Mit Demut und Ausdauer
Was wünschen sich Trans*menschen? Wer sind für sie
Verbündete und wer nicht? Welche Unterstützung wollen sie von ihrer Umwelt?
Über diese Fragen hat René_ Hornstein mit Trans*menschen im Rahmen psychologischer
Forschung gesprochen. Im Interview berichtet René_ von den Ergebnissen.
Albrecht: Trans*verbündetenschaft ist Dein
Diplomarbeitsthema – was verstehst Du darunter? Und warum brauchen
Trans*menschen überhaupt Verbündete?
René_: Trans*menschen brauchen Verbündete, weil es eine
gesellschaftliche Struktur gibt, die Transidentitäten und
geschlechts-nonkonforme Lebensweisen benachteiligt, bedroht und verletzt.
Gegen diese Struktur zu kämpfen, können Trans*menschen alleine gar nicht, dafür
braucht es die ganze Gesellschaft. Darüber hinaus sind alle Menschen von
rigiden Geschlechternormen betroffen und werden durch sie eingeschränkt. Das
heißt, es ist auch im Interesse von Verbündeten, sich gegen
Trans*feindlichkeit, Sexismus, Homosexuellenfeindlichkeit oder andere
geschlechts- und sexualitätsbezogene Diskriminierungsformen einzusetzen.
Aber nicht nur auf gesellschaftlich-struktureller Ebene
brauchen Trans*menschen Verbündete. Auch im Alltagsleben sind diese wichtig.
Zum Beispiel bei Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, Beschimpfungen oder
Gewalt auf der Straße oder bei trans*feindlichen Familien.
Mein Promotionsthema lautet: Internalisierte
Trans*feindlichkeit und Wege des Empowerments
aus der internalisierten Trans*feindlichkeit. Ich habe mich im Rahmen meiner
psychologischen Diplomarbeit mit Trans*verbündetenschaft beschäftigt.
Verbündete sind laut der Wissenschaftlerin Anne Bishop Menschen, die
unverdiente Privilegien erkennen, also solche, die ihnen aufgrund von
gesellschaftlichen Mustern der Ungerechtigkeit zugewiesen werden, und die
Verantwortung dafür übernehmen, diese Muster zu ändern.
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| Foto-Die zeit |
Albrecht: Kannst Du genauer erklären, was Du mit
"unverdienten Privilegien" meinst?
René_: Das möchte ich gerne am Beispiel von Rassismus
verdeutlichen: Ich als weiße Person habe nichts dafür getan, weiße Privilegien
zu erhalten. Keine individuelle Leistung, die ich in meinem Leben vollbracht
habe, berechtigt mich dazu, vor rassistischer Diskriminierung geschützt zu
sein. Ich bin einfach mit weißer Hautfarbe und westeuropäisch klingendem
Namen zur Welt gekommen und profitiere seitdem von Rassismus bzw. bin davor
geschützt. Daraus ergibt sich für mich als Person, die mit Menschen, die rassistische
Diskriminierung erfahren, verbündet handeln will, daß ich mir meiner
Privilegien bewußt sein muß und daß ich die gesellschaftlichen Strukturen
ändern muß, die diese Privilegien entlang willkürlicher Merkmale wie z.B. Hautfarbe
verteilt.
Auf Trans*diskriminierung bezogen heißt das: Ich habe mir
meine Transidentität nicht ausgesucht. Ich habe keine persönlichen Fehler
begangen oder mir etwas zuschulden kommen lassen, so daß ich verdient hätte, in
Bezug auf meine Transidentität diskriminiert zu werden. Es gibt einfach
gesellschaftliche Normen, die Trans*menschen abwerten und die bekomme ich nun
ab. Von Menschen, die mit mir verbündet handeln wollen und keine
Trans*diskriminierung erfahren, wünsche ich mir, daß sie verstehen, daß das
in gewisser Weise eine Lotterie ist und daß sie ihre Privilegien einsetzen, um
mich persönlich zu unterstützen und sich für die Abschaffung dieser
gesellschaftlichen Privilegienstruktur zu engagieren.
Meine Utopie ist, daß alle Menschen, egal wie stark sie von
gesellschaftlichen Normen in Bezug auf Hautfarbe, Geschlecht, Name, Sprache,
sexueller Orientierung, Religion, körperlicher Befähigung, mentaler Verfassung,
Schichtzugehörigkeit etc. abweichen, in den Genuß von Anerkennung kommen und
die gleichen Chancen an gesellschaftlicher Teilhabe und persönlicher und
psychischer Entfaltung haben, wie heutzutage noch privilegierte Personen, z.B. weiße
Menschen oder Nicht-Trans*Menschen.
