Freitag, 26. Januar 2018

Homo-Hass in der Schule "Alles total verweichlichte Tunten hier"  und


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Einwandererkinder sind besonders schwulenfeindlich

Fast nirgendwo wird so offen gegen Schwule und Lesben gehetzt wie an Schulen. Jeder zweite Schüler findet es eklig, wenn Männer sich küssen. Beate und Magnus, beide 18, wurden geoutet - sie haben erlebt, wie Mitschüler lospöbeln und Lehrer wegschauen.



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Knutschen auf dem Pausenhof, Händchenhalten in der Schlange am Schulkiosk oder eine lange Umarmung vor dem Klassenzimmer - für viele Schüler ist das ganz normal. 

Für Beate, 18, nich
Sie ist lesbisch. Und wenn ihre Freundin dieselbe Schule besuchte wie sie, würden sie höchstens mal Händchen halten. "Das machen Mädchen ja auch so, wenn sie nur miteinander befreundet sind", sagt die Kölner Gymnasiastin. Sie möchte nicht, dass alle an der Schule wissen, dass sie auf Frauen steht, auch deshalb will sie ihren Nachnamen nicht nennen.


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Denn sonst, fürchtet sie, geht es ihr, wie an ihrer alten Schule. Dort war sie geoutet - und hat vor allem schlechte Erfahrungen gemacht: "Mitschüler haben mich 'krankes Lesbenweib' genannt." Als sie sich einmal neben ein anderes Mädchen setze, rutschte die mit ihrem Stuhl von ihr weg und sagte:



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"Ich sitze nicht neben einer Scheiß-Lesbe."
Die Angst vor dem Coming-Out
Beate fühlte sich ausgestoßen, versuchte, den anderen aus dem Weg zu gehen. Oft hatte sie Kopfschmerzen in dieser Zeit. "Viele dachten auch, ich wäre an allen Mädchen aus der Klasse sexuell interessiert", sagt die zierliche Schülerin.

Dass sie lesbisch ist, hat Beate während der Pubertät gemerkt, jener Zeit, in der Jugendliche ihre sexuelle Identität entwickeln, Hormonchaos und große Gefühle inklusive. Homosexuelle Teenager fragen sich dann verunsichert, was mit ihnen los ist: Bin ich wirklich schwul? Bilde ich mir das nur ein? 

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Warum bin ich anders als die anderen?
Schon sich selbst einzugestehen, dass sie das gleiche Geschlecht anziehender finden als das andere, fällt den meisten schwer. Und mit Freunden oder Eltern reden, das trauen sich viele erst recht nicht. Zu groß ist die Angst vor Zurückweisung, eine Angst, die auch Beate kennt.
Sie überwand sich dennoch und weihte enge Freunde und ihre Eltern ein - und hatte Glück. Wenigstens zu Hause bekam sie Verständnis und Unterstützung. Doch im Klassenzimmer und auf dem Pausenhof wurde sie weiter beleidigt, jeden Tag aufs Neue.


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Es gibt kaum einen Ort, an dem Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit so offen ausgelebt wird, wie die Schule; vom Fußball Stadion vielleicht einmal abgesehen. "Schwuchtel" und "schwul" gehören zu den gängigsten Schimpfwörtern auf den Pausenhöfen.



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Zahlreiche Studien belegen, wie verbreitet Homophobie und Hetze unter Jugendlichen sind - und dass beides in den vergangenen Jahren eher noch zugenommen hat. Zwar gehört Homosexualität längst zur Pop- und Jugendkultur, was in zahlreichen Soaps und Serien wie "The L-Word" zu besichtigen ist, doch die Akzeptanz auf dem Schulhof scheint das nicht erhöht zu haben.


