Montag, 30. Oktober 2017



VEITSHÖCHHEIM

Pfarrerin kündigt nach Gottesdienst an, daß sie ein Mann wird


Foto-Faz.net

Finn Wolfrum ist erleichtert. Jetzt ist es gesagt, nun ist es in der Welt. 




Mehr zu den Sachbüchern, Romanen, Biographien , wenn Du dem Link folgst-http://amzn.to/2A10Gwf

Dem 46-Jährigen ist klar, daß diese Neuigkeit nicht jedem in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg) gefallen wird. Hinter ihm liegen Jahre voller Selbstzweifel, Äng­s‍te und Aggressionen. Doch heute weiß er, wie er glücklich wird. Er, der immer schon ein Mann war, im Körper einer Frau. Das zu erkennen, hat lange gedauert.



Mehr zu den Sachbüchern, Romanen, Biographien , wenn Du dem Link folgst-http://amzn.to/2zZK0VQ

Öffentlich gemacht hat es Finn Wolfrum am Sonntag nach dem letzten Gottesdienst, den er als Silke Wolfrum gehalten hat. Einzelgänger in der Schule Finn Wolfrum ist transsexuell oder transident.
Dafür gibt es viele Bezeichnungen und komplizierte Erklärungen. Es bedeutet in seinem Fall: Das Gehirn eines Mannes steckt im Körper einer Frau. Unter dem Namen Silke erlebt er Kindheit, Jugend und Studienzeit voller Verdrängen: „In der Schule war ich ein totaler Einzelgänger.“ Finn Wolfrum blickt auf das Abschlußfoto seines Abiturjahrgangs. 1991, alle jungen Frauen im Kleid oder im Rock – Silke Wolfrum aber steht dort breitbeinig mit Hose und übergroßem Schulterpol­s‍tersakko. 




Mehr zu den Sachbüchern, Romanen, Biographien , wenn Du dem Link folgst- http://amzn.to/2z3mPw4

Er heiratet wenig später einen anderen Außenseiter, die Ehe scheitert. Kirchenvor­s‍tand steht hinter Wolfrum Finn Wolfrum hat sich auf diesen Gottesdienst gefreut, war aber unsicher. Der Kirchenvor­s‍tand jedenfalls hat sich vorab einmütig hinter seinen Pfarrer ge­s‍tellt, will ihn auf den Weg der bevor­s‍tehenden Geschlechtsangleichung samt Hormontherapie begleiten.



Mehr zu den Sachbüchern, Romanen, Biographien , wenn Du dem Link folgst-http://amzn.to/2z27N9A

„Das war für mich ein wichtiges und wertvolles Zeichen“, sagt Finn Wolfrum. Bis zu diesem Sonntag hatte er nur seine Familie, enge Freunde und die evangelische Landeskirche als Arbeitgeber über sein Vorhaben informiert. Daß irgendetwas anders ist, ist ihm zum er­s‍ten Mal im Kindergarten aufgefallen. Damals, als alle Mädchen ihre Puppen mitbringen sollten, die kleine Silke aber keine hatte, weil sie keine wollte. In der Schule, als er mit den anderen Mädchen im Handarbeitsunterricht saß, aber viel lieber zum Werken wollte. Als junger Teenager, als Silke sich nicht schminken wollte wie die anderen. Bei der Konfirmation, als er ungewollt einen Rock tragen mußte.

Zweifel kommen im Studium Er akzeptiert dieses Anderssein nicht, verdrängt es. Er findet Halt in ultrakonservativen christlichen Jugendgruppen, die Sexualität vor der Ehe grundsätzlich ablehnen und alles außer Heterosexualität sowieso verdammen, erzählt er heute. Doch späte­s‍tens im Theologie­s‍tudium kommen Zweifel. Silke Wolfrum liest erstmals etwas über Transsexualität und spricht mit einem Therapeuten darüber, sagt, er fühle sich im falschen Körper. Ähnlich erging es einer Frau aus der Oberpfalz: Sie war früher Schulleiter und ist heute Schulleiterin. „Der Psychologe allerdings hat mich, vermutlich aus Unwissenheit, falsch beraten“, sagt Wolfrum heute. 

Foto-Transweib

Jahrzehntelang lebte er daher im fe­s‍ten Glauben, homosexuell zu sein: „Aber meine Partnerschaften haben auf Dauer nicht funktioniert, weil sich irgendetwas nicht richtig angefühlt hat. Ich war zu sehr Mann.“ Er steckt abermals in einer Sackgasse. Bis Pfing­s‍ten 2017 ging das so. Dann ist sich Silke Wolfrum sicher, ein Leben im falschen Körper hat keine Zukunft, es soll Schluß sein mit dem Ver­s‍tecken. Als er es eng­s‍ten Vertrauten erzählt, kommt Ermutigung. „Ich wußte schon immer, daß Du ein Mann bist, der aber kein Mann sein darf“, sagt eine langjährige Freundin. 

