Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens
Bischof kritisiert "öffentliche Debatte" über Homophobie in seiner Kirche
Ein schwuler Jugendwart erhält in der evangelischen Kirche
Sachsens Predigtverbot. In einem Interview verwahrt sich Landesbischof Carsten
Rentzing gegen Kritik aus Politik und Medien.
Der sächsische Bischof Carsten Rentzing hat in einem
Interview die öffentliche Debatte um offene Homophobie gegen einen schwulen
Jugendwart in seiner Landeskirche kritisiert: "Ich ärgere mich darüber,
daß das Thema öffentlich diskutiert wird, während es doch viel mehr auf
persönlicher Ebene geführt werden müßte", erklärte der Chef der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche
Sachsens gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd).
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| Foto-Forcus. |
Rentzing über "politische Instrumentalisierung" erzürnt
Anstatt die Homophobie anzuprangern, zeigt Rentzing auf
mutmaßliche Schuldige an dem Streit – diese kämen von außerhalb der Kirche. Er
kritisierte etwa, daß die SPD-Politikerin Petra Köpping, die sächsische
Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, mit dem
diskriminierten Jugendwart gesprochen habe: "Für mich ist das politische
Instrumentalisierung des Themas. Eine öffentliche Debatte gefährdet den
Gesprächsprozeß", so Rentzing. Die Medien mischten sich ebenfalls ein:
"Auch die Medien verhärten in diesem Zusammenhang die Fronten nur noch
stärker. Das geht alles auf Kosten von Jens Ullrich und ist nicht zu
verantworten. Ich hoffe, daß wieder etwas Ruhe eintritt und die Gespräche nicht
von äußeren Vorgängen überlagert werden."
Rentzing gilt als konservativer Bischof, der aus seiner
Ablehnung gegenüber Homosexuellen nie einen Hehl gemacht hat. Der evangelische
Würdenträger behauptete etwa kurz nach seinem Amtsantritt 2015, daß
"gelebte Homosexualität" pauschal nicht "dem Willen Gottes"
entspreche
Im neuen epd-Interview bekräftigte der 50-jährige Bischof,
daß er persönlich keine homosexuellen Paare segnen werde. Auch Gegner des
schwulen Jugendwarts nahm er ausdrücklich in Schutz: "Die Beteiligten vor
Ort fühlen sich verletzt, so wie Jens Ullrich sich verletzt fühlt",
behauptete Rentzing. "Wir werden nicht die theologischen Unterschiede
ausräumen können." Grundsätzlich wolle er das Thema nicht angehen: In
internen Gesprächen werde es "nicht um Homosexualität gehen, sondern um
den Umgang miteinander." (dk-Queer.de)
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Bischof Rentzing bekräftigt Notwendigkeit des Dialogs
Der Bundestagswahlausgang, der hohe Prozentsatz an
AfD-Wählern in Sachsen sowie das neue Gesetz zur "Ehe für alle"
beschäftigt die evangelische Landeskirche in Sachsen. Debattiert wird ebenso
über die Diskriminierung eines homosexuellen Jugendwarts im Erzgebirge sowie
über die kirchliche Strukturreform. Der Evangelische Pressedienst (epd) sprach
in Dresden mit dem Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens,
Carsten Rentzing, über die aktuellen Herausforderungen.
Wird sich nach der bundesweiten Einführung der "Ehe für
alle" an der Praxis innerhalb der sächsischen Landeskirche etwas ändern?
Carsten Rentzing: Für eine öffentliche Segnung dieser Partnerschaften
in einem Gottesdienst gilt die Regelung, daß Pfarrer, die es vor ihrem Gewissen
verantworten können, diese Segnung auch praktizieren dürfen. Dazu gibt es eine
kirchliche Handreichung.
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Würden Sie selbst homosexuelle Paare in einem Gottesdienst segnen?
Rentzing: Ich habe immer gesagt, das ich das nicht machen
würde. Dabei bleibe ich auch weiter. Die neue Rechtslage ändert nichts in der
theologischen Frage.
Gibt es denn konkrete Anfragen von gleichgeschlechtlichen
Paaren in Sachsen, die sich in einem evangelisch-lutherischen Gottesdienst
segnen lassen wollen?
Rentzing: Aktuell sind mir keine Anfragen bekannt. Die
Landeskirche wird allerdings analog zur "Ehe für alle" ihre
Regelungen für die eingetragenen Lebenspartnerschaften formal anpassen. Das wird
auf Kirchenleitungsebene geklärt. Eine Zustimmung der Synode ist dafür nicht
erforderlich.
Die sächsische Landeskirche ringt um eine Lösung für den
Jugendwart Jens Ullrich, der im Kirchenbezirk Aue zum Teil mit Predigtverbot
belegt wurde. Wie steht es derzeit um die Debatte?
