VEITSHÖCHHEIM
Pfarrerin kündigt nach Gottesdienst an, daß sie ein Mann wird
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Finn Wolfrum ist erleichtert. Jetzt ist es gesagt, nun ist es in der Welt.
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Öffentlich gemacht hat es Finn Wolfrum am Sonntag nach dem letzten Gottesdienst, den er als Silke Wolfrum gehalten hat. Einzelgänger in der Schule Finn Wolfrum ist transsexuell oder transident.
Dafür gibt es viele Bezeichnungen und komplizierte
Erklärungen. Es bedeutet in seinem Fall: Das Gehirn eines Mannes steckt im
Körper einer Frau. Unter dem Namen Silke erlebt er Kindheit, Jugend und
Studienzeit voller Verdrängen: „In der Schule war ich ein totaler
Einzelgänger.“ Finn Wolfrum blickt auf das Abschlußfoto seines Abiturjahrgangs.
1991, alle jungen Frauen im Kleid oder im Rock – Silke Wolfrum aber steht dort
breitbeinig mit Hose und übergroßem Schulterpolstersakko.
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„Das war für mich ein wichtiges und wertvolles Zeichen“, sagt Finn Wolfrum. Bis zu diesem Sonntag hatte er nur seine Familie, enge Freunde und die evangelische Landeskirche als Arbeitgeber über sein Vorhaben informiert. Daß irgendetwas anders ist, ist ihm zum ersten Mal im Kindergarten aufgefallen. Damals, als alle Mädchen ihre Puppen mitbringen sollten, die kleine Silke aber keine hatte, weil sie keine wollte. In der Schule, als er mit den anderen Mädchen im Handarbeitsunterricht saß, aber viel lieber zum Werken wollte. Als junger Teenager, als Silke sich nicht schminken wollte wie die anderen. Bei der Konfirmation, als er ungewollt einen Rock tragen mußte.
Zweifel kommen im Studium Er akzeptiert dieses Anderssein
nicht, verdrängt es. Er findet Halt in ultrakonservativen christlichen
Jugendgruppen, die Sexualität vor der Ehe grundsätzlich ablehnen und alles
außer Heterosexualität sowieso verdammen, erzählt er heute. Doch spätestens
im Theologiestudium kommen Zweifel. Silke Wolfrum liest erstmals etwas über
Transsexualität und spricht mit einem Therapeuten darüber, sagt, er fühle sich
im falschen Körper. Ähnlich erging es einer Frau aus der Oberpfalz: Sie war
früher Schulleiter und ist heute Schulleiterin. „Der Psychologe allerdings hat
mich, vermutlich aus Unwissenheit, falsch beraten“, sagt Wolfrum heute.
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Jahrzehntelang lebte er daher im festen Glauben,
homosexuell zu sein: „Aber meine Partnerschaften haben auf Dauer nicht
funktioniert, weil sich irgendetwas nicht richtig angefühlt hat. Ich war zu
sehr Mann.“ Er steckt abermals in einer Sackgasse. Bis Pfingsten 2017 ging
das so. Dann ist sich Silke Wolfrum sicher, ein Leben im falschen Körper hat
keine Zukunft, es soll Schluß sein mit dem Verstecken. Als er es engsten
Vertrauten erzählt, kommt Ermutigung. „Ich wußte schon immer, daß Du ein Mann
bist, der aber kein Mann sein darf“, sagt eine langjährige Freundin.
Seine Mutter und sein Bruder stehen zu ihm, obgleich die
Mutter noch mit der neuen Situation ringt. Wolfrum geht zum Arzt, läßt sich die
Transidentität bescheinigen. Er muß und will nun als Mann leben, sich im Alltag
erproben, ehe das Gericht ihm offiziell die Namens- und Geschlechtsänderung
bescheinigt. „Gott liebt mich, wie ich bin“ Dekanin Edda Weise steht hinter
Finn Wolfrum. „Ich hoffe, daß er zur Ruhe kommt und zufrieden ist“, sagt sie.