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"Homosexualität ist immer noch mit dem gleichen Ausmaß an negativen Gefühlen verbunden wie vor 30 Jahren", heißt es in einer Studie des niedersächsischen Sozialministeriums. Die Meinungsforscher der Firma "Iconkids & Youth" ermittelten gar eine dramatische Zunahme der Ablehnung von Homosexuellen: von 34 Prozent im Jahr 1998 auf 61 Prozent im Jahr 2002.
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch der Kieler Sozialpsychologe B.Simon. Er hat rund 900 Gymnasiasten und Gesamtschüler befragt, 14 bis 20 Jahre alt. Fast die Hälfte empfindet es als abstoßend, wenn sich Männer in der Öffentlichkeit küssen. Besonders hoch ist die Ablehnung der Studie zufolge unter Einwanderer-kindern: 




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Vier von fünf türkischstämmigen Jugendlichen finden den Kuss unter Männern eklig.
"Schwul" und "Schwuchtel", die Worte hört auch Magnus, 18, auf dem Schulhof seines Kölner Gymnasiums, oft sogar. Wenn der schwule Abiturient danebensteht, fällt manchen auf, was sie gerade gesagt haben. Dann entschuldigen sie sich zerknirscht.


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"Alles total verweichlichte Tunten" - wer sich outet, muss meist allein klarkommen

Magnus nimmt das gelassen: "Ich weiß ja, dass das ein Fehlgebrauch des Wortes ist. Manchmal sage ich es sogar selbst." Groß und schlank ist er, interessiert sich für Politik und Actionfilme. An ihm fällt auf, wie überlegt er spricht, wie sorgsam er seine Worte wählt. Doch in der Schule muss er sich ganz andere Dinge anhören. "Alles total verweichlichte Tunten hier, rufen vor allem die kleinen und unreifen Jungs auf dem Schulflur", erzählt Magnus. "Dann kriegen die aber einen scharfen Kommentar von mir zurück."


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Magnus ist nicht ganz freiwillig an seiner Schule geoutet, er hatte sich nur einer Freundin anvertraut. Aber die konnte ihren Mund nicht halten. "Wir waren für eine Woche auf Kursfahrt in London. Und als wir zurückkamen, wusste es das ganze Gymnasium, das Kollegium und die Real- und Hauptschule nebenan."

Als Magnus merkte, dass er auf Jungs steht, hat er sich gewünscht, dass es an seiner Schule offen homosexuelle Lehrer gibt. "Dann hätte ich das Bild gehabt, dass es homosexuelle Menschen gibt, die ganz normal im Leben stehen. Und vielleicht wären dann auch das Kollegium und die Schüler aufgeschlossener. Wenigstens würde man dann überhaupt mal drüber reden", sagt er. 


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Lehrer dürfen nicht wegschauen
Stattdessen hat Magnus den Eindruck, dass das Thema Homosexualität im Unterricht gemieden wird. Beate empfindet das genauso: "In der Schule wird man über alles aufgeklärt, zum Beispiel über Aids und Suchtprobleme. Aber nie über schwule oder lesbische Menschen." Dabei sind nach Schätzungen fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung homosexuell. In einer Klasse mit 30 Schülern sind das immerhin zwei bis drei Schüler.

Den meisten Lehrern sind Beleidigungen völlig egal"
Doch es reiche nicht, nur bei den Schülern anzusetzen, sagt Detlef Mücke, selbst Lehrer und Vorsitzender der AG Schwule und Lesben in der Bildungsgewerkschaft GEW. Wichtig sei es, dass Lehrer einschreiten, wenn Schüler angefeindet werden. Außerdem gehöre das Thema nicht nur in die Bio-Stunde, es müsse auch im Politik- und Geschichtsunterricht angesprochen werden.


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Als Beate in ihrer früheren Schule beleidigt wurde, hat keiner ihrer Lehrer reagiert, erzählt sie. Viele Jugendliche, die sich geoutet haben, beklagen das, fühlen sich im Stich gelassen. Beate hat nichts anderes erwartet: "Es gehört in der Schule dazu, dass man beleidigt wird. Und den meisten Lehrern ist das auch völlig egal."
Beates Schulwechsel hat nichts damit zu tun, dass sie früher "Lesbenweib" genannt wurde, sagt sie. Aber heute, an ihrer neuen Schule, fühlt sie sich deutlich wohler. Hier wissen nur die engsten Freunde, dass sie auf Mädchen steht. Knutschen auf dem Pausenhof wird sie wohl nie.