Rentzing: Der Fall beschäftigt uns regelmäßig in der
Kirchenleitung. Leider ist der Weg, den wir gerade eingegangen sind, schon
wieder gefährdet. Ich ärgere mich darüber, daß das Thema öffentlich diskutiert
wird, während es doch viel mehr auf persönlicher Ebene geführt werden müßte.
Wir wollen den Fall nicht verschweigen, aber er muß auf der richtigen Ebene
diskutiert werden.
"Ich will helfen, den geschwisterlichen Umgang wieder
herzustellen"
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Rentzing: Für mich ist das politische Instrumentalisierung
des Themas. Eine öffentliche Debatte gefährdet den Gesprächsprozeß. Auch die
Medien verhärten in diesem Zusammenhang die Fronten nur noch stärker. Das geht
alles auf Kosten von Jens Ullrich und ist nicht zu verantworten. Ich hoffe,
daß wieder etwas Ruhe eintritt und die Gespräche nicht von äußeren Vorgängen
überlagert werden.
Worin sehen Sie Ihre Rolle im Konflikt zwischen Ullrich und
den Gemeinden?
Rentzing: Die Beteiligten vor Ort fühlen sich verletzt so
wie Jens Ullrich sich verletzt fühlt. Im Sinne der Einheit des Kirchenbezirkes
Aue will ich mich einbringen und helfen, den geschwisterlichen Umgang wieder
herzustellen. Dabei geht es um die Frage: Wie räumen wir das aus der Welt,
daß wir uns wieder in die Augen schauen können? Ich habe meine Teilnahme am
Gespräch aber nicht bedingungslos zugesagt.
An welche Bedingungen ist Ihre Teilnahme geknüpft?
Rentzing: Wir werden nicht die theologischen Unterschiede
ausräumen können. Es wird auch nicht um Homosexualität gehen, sondern um den
Umgang miteinander. Es sollte einen Ort geben, an dem alle Beteiligten offen
ihre Befindlichkeiten äußern können. Es ist schwer genug, überhaupt einen
Rahmen dafür herzustellen. Aber ein Gespräch auf Augenhöhe wird nur in der
gegenseitiger Offenheit funktionieren. Wir wissen aber noch nicht, was
geschieht, wenn wir einladen und wer tatsächlich kommen wird.
Was verstehen Sie unter geschwisterlichem Umgang?
Rentzing: Wichtig ist der Respekt füreinander und die Würde
des Anderen zu achten - auch wenn es ganz, ganz schwer wird. Zu einem geschwisterlichen
Umgang gehört für mich aber auch, das Beste für den Anderen zu wollen.
"Als Kirche werden wir darauf achten, daß der Respekt
vor der Würde aller Menschen im Zentrum steht"
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Bei der Bundestagswahl hat die AfD besonders im Osten und
besonders in Sachsen gepunktet. Wie sollten die Kirchen und die Gesellschaft
damit umgehen?
Rentzing: Wir sollten in der Sache debattieren und uns davor
hüten, in plakative Schubladen zu verfallen. Davon wird abhängen, wie die
Entwicklung im Land weitergeht. Wir müssen mit allen gewählten Vertretern, und
vor allem ihren Wählern, reden. Dazu sehe ich keine Alternative, wenn man nicht
mit dem Feuer der gesellschaftlichen Spaltung spielen möchte. Als Kirche werden
wir dabei darauf achten, daß der Respekt vor der Würde aller Menschen in
unserer Gesellschaft weiter im Zentrum steht.
Die sächsische Landeskirche steht inmitten tiefgreifender
Strukturveränderungen. Längerfristig müssen Stellen eingespart und
Kirchenbezirke gerade auf dem Land großräumiger gebildet werden. Wie bereiten
sich die Gemeinden darauf vor?
Rentzing: Derzeit laufen Gesprächsabende in den Regionen zur
Strukturreform. Drei von sachsenweit insgesamt sechs Abenden zu möglichen
Strukturmodellen sind bereits gelaufen. Für die Diskussionen bin ich sehr
dankbar. Ich bin stolz auf die Gemeinden, denn es wird deutlich, ihnen ist die
Zukunft dieser Kirche nicht egal. Insgesamt rund 1.000 Teilnehmer haben mit
Leidenschaft und innerer Anteilnahme diskutiert. Die Gespräche sind von dem
Willen geprägt, den besten Weg für unsere Landeskirche zu finden. An der
Strukturreform arbeiten Kirchenvorstände und Gemeindeglieder auf konstruktive
Art und Weise. Das ist ein großartiges Zeichen.
Was ist den Gemeinden besonders wichtig?
Rentzing: Wichtig ist ihnen, daß die Identität vor Ort
erhalten bleibt. Das erscheint mir ein wesentlicher Baustein, den auch die
Landessynode in ihren Beschlüssen zu berücksichtigen haben wird.(Evangelisch.de)






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