Albrecht: Du sprichst die schwierige Situation von
Trans*menschen in unserer Gesellschaft an. Wie ist denn die gegenwärtige
soziale, rechtliche und alltägliche Situation von Trans*menschen in
Deutschland?
René_: Die gegenwärtig gültigen gesetzlichen Regelungen im
sogenannten Transsexuellengesetz (TSG), welche die Änderung von juristischem
Geschlechtseintrag und Vornamen betreffen, sowie die Situation von
Trans*menschen in verschiedenen Rechtsbereichen (z.B. Elternschaft im
bürgerlichen Gesetzbuch), sind menschenrechtswidrig, demütigend und
gesundheitsschädigend. Das Bundesverfassungsgericht hat in mittlerweile acht
Urteilen das TSG in großen Teilen für verfassungswidrig erklärt; z.B. hat es
2011 verfügt, daß Trans*menschen sich nicht sterilisieren (!) lassen müssen,
wenn sie ihren Geschlechtseintrag ändern lassen wollen. Leider hat sich seitdem
noch keine Bundesregierung getraut, das TSG gemäß den Urteilen des
Verfassungsgerichts anzupassen. Es wird die ganze Zeit geprüft, untersucht,
Expert*innenberichte geschrieben. Da stehen auch teilweise sehr progressive Sachen drin. Aber auf diese Inhalte folgt keine
parlamentarische oder gesellschaftliche Debatte. Die Bundesregierung möchte das
Thema einfach nur aufschieben, verdrängen, unter den Tisch fallen lassen.
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Auf sozialer Ebene ist es so, daß Transidentität stark
stigmatisiert ist. Das heißt, Trans*menschen sind damit konfrontiert, sich
einer gesellschaftlich abgewerteten Identität bewußt zu werden. Das ist kein
ermutigendes Klima, um sich selbst zu akzeptieren und zu sich selbst zu stehen.
Trotzdem schaffen es viele Trans*menschen, für sich einzustehen und ihren Weg
zu gehen. Dennoch gibt es zu wenig Bewußtsein über das Thema Transidentität bei
Beratungseinrichtungen, in Behörden, der Wirtschaft, dem Gesundheitssystem.
Das bedeutet, daß es für manche Trans*menschen einen alltäglichen
Arbeitsaufwand erfordert, ihre Umgebung über die richtige Anrede oder den
Gebrauch des richtigen Vornamens aufzuklären oder darauf hinzuweisen, daß
intime Fragen (z.B. nach Genitalien) grenzüberschreitend sind. Aber ganz
grundsätzlich: Die Stigmatisierung und Abwertung ist so ausgeprägt, daß für
Trans*menschen weltweit, aber auch in Deutschland eine massiv erhöhte
Wahrscheinlichkeit besteht, Opfer von körperlicher Gewalt oder gar ermordet
zu werden oder sich selbst zu töten.
Albrecht: Für Deine Diplomarbeit hast Du Trans*menschen nach
ihren Unterstützungwünschen befragt, als Antworten hast Du zunächst sehr
viele Berichte über Negativerfahrungen erhalten. Was haben Dir die Interviewten
dazu erzählt?
René_: Richtig. Ich habe sieben ganz unterschiedliche
Trans*menschen nach ihren Wünschen an unterstützendes Verhalten von Menschen
in ihrer Umgebung befragt. Mir ist dabei aufgefallen, daß sie oft
Negativbeispiele berichteten und es ihnen teilweise schwerfiel, Wünsche positiv
zu formulieren. Die Negativbeispiele dienen auch zur Illustration von Wünschen,
nämlich "so und so soll es nicht laufen". Zum Beispiel wollen meine
Gesprächspartner*innen nicht mit falschen Namen oder Pronomen angesprochen
werden, oder nicht intime Fragen zu Genitalien oder Hormoneinnahme gestellt
bekommen. Sie wollen nicht angespuckt oder körperlich angegriffen werden. Du
siehst, es fiel vielen Gesprächspartner*innen leichter, zu sagen, was sie nicht
wollen. Dies sicherlich vor dem Hintergrund vieler Erfahrungen der
Grenzverletzung und Gewalt.
Albrecht: Was sind denn für Dich persönlich die größten
Fehler, die mensch im Umgang mit Trans*menschen vermeiden sollte?
René_: Ich denke, eine zentrale Fehlannahme lautet, wenn ich
die Transidentität einer Person ignoriere und keine diskriminierenden Absichten
habe, dann kann ich auch nicht trans*diskriminierend oder verletzend handeln.
