Que(e)r gelesen: Der Eunuch aus Äthiopien
Es gibt eine Geschichte im Neuen Testament, die erzählt von einem äthiopischen Eunuchen. Er ist die erste nichtjüdische Person, die zum Christentum bekehrt wird. Ausgerechnet ein schwarzer Intersexueller!
![]() |
| Foto-envangelisch.de |
In westlichen Gesellschaften sind androgyne Typen wie David
Bowie und Annie Lennox vor allem in der Film-, Musik- und Medienbranche schon
lange keine Seltenheit mehr. Im Gegenteil, es hat oft positive Auswirkung auf
die eigene Karriere, anders zu sein. Androgyn, metrosexuell, möglichst noch gutaussehend,
männlich, weiblich. Egal. Was heißt das schon? Das ist cool und spannend. Aber
im Alltag bitte nicht zu sehr den Rahmen sprengen. Dann wird es
kompliziert, manchmal sogar gefährlich.
Was ist aber, wenn wir tatäschlich mit Personen zu tun
haben, die bei ihrer Geburt keine eindeutige Geschlechtszugehörigkeit
haben? 'Intersexuell'
heißt der Fachausdruck. Die meisten Menschen wissen wenig bis gar nichts über
sie. Und erst in den letzten Jahrzehnten ist der öffentliche Diskurs über die Forderungen von
Intersexuellen an die Öffentlichkeit gelangt: Das Recht selbst zu entscheiden,
ob eine Geschlechtsangleichung (z.B. kosmetische Genitaloperationen im
Kindesalter, Hormonbehandlungen, etc.) in die eine oder andere Richtung
vorgenommen wird.
Mehr zum Buch und wo du es erwerben kannst, wenn Du dem Link
folgst-http://amzn.to/2hakgP2
Abgelehnt wird von Intersexuellen, daß Ärzte schon
direkt nach der Geburt entscheiden, daß es eine
Genitalvereinheitlichung geben muß, ohne daß die Betroffenen das selbst
entscheiden können. Denn ein Zwitterwesen ist für die meisten unerträglich.
Es ist in der Gesellschaft nicht vorgesehen. Aber es gibt sie in Gottes
weiter Schöpfung.
Mehr zum Buch und wo du es erwerben kannst, wenn Du dem Link
folgst-http://amzn.to/2hc8a7O
Um so bemerkenswerter ist es daher, daß in der Bibel ein
äthiopischer Eunuch vorkommt. Die Geschichte stammt aus der Apostelgeschichte
(Apg. 8, 26-39). Und die Geschichte geht so: Jesus war
nicht mehr da. Nun mußten die Jüngerinnen und Jünger und alle
anderen Gläubigen um Jesus herum seine Lebensgeschichte und seine
Botschaft weiter tragen. Sie sollten mutig und beharrlich sein und Jesu
Botschaft mit ihren eigenen Worten bezeugen. Vor allem aber, so hatte es Jesus
den seinen aufgetragen, sollten sie zu den Menschen gehen und sie im Namen des
Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes taufen. Das war ihr Auftrag.
Der erste nichtjüdische Bekehrte, von dem in der Apostelgeschichte
berichtet wird, war ein Schwarzer Kämmerer, ein Finanzbeamter aus Äthiopien.
Und dann auch noch einer, der einer sexuellen Minderheit angehörte. Er war
ein 'Eunuch'.
Nach der biblischen Geschichte war Philippus auf einer Wüstenstraße
unterwegs. Dort begegnete er dem äthiopischen Kämmerer. Er wird in der Bibel
als Eunuch bezeichnet. Auf dem Rückweg aus Jerusalem saß er in einem Wagen
und las ein Kapitel aus dem Buch vom Propheten Jesaja. Als er Philippus
sah, lud der Fremde Philippus ein zu ihm in seinen Wagen zu
klettern. Philippus erzählte dem Mann von Jesus und seiner Botschaft.
Der Eunuch hörte aufmerksam zu. Sein Interesse war geweckt. Und am Ende der Geschichte
war er ganz begeistert von den Erzählungen über Jesus. Er zeigte Philippus
ein Gewässer, das am Wegesrand lag. Und er sagte:
"Schau mal da drüben. Da ist Wasser. Was steht meiner
Taufe noch im Weg?" (Apg 8,36).
