Im Herzen der Gewalt: Roman
In seinem autobiographischen Roman ›Im Herzen der Gewalt‹ rekonstruiert der französische Bestsellerautor Édouard Louis die Geschehnisse einer dramatischen Nacht, die sein Leben für immer verändert.
Auf der Pariser Place de la République begegnet Édouard in
einer Dezembernacht einem jungen Mann. Eigentlich will er nach Hause, aber sie
kommen ins Gespräch. Es ist schnell klar, es ist eine spontane Begegnung,
Édouard nimmt ihn, Reda, einen Immigrantensohn mit Wurzeln in Algerien, mit in
seine kleine Wohnung. Sie reden, sie lachen, aber was als zarter Flirt beginnt,
schlägt um in eine Nacht, an deren Ende Reda Édouard mit einer Waffe bedrohen
wird.
Indem er von Kindheit, Begehren, Migration und Rassismus erzählt, macht Louis unsichtbare Formen der Gewalt sichtbar. Ein Roman, der wie schon ›Das Ende von Eddy‹ mitten ins Herz unserer Gegenwart zielt – politisch, mitreißend, hellwach.
Indem er von Kindheit, Begehren, Migration und Rassismus erzählt, macht Louis unsichtbare Formen der Gewalt sichtbar. Ein Roman, der wie schon ›Das Ende von Eddy‹ mitten ins Herz unserer Gegenwart zielt – politisch, mitreißend, hellwach.
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Meine Rezession. Realität mit krassen Erfahrungen
Innerhalb weniger Momente wird eine romantische Begegnung zu
einem Alptraum. In wenigen Augenblicken wird aus einem schönen Fremden ein
gewalttätiges Monster.
Édouard trifft in der Nacht des Weihnachtsabends auf der Straße Reda, der ihn anspricht. Aus anfänglicher Zurückhaltung wird mehr, auf dem Weg zu Édouards Wohnung bröckelt Édouards Widerstand, bis ihn Reda schließlich fragt: „Schlafen wir miteinander?“ (S.78). Édouard sagt nein, er hat das Gefühl, die Antwort komme von seinem Körper. „Sein Kopf, der hat Ja sagen wollen, aber dann hört er, wie sein Körper Nein sagt.“ (S.79).
Doch schließlich gehen sie nach oben und schlafen in dieser Nacht mehrmals miteinander, sie unterhalten sich, reden über die Kabylen, lachen miteinander. Bis Édouard gegen Morgen sein Handy vermißt. Und dann beginnt der Alptraum –
Der Roman wird auf verschiedenen Zeitebenen erzählt, sowohl von Édouard selbst als auch von seiner Schwester, der er alles bei einem Besuch erzählt hat und die nun alles ihrem Mann erzählt, was wiederum Édouard an der Tür lauschend hört. Diese teilweise mehrfache Verschachtelung paßt gut zu der Geschichte, denn die Ereignisse dieser Nacht haben Édouards Gefühl für sich selbst fragmentiert, durcheinandergebracht, seine Emotionen seltsam vermischt, sodaß er zwischendurch sogar Mitleid mit Reda hat und ihn nicht einmal anzeigen will. Die Erzählung der Schwester wird immer wieder mit kursiven Einschüben von Édouard kommentiert, wodurch deutlich wird, wie sich Geschichten verändern, wie Ereignisse durch die persönliche Sichtweise gefärbt sind.
Édouard trifft in der Nacht des Weihnachtsabends auf der Straße Reda, der ihn anspricht. Aus anfänglicher Zurückhaltung wird mehr, auf dem Weg zu Édouards Wohnung bröckelt Édouards Widerstand, bis ihn Reda schließlich fragt: „Schlafen wir miteinander?“ (S.78). Édouard sagt nein, er hat das Gefühl, die Antwort komme von seinem Körper. „Sein Kopf, der hat Ja sagen wollen, aber dann hört er, wie sein Körper Nein sagt.“ (S.79).
Doch schließlich gehen sie nach oben und schlafen in dieser Nacht mehrmals miteinander, sie unterhalten sich, reden über die Kabylen, lachen miteinander. Bis Édouard gegen Morgen sein Handy vermißt. Und dann beginnt der Alptraum –
Der Roman wird auf verschiedenen Zeitebenen erzählt, sowohl von Édouard selbst als auch von seiner Schwester, der er alles bei einem Besuch erzählt hat und die nun alles ihrem Mann erzählt, was wiederum Édouard an der Tür lauschend hört. Diese teilweise mehrfache Verschachtelung paßt gut zu der Geschichte, denn die Ereignisse dieser Nacht haben Édouards Gefühl für sich selbst fragmentiert, durcheinandergebracht, seine Emotionen seltsam vermischt, sodaß er zwischendurch sogar Mitleid mit Reda hat und ihn nicht einmal anzeigen will. Die Erzählung der Schwester wird immer wieder mit kursiven Einschüben von Édouard kommentiert, wodurch deutlich wird, wie sich Geschichten verändern, wie Ereignisse durch die persönliche Sichtweise gefärbt sind.
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Bereits zu Beginn weiß man, dass Édouard Reda schließlich doch anzeigen wird, dass er zur Polizei gehen wird. Im Laufe des Romans reflektiert er darüber, dass der Ablauf der Anzeige ebenfalls eine Form von Gewalt ist, dass er auch da seine Selbstbestimmung abgibt. Auch die Polizisten, genau wie seine Schwester, bringen ihre eigene Perspektive mit zu diesem Fall, wodurch Édouard quasi die Hoheit über dieses Ereignis entzogen wird. Viele Aspekte, die für ihn sehr wichtig sind, finden nicht ihren Weg in die Anzeige. Ist diese dann noch wahr?
So seltsam es klingt, aber auch Reda erscheint teilweise wie eine tragische Figur. Es ist nicht klar, ob er den Überfall von Anfang an so geplant hat, oder ob er echtes Interesse an Édouard hatte. Wieso ist die Situation so eskaliert? Oder erscheint Reda nur aufgrund von Édouards unzuverlässiger emotionaler Verfassung nicht eindeutig wie ein Monster? Hat Édouard die Zeichen willentlich fehlinterpretiert?
Der Roman ist aufgrund der Ereignisse erschreckend, aber wirkt auch wahnsinnig klug und reflektiert in Bezug auf die emotionalen und psychischen Auswirkungen auf Édouard. Ich fand ihn insgesamt faszinierend, aber auch sehr hart.



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