Der Kirchenvorstand habe seine Entscheidung akzeptiert, seine Würde müsse nun
gewahrt werden. Eine Debatte, ob das alles aus christlicher Sicht richtig oder
erlaubt ist, will Wolfrum nicht. Für ihn habe Rechtfertigung heute eine neue
Dimension erreicht: „Gott liebt mich bedingungslos, so wie ich bin. Er kennt
mich, bevor ich im Mutterleib gemacht wurde (Jeremia 1,5). Das gibt Kraft!“
Seinen Dienst als Gemeindepfarrer will Finn Wolfrum weiter ausüben: „Für die
Leute ändert sich nur die Ansprache.“ Aus Frau wird Herr, aus Pfarrerin wird
Pfarrer, aus Silke wird Finn. „Wenn das jetzt zu Beginn nicht immer gleich
klappt, ist das okay“, betont er: „Aber ich will, daß meine Entscheidung ernst
genommen wird.“
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VEITSHÖCHHEIM – die zweite!
Transsexualität in der Kirche Evangelischer
Die
bayerische evangelische Landeskirche geht nach Einschätzung von Betroffenen als
Arbeitgeber vergleichsweise vorbildlich mit dem Thema Transsexualität oder
Transidentität um. Vor allen Dingen im Hinblick auf die Tatsache, daß es in
einer großen Landeskirche wie der bayerischen ganz unterschiedliche
Frömmigkeitsrichtungen gibt, deren Ansichten zu dem Thema weit auseinander
gehen.
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Einem Sprecher der Landeskirche zufolge unterstützt die
Kirchenleitung die betroffenen Pfarrerinnen oder Pfarrer bei ihrem Wunsch nach
einer Namens- und Geschlechtsänderung sowie einer operativen
Geschlechtsangleichung so gut es geht. Erst kürzlich hat eine Pfarrerin aus
Veitshöchheim bekannt gegeben, daß sie künftig ein Mann sein wird.
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Die Kirchenleitung hat mit Verständnis reagiert“ In den
vergangenen Jahren hätten alle betroffenen Pfarrerinnen und Pfarrer die
Zusicherung erhalten, weiterhin im Pfarrdienst tätig sein zu können. Das kann
auch Dorothea Zwölfer bestätigen, die sich im April 2013 outete – bis dahin
kannten sie die Menschen als Pfarrer Andreas Zwölfer: „Die Kirchenleitung war
gut informiert und hat mit Verständnis reagiert.“ Was für viele selbstverständlich
klingt, ist in der Realität jedoch mitnichten so.
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Viele Transsexuelle oder Transidente machen nach ihrem Outing die Erfahrung, daß sich nicht nur Freunde und Familienmitglieder abwenden, sondern eben auch Arbeitskollegen und Arbeitgeber.
Und wie sieht es bei Homosexualität aus? Pfarrerin Dorothea
Zwölfer macht sich sowohl für ein neues Transsexuellengesetz nach
argentinischem Vorbild stark, wie auch für eine Reform der Pfarrstellenbesetzungsordnung
der bayerischen Landeskirche. Es gebe nämlich etliche Kirchenvorstände, die
mit Grundsatzbeschlüssen homosexuelle Pfarrerspaare abgelehnt haben. Das
betrifft dann auch Transsexuelle, die nach dem Coming Out weiter mit ihrem bisherigen
Partner zusammenleben.
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„Dadurch sinkt die Zahl der offenen Stellen, auf die man sich bewerben kann, deutlich.“ Sie fordert eine Überarbeitung dieser Ordnung, ist aber auch nicht dafür, Gemeinden einen homosexuellen Pfarrer oder ein homosexuelles Pfarrerspaar gegen deren Willen zuzuweisen. „Ich will jedoch, daß die Kirchenvorstände sich mit den Trans- und Homosexuellen unterhalten müssen, daß es ein Bewerbungsgespräch gibt“, sagt Zwölfer. „Bislang können die Kirchenvorstände mit Verweis auf den Grundsatzbeschluß das Gespräch nämlich einfach ablehnen.“
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Keine weiteren Pläne bei der Landeskirche Wenn der Kirchenvorstand nach dem Gespräch Nein sage, sei das natürlich okay: „Aber sich dem Gespräch, der Auseinandersetzung zu entziehen, finde ich nicht gut.“ Die bayerische Landeskirche mit, es seien momentan keine Änderungen am Pfarrdienstausführungsgesetz und der Pfarrstellenbesetzungsordnung geplant. Beide Bestimmungen aus dem Jahr 2012 seien das Ergebnis eines „langen und schwierigen“ Meinungsbildungsprozesses in der Landessynode, hieß es.
Main-Post 2017-Landeskirchenamt













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