Er wollte sich von Philippus taufen lassen. Philippus taufte
ihn tatsächlich und zog dann weiter seines Weges.
![]() |
| Foto-Evangelisch.de |
Als ich die Geschichte das erste Mal hörte, wurde mir der
Sinn der Geschichte erklärt: Ich sollte allen Menschen, denen ich begegne, von
Jesus und seiner Botschaft erzählen. Dann könnte ich vielleicht den
einen oder die andere bekehren, auf den richtigen Weg bringen oder sogar
retten. Selbst einen 'armen Eunuchen'.
Die ersten Christinnen und Christen gingen damals
davon aus, daß Ungläubige erst zum Judentum konvertieren müßten, bevor sie Christen
werden könnten. Genauso machten das auch christliche Kirchen lange mit
Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen. Nach dem Motto: Erst bekehren
wir euch. Und wenn ihr dann genug glaubt, dann werdet ihr so wie wir, also
'normal'. Wir können eure sexuelle Orientierung und eure Genderidentität
'wegbeten'. So glauben es auch heute noch einige Anhänger von
Konversionstherapien. Die schlimmsten Auswüchse davon stammen von
Medizinern oder Psychologinnen, die Elektroschocks verschrieben
haben, oder von angeblich Berufenen, die Exorzismen im Namen Gottes
durchführten. Angeblich, um den Teufel oder dämonische Kräfte aus dem Körper
der Betroffenen auszutreiben.
Mehr zum Buch und wo du es erwerben kannst, wenn Du dem Link
folgst-http://amzn.to/2zPWuiX
Leider gibt es solche barbarischen Rituale auch
im Jahre 2017 immer noch. 'Nicht normale', queere Menschen durften also nur
dann in christlichen Gemeinden mitmachen, wenn sie 'normal' wurden. Wenn
sie sich der Merheitsgesellschaft anglichen oder zölibatär lebten und nicht
weiter ihren 'perversen' Lebensstil aufrecht hielten.
Mittlerweile geht es in christlichen Kirchen in vielen
Regionen und Ländern schon lange nicht mehr darum, ob sondern wie christliche
Gemeinden inklusiv sein können und wie sie Anderslebende und
Andersliebende einladen und erreichen können. Ob diese sich davon angesprochen
fühlen, ist eine andere Frage. Gastfreundlich sein, reicht oft nicht aus.
Gemeinden müssen mit ihren Veranstaltungen, Angeboten und Gottesdiensten auch
attraktiv sein beispielsweise für Lesben, Schwule Bi-, Trans- und Intersexuelle
und deren Lebenswelten. Sonst kommen sie nicht oder gehen wieder. Aber
immerhin, Offenheit und Respekt sind eine wichtige Voraussetzung für inklusive
Gemeinden.
Mehr zum Buch und wo du es erwerben kannst, wenn Du dem Link
folgst-http://amzn.to/2xqedvK
Je länger ich mich mit der biblischen Geschichte über den
Eunuchen auseinandersetze, desto mehr kann ich der lutherischen Pfarrerin Nadia Bolz-Weber aus
Denver in Colorado folgen. Bolz-Weber schreibt, daß es in der Geschichte vom
äthiopischen Eunuchen nicht so sehr darum geht, daß der sich von Philippus
taufen und bekehren läßt. Vielmehr ginge es umgekehrt darum, daß Philippus vom
Eunuchen bekehrt werde.
Der Eunuch las im Buch Jesaja, als er Philippus traf.
Er schien also ein Jude zu sein, der die biblischen Schriften studierte und
darin kundig war. Vielleicht kannte er auch die Zeilen aus dem 5. Buch
Mose, nach dem kein so genannter 'Entmannter' oder 'Verschnittener',
zur Gemeinde Gottes kommen konnte (5. Mose 23,2). Das Gesetz hatte es Eunuchen
verboten, den Tempel zu betreten. Da sie in keine der vorgesehenen Kategorien
und Schubladen paßten, wurden sie als 'unrein' angesehen. Sie paßten nicht
zum Allerheiligsten. Trotzdem war der Eunuch nach Jerusalem gereist, um zu
beten. Wahrscheinlich haben die Leute ihn damals wieder weggeschickt. Es gab
dort keinen Platz für ihn.
