Samstag, 4. November 2017




Miß und Mi­s‍ter Homophobia:


Die falsche Wahl


Beide lieben die Inszenierung, vor allem ihrer selbst - als Opfer. Sie befördern Homophobie, aber was ist mit den wahren Homohassern in der CDU und in der Katholischen Kirche? EIN KOMMENTAR

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Enough is Enough

Die Aktivi­s‍ten von Enough is Enough stellten in diesem Jahr vier Frauen und zwei Männer zur Ab­s‍timmung, und 9339 Menschen gaben ihre Stimme ab. Gesucht waren Miß und – erstmals – Mi­s‍ter Homophobia. Gekürt wurden Miß und Mi­s‍ter Islamophobia. Miß und Mi­s‍ter Ich-bin-ein-Opfer-der-Medien  Auch nichts, was man in seinen Lebenslauf schreibt oder sich eingerahmt übers Bett hängt. Wobei es beiden zuzutrauen wäre. Ihren Claqueren würde es gefallen. Sie würden Berger und Weidel das geben, was sie nötiger haben als Wasser, Brot und Sauer­s‍toff: Applaus.



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Beide lieben die Inszenierung, vor allem ihrer selbst – als Opfer. 
Die eine, wenn sie öffentlichkeitswirksam Talkshows verläßt oder beklagt, man würde sie am lieb­s‍ten mit hängendem Gesicht zeigen; der andere, wenn er wegen rechter Tendenzen und fortgeschrittener dumm-drei­s‍ter Selbstherrlichkeit seinen Job als Chefredakteur verliert und nicht müde wird, auf Facebook von Schlägertrupps zu fabulieren, die man ihm ebendort angekündigt hätte. Berger, das Opfer. Berger, der Märtyrer.



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Falschmeldungen und Verdrehungen
Daß er sich bei diesem sehr engen Fokus nicht auch noch mit journali­s‍tischen Prinzipien aufhalten kann oder gar zum Äußer­s‍ten greift – der Recherche -, ver­s‍teht sich von selbst. Berger arbeitet am lieb­s‍ten mit Falschmeldungen oder Verdrehungen. Wie sonst ist es zu ver­s‍tehen, daß er auf seinem Blog philosophia-perennis.com schreibt, im Vorjahr sei Beatrix von Storch (AfD) zur Miß Homophobia gekürt worden? Tatsächlich gewann die Ab­s‍timmung die Organisatorin der erzkonservativen „Demo für alle“: Hedwig von Beverfoerde gelang 2016 die fragwürdige Titelverteidigung, denn ihr war schon im er­s‍ten Jahr 2015 der Titel der Schande verliehen worden.



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Unterschlagung von Fakten – auch in dieser Disziplin ist Berger ganz groß. So berichtete er kürzlich über die Sperrung des Autors und Hetzers Akif Pirinçci („Die große Verschwulung“) bei Twitter und erwähnte, daß dieses Schicksal zuvor auch den schwulen US-Rechtspopuli­s‍ten Milo Yiannopoulos ereilt hatte. Daß beide Herren wegen beleidigender, teils rassi­s‍tischer Tweets gesperrt worden waren – Yiannopoulos hatte eine schwarze Schauspielerin als häßlich verunglimpft und als Affe beschimpft -, darüber verlor Berger kein einziges Wort.

Aber sind die beiden homophob? Sind sie die Homophob­s‍ten im Land, die an den Pranger gehören? Anders gefragt: Sind sie wirklich schlimmer als der Berliner AfD-Politiker Kay Nerstheimer, der Homosexuelle einst „genetisch degeneriert“, „widernatürlich“ und „unnormal“ nannte und erklärte, daß man Kinder „vor so etwas“ schützen müsse? Sind Berger und Weidel homohober als etwa der CDU-Politiker Josef Rief aus Baden-Württemberg, der im Sommer auf seine Haltung zur Ehe für alle angesprochen wurde und antwortete, es werde in Berlin schon über Partnerschaften mit mehr als zwei Personen diskutiert. Und weiter: „Und dann gibt es auch noch die, die sagen, daß sie Tiere lieben.“

In der katholischen Kirche hätte es genug Kandidaten gegeben, die einen würdigen Mi­s‍ter Homophobia abgegeben hätten
Ich glaube, die wahren Homohasser befinden sich außerhalb der LGBTI-Community. Das Problem an der Kür von Berger und Weidel ist, daß die schlimm­s‍ten Homophoben dadurch nicht benannt werden und sich die in Teilen immer noch erzkonservativen Unionsparteien CDU/CSU zurücklehnen können, weil der Finger nun nicht wirklich in die Wunde gelegt wird.  

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Enough is Enough


Natürlich muß man im Fall der lesbischen Alice Weidel anerkennen, daß sie das Kunst­s‍tück vollbringt, mit Frau und Kindern zu leben, aber als AfD-Spitzenfrau Regenbogenfamilien wie ihrer eigenen Rechte verweigert. Hier richtet sich ihre Homophobie minde­s‍tens so sehr gegen sich selbst wie gegen andere Schwule und Lesben.



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Homosexualität = Pädophilie?
Berger wiederum kuschelt mit Weidel und ihresgleichen, die noch ganz andere Dinge nicht wollen. Das muß man als schwuler Mann erstmal hinkriegen. Oder er macht sich gemein mit einer der ungeheuerlich­s‍ten Thesen von Homohassern, die Homosexualität und Pädophilie auf einer Stufe stellt. So veröffentlicht Berger auf seinem Blog den umstrittenen FAZ-Kommentar von „Johannes Gabriel“ (wer auch immer hinter diesem feigen Pseudonym steckt), in dem es heißt:

„Und ist es wirklich so abwegig, was manche Gegner der Homo-Ehe behaupten, daß adoptierte Kinder ungleich stärker der Gefahr sexuellen Mißbrauchs ausgeliefert sind, weil die Inzest-Hemmung wegfällt, und diese Gefahr bei homosexuellen Paaren besonders hoch sei, weil die sexuelle Outsider-Rolle eine habituelle Freizügigkeit erotischer Binnenverhältnisse ohne alle sexual-ethischen Normen ausgebildet habe?“



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Mir scheint darum, die Fans von Enough is Enough haben etwas verwechselt. Sie haben die Ab­s‍timmung zur Kür der peinlich­s‍ten deutschen Homos gemacht. Da hätte man freilich niemand besseren finden können.(von Kriß Rudolph-die Mannschaft)




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