Hier steckt ein Diskriminierungsverständnis dahinter, das davon ausgeht, daß
eine Handlung nur dann diskriminierend wirken kann, wenn sie so gemeint ist.
Das ist häufig aber gar nicht relevant. Eine Person kann mich mit den
freundlichsten Absichten mit der falschen Anrede oder dem falschen Namen
ansprechen, dennoch tut mir das weh. Außerdem ist es wichtig, sich über die Lebensrealität
und Wünsche von Trans*menschen zu informieren, um dies in ein umsichtiges und
trans*respektvolles Verhalten einfließen zu lassen. Das wohlmeinende Ignorieren
und so zu tun, als wären wir alle gleich, als gäbe es keine Unterschiede
zwischen den Menschen, wird den Bedürfnissen von Trans*menschen nicht gerecht.
Ein weiterer Fehler ist, davon auszugehen, daß, nur weil ich
schon etwas über Trans*lebensrealitäten weiß oder weil ich gute Absichten
gegenüber Trans*menschen habe, ich automatisch eine trans*verbündete Person
bin. Aus einer nicht-trans*Perspektive kann ich gar nicht entscheiden, ob ich
als verbündete Person wahrgenommen werde oder nicht. Das obliegt den
Trans*menschen selbst. Ich kann mir nur Mühe geben. Und diese Mühe hört nicht
irgendwann einfach auf. Ich bin nicht irgendwann an einem Ort angekommen, wo
ich glasklar trans*verbündet bin und mich zurücklehnen kann. Es ist besser,
davon auszugehen, daß mir immer wieder Fehler unterlaufen werden, ich immer
wieder etwas übersehen werde und daß ich deswegen nie über das Thema trans*
auslernen kann. Es ist eine falsche Verlockung, sich in die bequeme Position zu
geben, mit guten Absichten bereits verbündet zu sein und nichts mehr tun zu
müssen. Menschen mit diesen Einstellungen lassen sich schwer darauf
hinweisen, wenn sie dann doch mal etwas trans*diskriminierendes getan oder
gesagt haben. Es ist einfach nicht Teil ihres Vorstellungsvermögens, daß
ihnen so etwas unterlaufen könnte.
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Albrecht: Kannst Du das "wohlmeinende Ignorieren"
näher erläutern?
René_: Gerne. Sprache ist ein gutes Beispiel. Neulich habe
ich ein Radiointerview gegeben. Der Radiomoderator war sehr gut vorbereitet,
hat sich im Vorfeld mit meinen Publikationen beschäftigt und wir haben ein
angenehmes Vorgespräch geführt. Er hat sich sicherlich als ein Unterstützer
von Trans*anliegen verstanden - ich ihn übrigens auch. Dennoch ist ihm in der
Anmoderation ein sprachlicher Fehler unterlaufen und er hat mich in den
einleitenden Sätzen "er" genannt. Das kommt häufig vor und das erlebe
ich als sehr verletzend. Teil meiner Transidentität ist eben, nicht
"er" genannt werden zu wollen. Nun, das wußte er alles, dennoch ist
es ihm unterlaufen. Als ich ihn dann nach der Radiosendung darauf ansprach,
ging er in eine massive Abwehr und stritt es komplett ab. Er wollte mir seine
Notizen zur Anmoderation zeigen, die belegen sollten, daß es ihm nicht passiert
sein könnte. Es hat erst die Intervention seiner Kollegin gebraucht, die das
Interview mitgehört hat, bis er akzeptiert hat, daß es ihm tatsächlich passiert
ist.
Ein weiteres Beispiel ereignete sich in einem Verein, in dem
ich aktiv bin. In einer Plenumsdiskussion mit verschiedenen Vereinsmitgliedern
ist es einem Mitglied passiert, mehrfach in einem Redebeitrag mit
"er" auf mich Bezug genommen zu haben. Ich habe immer wieder das
richtige Pronomen dazwischen gerufen (heute wäre das der Buchstabe
"m", damals war es noch der Buchstabe "w"), aber die
Person hat es einfach nicht wahrgenommen und unbeirrt weitergesprochen. Ich
stelle fest, daß Menschen, die aus Erfahrung wissen, daß ihnen immer mal wieder
Pronomenfehler unterlaufen, erstens langsamer und konzentrierter sprechen und
zweitens hellhöriger sind für genau solche Unterbrechungen bzw.
Pronomenkorrekturen von anderen Gesprächsbeteiligten. Und manche Menschen hören
dann solche Einwürfe einfach nicht. Das meine ich mit wohlmeinendem Ignorieren.