Der Eunuch hat Gott gesucht, aber nur Ablehnung und
Ausgrenzung gefunden.
Diesen Filmklassiker sollte jeder gesehen haben, den er
Beruht auf einer wahren Begebenheit. Ein Sohn nimmt sich das Leben und die
Mutter lernt, was es heißt Christ und schwul zu sein. Einfach nur ein super
Film der Mut macht. Mehr zum Film und wo du Ihne erwerben kannst, wenn Du dem
Link folgst-http://amzn.to/2hawXsX
Auf dem Rückweg traf er auf Philippus. Und der taufte
ihn. Er taufte ihn, weil der Eunuch ihn darum gebeten hatte. Philippus fing
nicht damit an zu argumentieren, daß man dieses oder jenes sein oder vorher
getan haben müßte, um getauft zu werden. Er tat es einfach. Die Begegnung mit
dem Mann muß eindrücklich für ihn gewesen sein. Vielleicht hat sie ihn
nachdenklich gemacht, vielleicht sogar persönlich berührt. Vielleicht fand
Philippus auch gerade durch den Eunuchen heraus, was es wirklich heißt, Gott zu
suchen. Denn er hatte jemanden getroffen, der trotz aller Ablehnung,
Ausgrenzung und trotz aller Widerstände weiter nach Gott gesucht hat.
Wir wissen es nicht. Aber wir wissen, daß Philippus den Fremden getauft hat.
Ausgerechtnet einen schwarzen Eunuchen. Was für eine Geschichte!
Ich brauche in meinem Leben immer wieder Menschen anderer
Herkunft, Geflüchtete, Außenseiter und Andere, die mir das Wasser in der Wüste
zeigen. Ich muß von so jemanden hören:
"Hier ist Wasser in der Wüste. Was spricht dagegen
mich zu taufen?"
Wenn mir das jemand sagt, dem ständig mitgeteilt wurde, er
oder sie sei nicht willkommen, dann hat das eine enorme Wirkung. Denn er
oder sie glaubt trotz alledem. Vielleicht ist sie gläubig und intersexuell.
Oder er betet und ist schwul. Sie ist engagierte Christin und lesbische
Aktivistin. Er ist bisexuell und engagiert in der Gemeinde. Sie ist
transsexuell und zweifelnde Gläubige, glaubende Zweiflerin. Entscheidend ist
für mich Folgendes: Es geht nicht darum diese Menschen zu verändern. Es geht
darum, sie ernst zu nehmen, sie zu respektieren, so wie sie sind. Das wichtigste
ist aber sie zu fragen:
Und Falls Gott die Trilogie ein Muss für alle die mehr über
den Zwiespalt von Mission und Liebe wissen wollen. Missionar zu sein und sich
in den Missionar zu verlieben. Die Filme zeigen sehr schön wie schwer der
Zwiespalt ist, aber auch mit einem tollen Happyend. Mehr zu den Filmen und wo
du sie erwerben kannst, wenn Du dem Link folgst-http://amzn.to/2hampu4
"Was wollt ihr und was braucht ihr?"
Ich kann mich durch Fremde, denen ich begegne, berühren
lassen und dadurch vielleicht sogar neu bekehren lassen. Ich möchte zuhören und
verstehen. Ich möchte erkennen, wo es Wasser in der Wüste gibt. Ich kann
mit ihnen zusammen ein Tauffest feiern. Denn sie alle können getauft
werden, wenn sie das selbst wollen, unaubhängig von ihrer Hautfarbe, ihrer
sexuellen Orientierung und Genderidentität. Ich kann mit ihnen christliche
Gemeinschaft teilen. Denn wir sind alle einzigartig und verschieden und dennoch
eins in Christus.(Dr. Kerstin
Söderblom-evangelisch.de)









Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen