „Zentrum für interdisziplinäre Geschlechter­s‍tudien“; die Universität Bremen ein „Zentrum für femini­s‍tische Studien – Gender Studies“, Hildesheim ein „Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung“ als gemeinsame Einrichtung der Uni und der FH; die Universität Marburg ein „Zentrum für Gender Studies und femini­s‍tische Zukunftsforschung“. Reicht das als Beleg?
Rechnen wir mal hoch: Eine Professur inkl. Assi­s‍tenten, Verwaltungspersonal, Hilfskräften, Bibliotheksko­s‍ten, Reiseko­s‍ten schlägt – je nach Be­s‍tückung – mit jährlich 100.000 bis 300.000 Euro zu Buche. Nehmen wir den Mittelwert 200.000. Das Ganze mal 212 ergibt im Jahr die stolze Summe von immerhin 42 Millionen. Kein Pappen­s‍tiel! Es kommen die Ko­s‍ten für endlos viele Genderbeauftragte in Behörden auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene sowie für handwerkliche Maßnahmen dazu: An den Hochschulen werden „Studentenwerke“ zu „Studierendenwerken“. Der Bund der Steuerzahlen hat hier moniert, daß allein diese Umbenennungen zigtausende von Euro ko­s‍teten: 120.000 Euro an der Universität Karlsruhe, 500.000 an den Universitäten in Berlin. Oder die Ko­s‍ten für ein 32 Seiten umfassendes Papier der Gleich­s‍tellungsbeauftragten der Universität zu Köln mit dem Titel „ÜberzeuGENDERe Sprache“, die folgende Variantenschreibungen vorschlägt: „Mitarbeitendengespräche, MitarbeiterInnengespräche, Mitarbeiter/innengespräche, Mitarbeiter_innengespräche, Mitarbeiter*innengespräche.“

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Idiocrazy

Machen wir weiter mit Themen von Gender-Dissertationen und begnügen wir uns hier mit fünf von ein paar hundert Themen: „Auserwähltes Wissen zum Verhältnis von femini­s‍tischer Theorie und Praxis bei Gender Mainstreaming in Kommunen“ oder „Doing Gender im Chemieunterricht. Zum Problem der Konstruktion von Geschlechterdifferenz – Analyse, Reflexion und mögliche Konsequenzen für die Lehre von Chemie“ oder „Comic – Film – Gender. Zur (Re-)Medialisierung von Geschlecht im Comicfilm“ oder „Klimawandel und Gender: Untersuchung der Bedeutung von Geschlecht für die soziale Vulnerablität in überflutungsgefährdeten Gebieten“ oder „Denken der sexuellen Differenz. Eine dritte Position im Streit zwischen Lacan und den Histori­s‍ten“.
Sie ver­s‍tehen, liebe Leser, nur Bahnhof? Macht nix. Wir toppen das Ganze mit beliebig ausgewählten Themen von Habilitationsschriften. Zum Beispiel: „Pink. En/Gendering a Color“ oder „The Gendered Body: Female Sanctity, Gender Hybridity and the Body in Women’s Hagiography“ oder „Queer G(r)ifts? Development Politics, LGBTIQ Rights an the Trajectories of Transnational Queer Solidarity“ (jeweils an einer deutschen Universität). Warum man hierfür die deutsche Sprache nicht benutzt, weiß keiner. Vielleicht schämt man sich doch ein wenig, diese Art von „Studies“ zu demokratisieren, das heißt, unters Volk zu bringen.
Wer nun glaubt, all dies seien Auswüchse einiger Einzelgänger, der sieht sich getäuscht. Für sowas gibt es Forschungsgelder, notfalls von der EU. Und die Universitätsoberen sehen es gerne, wenn sich ihre Hochschule auf diese Weise profiliert. Die Universität Leipzig zum Beispiel hat aus der Genderei sogar die Konsequenz gezogen, daß es dort – sprachlich – nur noch Professorinnen gibt. Dort gilt seit 2013 als Anrede auch für männliche Professoren: „Herr Professorin“! So kann man mit einem Federstrich eine Frauenquote von hundert Prozent erwirken!

Foto-Mantau

Das also ist (war!) das Land der Dichter und Denker! Heute ist es ein Land, das eine Bundeskanzlerin Angela Merkel Ende 2009 bei einem „Bildungsgipfel“, der als Maulwurfshäufchen endete, zur „Bildungsrepublik“ ernannte. Der Begriff „Bildungsnation“ war ihr wohl zu gefährlich. Ob sie davon weiß, was in dieser „Bildungsrepublik“ an Unsinn betrieben und an Geld vergeigt wird? Oder paßt dies ihr und ihren girl groups ins Konzept? Vielleicht sollte ihr ihre Freundin Alice Schwarzer mal hu­s‍ten, was soeben bei „Emma“ geschrieben wurde: Die „gender studies“ seien die Sargnägel des Feminismus.
Aber noch mal zurück zur „Forschung“: Bald nach ihrem Amtsantritt als Kanzlerin, im Jahr 2006, gab Merkel als Zielmarke aus, daß drei Prozent der deutschen Wirtschaftslei­s‍tung in Forschung und Entwicklung fließen müßten. Da sollte sie bitte mal Bilanz ziehen und einen An­s‍toß geben, daß wuchernder Wildwuchs beseitigt wird. Dann könnte sich die Forschung Dingen widmen, die keinen Gewinn an Ideologie und kein Beschäftigungswunder für Gender-„Forscher“ dar­s‍tellen, sondern einen echten Gewinn an Erkenntnis und Anwendungswissen brächten.(Tischyseinblicke.de)

Josef Kraus war Ober­s‍tudiendirektor, Präsident des deutschen Lehrerverbands, wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und als „Titan der Bildungspolitik“ bezeichnet.

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