Samstag, 2. Dezember 2017



Ein deutsch-deutsches Schwulendrame 

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Der Ost-Berliner Mario Röllig verliebte sich zu DDR-Zeiten in einen West-Berliner – und landete nach einem gescheiterten Fluchtversuch im Stasi-Knast. Jochen Hicks Doku "Der Ost-Komplex" erzählt seine Geschichte.


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Ein Jahr nach dem Kinostart ist der Dokumentarfilm  Der Ost-Komplex „von Jochen Hick (auch Regisseur von „ Out in Ost Berlin“ und  „ Mein wunderbares West-Berlin“ nun auf DVD erscheinen. Seine Weltpremiere hatte die Doku während der Berlinale 2016 in der Panorama-Sektion.

"Der Ost-Komplex" begleitet Mario Röllig, Jahrgang 1967, der als Jugendlicher aus Liebe zu einem Politiker aus West-Berlin über die ungarisch-jugoslawische Grenze in den Westen zu fliehen versucht hatte, jedoch gefasst wurde und in die Stasi-Untersuchungshaftanstalt in Berlin-Hohenschönhausen kam.


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Nach der Wende traf er zufällig auf seinen damaligen Vernehmer – das Trauma kehrte zurück. Seitdem arbeitet Mario Röllig seine DDR-Vergangenheit auf – im ehemaligen Stasi-Gefängnis, vor Schulklassen, auf Parteiveranstaltungen und Podiumsdiskussionen, im Fernsehen und seit 2014 auch auf Vortragsreisen durch die USA. Der Protagonist ist so schillernd wie die Welt, in der er lebt und überlebt – mit viel Humor, Selbstironie, am Rande des Abgrunds und mit der Fähigkeit zu genießen.


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Jochen Hick verknüpft in seiner Doku Biografisches, Privates und Politisches. "Der Ost-Komplex" ist zugleich Biopic und ein Versuch, die Debatten um die Deutungshoheit der DDR-Geschichte zu reflektieren. Mit distanzierter Sympathie hinterfragt er die Geschichten hinter den Geschichten.


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Jochen Hicks Doku "Der Ost-Komplex" erzählt die Geschichte von Mario Röllig, der Besuchern des ehemaligen Berliner Stasi-Gefängnisses seine frühere Zelle zeigt.

Mehr als 25 Jahre nach dem Fall der Mauer ist der Kampf um die Deutungshoheit über Geschichte und Bedeutung der DDR in vollem Gange. Mario Röllig, Jahrgang 1967, aus SED-treuem Elternhaus und offen schwul, ist einer der jüngsten und viel gefragter "DDR-Zeitzeuge". Er macht Führungen in dem zur Gedenkstätte umgewandelten ehemaligen Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, in dem er selbst 1987 einsaß. 


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Der ehemalige Kellner am Ost-Berliner Flughafen und spätere Zigarrenverkäufer im West-Berliner KaDeWe hält Vorträge vor Schulklassen, an US-Universitäten und vor der konservativen Partei, in der er heute selbst Mitglied ist. Röllig macht sein Schwulsein bei seinen Auftritten stets auch zum Thema, was bisweilen zu Irritationen führt. Denn eine schwule Liebesgeschichte ist der Ausgangspunkt seines Dramas: 1985 lernte Röllig auf einer Reise nach Ungarn in einem Budapester Thermalbad einen Politiker aus West-Berlin kennen, der in Röllig die Lust auf den Westen weckte.


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Gescheiterte Flucht in den Westen
Zwei Jahre lang trafen sich die beiden immer wieder in Ost-Berlin – unter fortwährender Beobachtung der Stasi. 1987 versuchte Röllig auf eigene Faust über die grüne Grenze von Südungarn nach Jugoslawien zu fliehen, um von dort nach West-Berlin und zu seinem Freund zu gelangen. Doch der Fluchtversuch misslang. Über Umwege und mit Verzögerungen gelangte Röllig schließlich doch in den Westen. Doch die Liebesgeschichte endete mit einer herben Enttäuschung – so seine immer wieder vorgetragene Geschichte.
Heute diskutiert Röllig mit Politikern, beteiligt sich an Mahnwachen und Demonstrationen und stößt dabei mit Sympathisanten der ehemaligen DDR sowie Befürwortern sozialistischer und kommunistischer Gesellschaftsentwürfe zusammen. Diese sehen in Menschen wie Röllig Geschichtsverfälscher und Kommunistenhasser im Auftrag des herrschenden Systems. Doch der Zeitzeuge habe eben immer Recht. Er sei der größte Feind des Historikers, denn man könne ihn so schwer widerlegen. 


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Das Minenfeld deutsch-deutscher Geschichtsaufarbeitung

Mario Röllig ist kein Intellektueller. Er spricht viel über die DDR. Seine Geschichte habe ihn politisch und zum Verneiner gesellschaftlicher Utopien gemacht. Den Begriff "Freiheit" verwendet er oft. Auch spricht Röllig über die Vorzüge des Kapitalismus, doch was versteht er darunter? Rölligs Gegenspieler dagegen beharren auf gesellschaftlichen Utopien. Aber sie sprechen erstaunlich wenig über die ehemalige DDR.
Wie funktionieren Zuhören, Gespräch, Verständigung, Streit und Konfrontation auf dem Minenfeld deutsch-deutscher Geschichtsaufarbeitung, welches noch heute mit Tabus und Redeverboten durchsetzt scheint? Und was macht dies mit einem Menschen wie Röllig, der seine für ihn traumatisierende Geschichte bereits mehr als tausend Mal vorgetragen hat? Einer, der auf Entschuldigungen von seinen ehemaligen Peinigern aber auch von seinem damaligen Liebhaber wartet, während sich diese nicht schuldig fühlen. Und welchen persönlichen oder sozialen Gewinn bezieht Röllig für sich daraus?


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Jochen Hicks Doku "Der Ost-Komplex" beobachtet Rölligs Führungen und Begegnungen. Der Film begleitet ihn zu seiner Familie, zu ehemaligen Kollegen und Gegenspielern und erzählt ganz nebenbei die dramatische Lebensgeschichte, aus der er seine Antriebskraft bezieht.(cw/pm-Queer.de)



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