Seine Mutter und sein Bruder stehen zu ihm, obgleich die Mutter noch mit der neuen Situation ringt. Wolfrum geht zum Arzt, läßt sich die Transidentität bescheinigen. Er muß und will nun als Mann leben, sich im Alltag erproben, ehe das Gericht ihm offiziell die Namens- und Geschlechtsänderung bescheinigt. „Gott liebt mich, wie ich bin“ Dekanin Edda Weise steht hinter Finn Wolfrum. „Ich hoffe, daß er zur Ruhe kommt und zufrieden ist“, sagt sie. Der Kirchenvor­s‍tand habe seine Entscheidung akzeptiert, seine Würde müsse nun gewahrt werden. Eine Debatte, ob das alles aus christlicher Sicht richtig oder erlaubt ist, will Wolfrum nicht. Für ihn habe Rechtfertigung heute eine neue Dimension erreicht: „Gott liebt mich bedingungslos, so wie ich bin. Er kennt mich, bevor ich im Mutterleib gemacht wurde (Jeremia 1,5). Das gibt Kraft!“ Seinen Dienst als Gemeindepfarrer will Finn Wolfrum weiter ausüben: „Für die Leute ändert sich nur die Ansprache.“ Aus Frau wird Herr, aus Pfarrerin wird Pfarrer, aus Silke wird Finn. „Wenn das jetzt zu Beginn nicht immer gleich klappt, ist das okay“, betont er: „Aber ich will, daß meine Entscheidung ernst genommen wird.“ 




Mehr zu den Sachbüchern, Romanen, Biographien , wenn Du dem Link folgst-http://amzn.to/2z3JmZl



VEITSHÖCHHEIM – die zweite!


Transsexualität in der Kirche Evangelischer 


Die bayerische evangelische Landeskirche geht nach Einschätzung von Betroffenen als Arbeitgeber vergleichsweise vorbildlich mit dem Thema Transsexualität oder Transidentität um. Vor allen Dingen im Hinblick auf die Tatsache, daß es in einer großen Landeskirche wie der bayerischen ganz unterschiedliche Frömmigkeitsrichtungen gibt, deren Ansichten zu dem Thema weit auseinander 
gehen. 




Mehr zu den Sachbüchern, Romanen, Biographien , wenn Du dem Link folgst-http://amzn.to/2zYC4UN


Einem Sprecher der Landeskirche zufolge unter­s‍tützt die Kirchenleitung die betroffenen Pfarrerinnen oder Pfarrer bei ihrem Wunsch nach einer Namens- und Geschlechtsänderung sowie einer operativen Geschlechtsangleichung so gut es geht. Erst kürzlich hat eine Pfarrerin aus Veitshöchheim bekannt gegeben, daß sie künftig ein Mann sein wird. 



Mehr zu den Sachbüchern, Romanen, Biographien , wenn Du dem Link folgst-http://amzn.to/2A1eAPa


Die Kirchenleitung hat mit Ver­s‍tändnis reagiert“ In den vergangenen Jahren hätten alle betroffenen Pfarrerinnen und Pfarrer die Zusicherung erhalten, weiterhin im Pfarrdienst tätig sein zu können. Das kann auch Dorothea Zwölfer be­s‍tätigen, die sich im April 2013 outete – bis dahin kannten sie die Menschen als Pfarrer Andreas Zwölfer: „Die Kirchenleitung war gut informiert und hat mit Ver­s‍tändnis reagiert.“ Was für viele selbstver­s‍tändlich klingt, ist in der Realität jedoch mitnichten so. 





Mehr zu den Sachbüchern, Romanen, Biographien , wenn Du dem Link folgst-http://amzn.to/2zQAYKa
 
Viele Transsexuelle oder Transidente machen nach ihrem Outing die Erfahrung, daß sich nicht nur Freunde und Familienmitglieder abwenden, sondern eben auch Arbeitskollegen und Arbeitgeber.
Und wie sieht es bei Homosexualität aus? Pfarrerin Dorothea Zwölfer macht sich sowohl für ein neues Transsexuellengesetz nach argentinischem Vorbild stark, wie auch für eine Reform der Pfarr­s‍tellenbesetzungsordnung der bayerischen Landeskirche. Es gebe nämlich etliche Kirchenvor­s‍tände, die mit Grundsatzbeschlüssen homosexuelle Pfarrerspaare abgelehnt haben. Das betrifft dann auch Transsexuelle, die nach dem Coming Out weiter mit ihrem bisherigen Partner zusammenleben. 



Mehr zu den Sachbüchern, Romanen, Biographien , wenn Du dem Link folgst- http://amzn.to/2zYmAQK
 
„Dadurch sinkt die Zahl der offenen Stellen, auf die man sich bewerben kann, deutlich.“ Sie fordert eine Überarbeitung dieser Ordnung, ist aber auch nicht dafür, Gemeinden einen homosexuellen Pfarrer oder ein homosexuelles Pfarrerspaar gegen deren Willen zuzuweisen. „Ich will jedoch, daß die Kirchenvor­s‍tände sich mit den Trans- und Homosexuellen unterhalten müssen, daß es ein Bewerbungsgespräch gibt“, sagt Zwölfer. „Bislang können die Kirchenvor­s‍tände mit Verweis auf den Grundsatzbeschluß das Gespräch nämlich einfach ablehnen.“



Mehr zu den Sachbüchern, Romanen, Biographien , wenn Du dem Link folgst-http://amzn.to/2zYH4ca
 
Keine weiteren Pläne bei der Landeskirche Wenn der Kirchenvor­s‍tand nach dem Gespräch Nein sage, sei das natürlich okay: „Aber sich dem Gespräch, der Auseinandersetzung zu entziehen, finde ich nicht gut.“ Die bayerische Landeskirche mit, es seien momentan keine Änderungen am Pfarrdien­s‍tausführungsgesetz und der Pfarr­s‍tellenbesetzungsordnung geplant. Beide Be­s‍timmungen aus dem Jahr 2012 seien das Ergebnis eines „langen und schwierigen“ Meinungsbildungsprozesses in der Landessynode, hieß es.

Main-Post 2017-Landeskirchenamt

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen