15 Fragen zur TransidentitätDas Leben im falschen Körper
Die «Bachelor»-Kandidatin Daryana sorgte als erste Transfrau in der Kuppelshow für Aufsehen. Wir haben mit ihr, einem Chirurgen sowie dem Verein «Transgender Network Switzerland» über Geschlechtsanpassung, Namensänderung und Militärpflicht gesprochen.
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1. Wie heißt es denn nun richtig?
Als Transmänner bezeichnet man Männer, die mit den
Geschlechtsmerkmalen eines Mädchens zur Welt kamen. Transfrauen sind Frauen,
die im Körper eines Jungen geboren wurden. Transgender steht als Überbegriff
für alle Transmenschen. Transsexualität meint dasselbe, stiftet laut der
Organisation «Transgender
Network Switzerland» (TGNS) jedoch Verwirrung, da nicht die blosse
Sexualität und die damit verbundenen romantischen Präferenzen im Zentrum stehen
sollen. Außerdem wurde der Begriff «in einer Zeit geprägt, in der Trans* als
schwere Persönlichkeitsstörung bezeichnet wurde». Ob sich der Betroffene
einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen hat oder nicht, spielt
keine Rolle für die Bezeichung. Personen, die nicht trans sind, bezeichnet man
im übrigen als Cis-Menschen.
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2. Sind Transmenschen homo- oder heterosexuell?
Bei Transmännern und -frauen gibt es genau wie bei
Cis-Menschen alle Variationen sexueller Orientierung. Ein Transmann kann also
sowohl schwul wie hetero sein. Dasselbe gilt für Transfrauen.
«Ich betrachtete mich schon immer als heterosexuelle Frau
und war immer nur an Männern interessiert. Vor meiner Operation hatte ich
einfach nur die Möglichkeit, Analsex auszuüben. Aber stets mit heterosexuellen
Partnern. Mit einem Schwulen wäre das gar nicht gegangen. Ich würde auch nicht
sagen, daß mein Körper in der Vergangenheit männlich war, schließlich wurde ich
auch schon vor der Operation mit Frauen verwechselt. Es war nur das Geschlechtsteil
zwischen meinen Beinen, das nicht zu mir gehörte», sagt die
«Bachelor»-Kandidatin Daryana zu Blickamabend.ch.
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3. Welche Optionen stehen einer Transfrau zur Verfügung, um
ihre Geschlechtsidentität anzupassen?
Die Einnahme von Östrogen und Testosteronblockern
ermöglicht den Betroffenen laut «TGNS» eine physische und psychische
Transformation. Hat man die männliche Pubertät bereits hinter sich, können
einige äußerliche Merkmale - wie die Körpergrösse, die Breite von Schultern und
Händen oder die Stimmhöhe - nicht mehr verändert werden. Die Gesichtszüge
werden jedoch weiblicher, die Brüste größer, die Körperbehaarung weniger und
die Hoden kleiner. Außerdem ändert sich die Fettverteilung.
Reicht eine Hormontherapie nicht aus, greift man zu Brustimplantaten,
schleift den Adamsapfel ab, und verändert die Stimme durch Stimmbandverkürzung
oder logopädisches Training. Entscheidet man sich für eine Genitaloperation,
werden die Hoden und der Penis entfernt. Aus deren Haut entstehen eine
sogenannte Neo-Vagina, die Klitoris sowie äußere und manchmal auch innere
Schamlippen.
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4. Welche Optionen stehen einem Transmann zur Verfügung?
Statt Östrogen nehmen die Transmänner Testosteron zu
sich. Wenn dieses alleine nicht genügt und die Menstruation nach mehreren Monaten
nicht ausbleibt, können zusätzliche Blocker eingesetzt werden. Durch die
Einnahme des Hormons nimmt die Körperbehaarung zu, die Gesichtszüge werden
männlicher und die Klitoris wächst um einige Zentimeter. Die Haut wird gröber
und die Stimme tiefer. Es kann jedoch auch zu Haarausfall und Glatzenbildung
kommen, schreibt «TGNS».
