Kinder verstehen, was Trans-Sein bedeutet – Erwachsene sind das Problem
Eltern wollen eine Grundschule verklagen, weil ein Transmädchen ihren Sohn traumatisiert haben soll. Schwachsinn, sagen Expertinnen.
Ein christliches Ehepaar plant, eine britische Grundschule
zu verklagen. Der Grund: Die Lehreinrichtung der englischen Kirche hatte einem
sechsjährigen Transmädchen erlaubt, im Kleid zur Schule zu kommen. Sally und
Nigel Rowes sagten gegenüber der Daily Mail, daß ihr sechsjähriger Sohn
"verwirrt" gewesen sei, "warum ein Junge jetzt ein Mädchen
ist". Außerdem sind sie der Meinung, daß es sie in ihrer religiösen
Freiheit einschränke, wenn sich die Schule an das Gesetz hält und Transpersonen
nicht diskriminiert, sondern in ihrer Identität schützt.
"Wir machen das, weil wir uns für Eltern einsetzen
wollen, die wie wir das Gefühl haben, daß hier eine Agenda vorangetrieben wird,
die unseren Glauben beschneidet", erklärte Nigel Rowe. "Wir glauben,
daß es falsch ist, sehr jungen und empfindlichen Kindern ein falsches
Versprechen von Transgenderismus vorzuleben."
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Laut
der BBC hat das Paar seinen sechsjährigen Sohn seit dem Vorfall aus der Schule
genommen und unterrichtet ihn nun zu Hause. Ihr achtjähriger Sohn war schon ein
Jahr zuvor von der Schule genommen wurden, nachdem eine weitere
Transmitschülerin ebenfalls ein Kleid getragen hatte. Die Sunday Times
berichtet außerdem, daß die beiden Eltern vor Gericht wohl damit argumentieren
wollen, daß die Schule sie daran hindere, ihre Kinder im Einklang mit ihrem
Glauben zu erziehen.
Mermaids, eine britische Charity-Organisation für
Transkinder, sprach mit den Familien der beiden nicht-genderkonformen Kinder
und identifizierte beide als trans. "Es macht mir ein bißchen Sorgen, daß
diese Debatte überhaupt stattfindet", sagt Mermaids-Sprecherin Susie
Green. "Transkinder gibt es."
Ein Sprecher der Diözese von Portsmouth, die die Schule
betreibt, erklärte gegenüber der Mail: "Unsere Einrichtungen sind
inklusive, sichere Orte, an denen die Schüler lernen, Diversität in jeder Form
zu respektieren. Wir bewegen uns im rechtlichen Rahmen des Equality Act von
2010 und glauben, daß sich in unserer Lerngemeinde alle willkommen, geschätzt
und unterstützt fühlen sollten."
Laut Pace, einer Organisation, die sich für psychische
Gesundheit bei LGBTQ-Personen einsetzt, haben 48 Prozent junger Transmenschen
bereits einen Selbstmordversuch unternommen. Frühe Unterstützung in der Schule
und durch Gleichaltrige kann den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten.
Gleichzeitig stellte ein Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes
2015 fest, daß auch Schulen und Lehreinrichtungen oft überfordert seien, wenn
es um den Umgang mit Transpersonen geht.
Wie also spricht man darüber am Besten mit Kindern?
"Ich glaube, wir sollten nicht zu viele Rückschlüsse
über das Kind in diesem Fall ziehen", erklärt Dr. Bernadette Wren, eine
klinische Psychologin, die mit Transkindern arbeitet. "Wir wissen
schließlich nicht genau, was da alles sonst noch so passiert ist."
"[Die Rowes] sagen, daß ihre Söhne verwirrt seien. Aber
meine Kinder haben auch oft Probleme, ihre Mathe-Hausaufgaben zu verstehen.
Also erkläre ich es ihnen."
Sie würde im Gespräch mit Kindern wahrscheinlich nicht
einmal das Wort trans verwenden, sagt sie. Stattdessen solle man eine verständlichere,
zugänglichere Sprache verwenden. "Ich würde erklären, daß von den Leuten
früher mehr erwartet wurde, sich auf eine bestimmte Art und Weise zu kleiden
oder zu spielen, je nachdem ob sie ein Mädchen oder ein Junge waren. Heutzutage
können sich die Leute aussuchen, was sie tun wollen."
Green ist derselben Meinung. "Du mußt einfach sehr
direkt und klar sein", sagt sie. "Die Welt ist so divers und jeder
ist einzigartig. Manche Menschen werden vielleicht im Körper eines Jungen oder
eines Mädchens geboren, das paßt dann aber nicht zu der Person, die sie in
ihrem Kopf sind."
Ihrer persönlichen Erfahrung nach, würden Kinder diese Vorstellung
problemlos akzeptieren. "Kinder verstehen das sehr schnell. Es sind
normalerweise die Eltern, die Probleme damit haben." Wichtig sie außerdem,
ergänzt Wren, daß um die Kinder, die sich in keine Geschlechter-Schublade
stecken lassen, kein großes Aufsehen gemacht werde.
"Man sollte nicht noch zusätzliche Aufmerksamkeit auf
diese Kinder lenken. Wenn sie gerade Gender und Gender-Rollen erforschen,
sollte man ihnen die Möglichkeit geben, das ohne jede Einschränkung tun zu
können. Man darf ihnen nicht das Gefühl geben, daß das ein Thema ist, mit dem
Erwachsene ein Problem haben", erklärt sie. "Wenn das Kind plötzlich
im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, kann ihm das sehr unangenehm
sein."
Schlußendlich ist man dann ein gutes Elternteil, wenn man es
fertig bringt, seinen Kindern Dinge ruhig und ohne jede Vorurteile zu erklären.
"[Die Rowes] sagen, daß ihre Söhne nicht verstehen, was da passiert, und
daß sie verwirrt seien", sagt Green abschließend. "Aber meine Kinder
haben auch oft Probleme, ihre Mathe-Hausaufgaben zu verstehen. Also erkläre
ich es ihnen und sie sind nicht mehr verwirrt. Das ist exakt dasselbe."(von Sirin Kale-broadly)



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