Studie Einwandererkinder sind besonders schwulenfeindlich


Das Ergebnis einer neuen Studie ist eindeutig: Einwandererjugendliche lehnen homosexuelle Lebensweisen öfter ab als gleichaltrige Deutsche. Traditionelle Männlichkeitsnormen und die Religion spielen dabei nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler eine zentrale Rolle.
Jugendliche mit türkischen Wurzeln besonders intolerant



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Im Rahmen eines vielfältigen, bundesweiten Modellversuches zum Thema Antidiskriminierung wurden 922 Berliner Schüler im Alter von 14 bis 20 Jahren per Fragebogen zum Thema Homosexualität interviewt. Über 40 Fragen zu Religiosität, Normvorstellungen, persönlichen Kontakten und der eigenen Diskriminierungswahrnehmung mussten die Gymnasiasten und Gesamtschüler beantworten. "Wir haben extra nur diese beiden Schulformen gewählt, um die Ergebnisse nicht schlechter zu machen als sie sind."


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Im Zweifelsfall würden die Ergebnisse die Realität noch schöner darstellen, als sie in Wirklichkeit sei, erklärt der Leiter der Studie, Bernd Simon. Auch dass in Berlin ein schwuler Bürgermeister sehr populär ist, lege nahe, dass die Resultate in anderen Städten eher noch alarmierender ausfallen könnten. 

Aber die Ergebnisse der Studie sind schon erschreckend genug: Laut ihr sind insbesondere Jugendliche aus Einwandererfamilien stark homosexuellenfeindlich. "Wir haben festgestellt, dass Jugendliche, deren Wurzeln in der Türkei oder in der ehemaligen UdSSR liegen, deutlich intoleranter gegenüber Homosexuellen sind als gleichaltrige Deutsche", so Simon. 

Auf einer Skala von null (=schwache Homophobie) bis vier (=starke Homophobie) errechnete der Kieler Sozialpsychologe eine durchschnittliche Homosexuellenfeindlichkeit bei deutschen Jugendlichen von 0,96.  



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Bei Migrantenkindern aus der UdSSR liegt dieser Wert bereits bei 1,82, bei Jugendlichen mit türkischen Wurzeln sogar bei 2,08.
Eine besonders ausgeprägte Homophobie zeigt sich allgemein auch bei den männlichen Heranwachsenden. So stimmten 79 Prozent der türkisch-stämmigen jungen Männer der Aussage zu, dass es eklig sei, wenn sich zwei Schwule auf der Straße küssen. Männliche Jugendlichen mit Wurzeln in der ehemaligen UdSSR stimmten mit 76 Prozent zu, deutsche lediglich mit 48 Prozent. Bei den Frauen lag die Zustimmung nur bei 60 Prozent, 64 Prozent und 10 Prozent. 

Starker Einfluss der Religion


"Diese signifikanten Unterschiede sowohl zwischen den Herkunftsgruppen als auch den Geschlechtergruppen zeigen sich bei allen Fragen gleichermaßen. Die Antworten der Schüler waren denen zu dieser Frage sehr ähnlich", erklärt Simon die erschreckenden Ergebnisse seiner Umfrage.


Diese zeigt auch, dass die Homosexuellenfeindlichkeit eines Heranwachsenden mit zunehmender Akzeptanz von traditionellen Männlichkeitsnormen, mit zunehmendem Grad an Religiosität und mit zunehmender Diskriminierungserfahrung steigt. 


"Insbesondere Einwandererkinder, die sich von der Gesellschaft diskriminiert fühlen, haben eine höhere Abneigung gegen Homosexuelle." Bei den türkisch-stämmigen Jugendlichen habe aber auch die Religion einen starken Einfluss auf die Einstellung zu Homosexualität, weiß der Kieler Sozialpsychologe.


Bei den deutschen Schülern führen besonders bestimmte Vorstellungen von Männlichkeit zur Homophobie. 


Die Sprecherin der türkischen Gemeinde Deutschland, Eren Ünsal, zeigte sich besorgt über die Ergebnisse der Studie, die in den kommenden Tagen vollständig veröffentlicht werden soll: "Wir haben bereits die ersten Schritte gegen die Homophobie in unserer Gemeinde eingeleitet. Aber es ist wichtig, dass wir die Menschen, die gegen Homosexuelle sind, nicht an den Pranger stellen." Die Türkin hofft, die Homophoben ihrer Gemeinde durch Diskussion und offene Gespräche zu einem langsamen Gesinnungswechsel bewegen zu können. Ünsal warnt aber davor, pauschale Aussagen über Migranten zu treffen: "Nicht jeder Türke ist homosexuellenfeindlich".

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