Bei einem operativen Eingriff werden die Brüste, die Eierstöcke
und die Gebärmutter entfernt. Die gewachsene Klitoris wird freigelegt und nun
Klitorispenoid genannt. Durch ihn wird die Harnröhre gelegt. Die Scheide wird
entfernt und verschlossen. Um einen «richtigen» Penis zu formen, wird die Haut
von einer anderen Körperstelle - meist Unterarm - genommen und der sogenannte
Penoid an Leiste oder Klitoris angeschlossen. Penetration gelingt mithilfe
einer Pumpe. Aus Schamlippen werden die Hoden geformt.
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5. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, um mit
einer Hormontherapie anzufangen?
«Bevor ich mit den Hormonen anfangen durfte, mußte ich ein
Jahr lang in die psychologische Therapie», erzählt Daryana von ihren
Erfahrungen im Teenager-Alter. «Da wird kontrolliert, ob man wirklich diesen
Wunsch hat, ob man stark und stabil genug ist und wie man im Alltag mit
Konflikten und verschiedenen Emotionen umgeht.»
6. Was passiert während der Hormontherapie?
«Für eine Hormontherapie muß man stark sein, denn die
verändert nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Ich wurde in dieser
Zeit zurückhaltender und suchte meine Ruhe. Es fühlte sich wie in einer
Schwangerschaft an. Ständig hatte ich Stimmungsschwankungen, konnte wegen jeder
Kleinigkeit anfangen zu heulen, und dann im nächsten Moment wieder lachen.
Das größte Highlight in dieser Zeit war für mich, als meine Brüste angefangen
haben, zu wachsen», erinnert sich die «Bachelor»-Teilnehmerin.
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7. Kann ein Transmensch nach der Operation noch einen
Orgasmus haben?
In den meisten Fällen bleiben die Sensibilität und die
Orgasmusfähigkeit erhalten, heißt es bei «TGNS». Auch Daryana kann das bestätigen.
«Bei mir klappt es wunderbar. Ich kann klitorale Orgasmen, wie jede andere Frau
auch, haben.»
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8. Womit haben die Betroffenen in der Zeit der
Transformation am meisten zu kämpfen?
«Das Warten ist das Schlimmste. Die Sitzungen beim
Therapeuten empfand ich nicht als hilfreich, weil ich schon immer wußte, daß
ich eine Frau bin, die im falschen Körper steckt. Mir war es wichtig, schnell
mit den Hormonen zu beginnen und dann die Operation durchzuführen. Ich wollte
so schnell wie möglich ans Ziel kommen und glücklich sein. Doch ich mußte
warten, bis der Therapeut sein Einverständnis gibt», erzählt Daryana.
9. Wer bezahlt das alles?
Grundsätzlich müssen die Kosten für die medizinische
Angleichung der primären und der sekundären Geschlechtsmerkmale von
der Grundversicherung der Krankenkasse übernommen werden, wenn die
Angleichung in der Schweiz gemacht wird, sagt Alecs Recher, Leiter
Rechtsberatung bei «TGNS». Verlangt wird die Diagnose Trans* («Gender
Dysphorie» oder «echter Transsexualismus») und eine Bestätigung, daß die
gewünschte Maßnahme notwendig ist, daß es nicht ohne diese und auch keiner kostengünstigeren
Variante geht.
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Aufgrund eines Bundesgerichtsentscheids verlangen Ärzte und
Kassen zum Teil noch zwei Jahre Therapie bei einem Psychiater, bevor die
Operationskosten übernommen werden. Die psychiatrische Behandlung, die
Hormontherapie, die geschlechtsangleichenden Operationen, die Logopädie nach
Überweisung und die Epilationen bei einem Dermatologen werden meistens
ebenfalls bezahlt. Leistungen, die im Ausland erbracht wurden, werden von der
Krankenkasse in der Regel nicht finanziert.
10. Wie viele Transmenschen leben in der Schweiz?
Laut «TGNS» gibt es keine genauen Zahlen, da es darauf
ankommt, wen man alles mitzählt. Studien aus dem Ausland zeigen ganz
verschiedene Häufigkeiten. So fanden Forscher aus Holland, daß einer von 200
Menschen sich nicht mit dem Geschlecht identifiziert, dem er nach der
Geburt zugeordnet wurde. Das wären in der Schweiz etwa 40’000 Menschen. Andere
zählen nur die Transmenschen, die bereits eine geschlechtsangleichende
Operation machen liessen. Das sind in der Schweiz nur ein paar Hundert.
Dr. Richard Fakin, plastischer Chirurg im
Universitätspital Zürich, führt pro Jahr ca. 45 geschlechtsangleichende
Operationen bei Transfrauen durch und etwa zehn Mastektomie-Eingriffe bei
Transmännern.
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11. Darf ein Transmann vor einer geschlechtsangleichenden
Operation auf die Männer-Toilette?
«Jeder darf seine Geschlechtsidentität so leben, wie er es
möchte. Demnach darf ein Transmann die Männer-Toilette benutzen, sich als Mann
kleiden oder seine Post an «Herr» adressiert bekommen - egal, ob er sich einer
geschlechtsanpassenden Operation oder einer Hormontherapie unterzogen hat»,
meint Alecs Recher.
12. Welche Voraussetzungen müssen für eine Namensänderung
erfüllt werden?
Laut «TGNS»-Informationen darf eine Transperson den Namen
ohne irgendwelche Genehmigungen bei privaten Papieren wie Bankkonten,
Mitgliederausweisen, Halbtax/GA oder Krankenkassenausweisen ändern lassen.
Handelt es sich jedoch um amtliche Dokumente, wie ID, Paß oder Führerausweis,
ist eine amtliche Namensänderung notwendig. Dafür wird ein Gesuch bei der
kantonalen Verwaltungsstelle des Wohnorts eingereicht. Die Voraussetzungen
für einen positiven Entscheid variieren von Kanton zu Kanton. Meistens
braucht man ein Arztschreiben und in einigen Kantonen ist die Einnahme von
Hormonen dafür ebenfalls Pflicht. Auch Jugendliche dürfen eine Namensänderung
beantragen. Dafür müssen sie nur urteilsfähig sein und brauchen keine Zustimmung
der Eltern.
13. Wie verläuft die amtliche Geschlechtsänderung?
Unabhängig von der Namensänderung können Transmenschen auch
ihr offizielles Geschlecht ändern. Dafür muß beim Zivilgericht erster Instanz
eine Klage eingereicht werden. In der Schweiz besteht nur die Möglichkeit
«männlich» oder «weiblich» eintragen zu lassen. Ein drittes, neutrales Geschlecht, wie es im US-Bundesstaat
Oregon der Fall ist, gibt es bei uns nicht. Auch ist es nicht erlaubt, gar
keinen Geschlechtseintrag zu haben.
Genau wie bei der Namensänderung, gibt es auch bei der
Geschlechtsänderung keine einheitlichen Voraussetzungen. «In der Praxis werden
heute vor allem ein Gesuch und eine Bestätigung von Psychologen und
Psychiatern verlangt. Medizinische Eingriffe zu verlangen wäre eine
Menschenrechtsverletzung», sagt Alecs Recher.
Nach einer Geschlechtsänderung darf der Transmensch, gleich
wie jede andere Person, dasselbe Geschlecht heiraten. Ein Transmann darf also
mit einer Frau die Ehe schliessen oder mit einem Mann in einer eingetragenen
Partnerschaft leben.
14. Was passiert mit der Militärpflicht?
«Grundsätzlich gelten Transmenschen als doppelt untauglich.
Es gibt aber einzelne, die dennoch zugelassen wurden», meint Alecs Recher.
15. Bleibt ein Transmann die Mutter für ein bereits
geborenes Kind oder wird er dann zum Vater?
«Aus rechtlicher Perspektive (die selbstverständlich
nichts mit dem gelebten Familienalltag zu tun haben muß) ist diese Frage noch
kaum geklärt. Es ist eine Interessenabwägung vorzunehmen zwischen den
Interessen der Eltern und denen des Kindes», so Recher.(von Anastasia Mamonova-blick am Abend)










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