Es ist ja nicht so, daß diese Menschen verletzende Absichten hätten. Aber es
ist einfach nicht Teil ihres Selbstverständnisses, daß ihnen so etwas
passieren könnte.
Abrecht: Schließlich hast Du in Deinen Interviews doch eine
ganze Menge von Unterstützungswünschen sammeln können. Wie ist Dir das
gelungen? Und welche Bedürfnisse haben die Interviewten genannt?
René_: Ich finde es bezeichnend, daß es meinen
Interviewpartner*innen schwer fiel, in einen Modus des Sich-Wünschens von
positiven Dingen zu gelangen und zu beginnen, sich selbst als Person zu
begreifen, die sich etwas wünschen darf und einen respektvollen Umgang und
Unterstützung verdient hat. Dies macht deutlich, daß Transidentität ein
marginalisiertes und abgewertetes Thema ist und Trans*menschen oft mit ihren
Bitten und Forderungen nach Respekt als anstrengend oder besonders empfindlich
konstruiert werden.
Meinen Gesprächspartner*innen ist der Perspektivenwechsel
mit Fortschreiten des Interviews immer leichter gefallen, es brauchte etwas
Umdenken. Hilfreich hierbei war, daß ich immer wieder gezielt nach positiven
Überraschungen gefragt habe: von Unterstützung durch Menschen im öffentlichen
Raum, am Arbeitsplatz, im Bildungsort etc.
Was ich aus diesen Gesprächen mitnehme, ist eine Frage, die
ich in meinem engeren Umfeld immer häufiger stelle: Wenn Du es Dir aussuchen
könntest, was hättest Du jetzt gerne? Kurz: Spiel mal Wunschkonzert, was
wünschst Du Dir?
Von meinen Gesprächspartner*innen genannte Wünsche an
Menschen, die verbündet mit Trans*menschen handeln wollen, bezogen sich auf
ihre Einstellungen, ihre Haltung und Gefühle gegenüber Trans*menschen:
Trans*verbündete sollen keinen Ekel oder Angst vor Trans*menschen empfinden,
sie sollen Transidentität als etwas Selbstverständliches und nicht Krankes
betrachten und Trans*menschen unterstützen wollen.
Auch auf das Denken und Wissen von Verbündeten bezogen sich
viele Wünsche: Sie sollen sich eigenständig über Trans*lebensrealitäten
informieren und dabei von Trans*menschen selbst erstellte oder empfohlene
Quellen nutzen. Sie sollen sich über die Vielfalt der Erfahrungen von
Trans*menschen informieren, auch was andere Diskriminierungsbereiche wie Heteronormativität
oder Rassismus angeht. Sie sollen in der Lage sein, Kritik anzunehmen und sich
selbst nicht für den Maßstab ihres Verbündetseins begreifen, sondern verstehen,
daß nur Trans*menschen beurteilen können, ob oder inwiefern sie gute Verbündete
sind.
Ganz viele Wünsche bezogen sich auf direktes Verhalten von
Verbündeten gegenüber Trans*menschen: Sie sollen sie unterstützen, auch in
konkreten Diskriminierungssituationen, möglicherweise sogar körperlich oder
verbal intervenieren und Trans*menschen beschützen. Meine
Gesprächspartner*innen wünschten sich von Verbündeten, daß sie bestimmte
stereotype Fragen nicht stellen und sich der Intimgrenzen und der Privatsphäre
des Gegenübers bewußt sind.
Ein guter Ratschlag, der in den Gesprächen genannt wurde,
war, sich vorzustellen, mit einer Nicht-Trans*person abends an einer Bar zu
sitzen und sich zu überlegen, ob die Frage, welche die verbündete Person gerade
einer Trans*person stellen will, in dieser vorgestellten Barsituation
angemessen wäre. Zum Beispiel: Würde ich eine Nicht-Trans*person, die ich
gerade kennenlerne, in einer Barsituation nach ihren Genitalien oder ihrem
Sexleben befragen? Diese Überprüfungsfrage macht deutlich, daß bestimmte
Intimgrenzen für Trans*menschen gesellschaftlich nicht gelten, die meine
Gesprächspartner*innen aber berechtigterweise auch für sich und andere
Trans*menschen einfordern.
Albrecht: Gab es eine Interviewsituation, eine Geschichte,
einen Wunsch, der Dich besonders bewegt hat?
René_: Mich hat sehr bewegt, daß in einem Gespräch explizit
der Wunsch geäußert wurde, daß Nicht-Trans*menschen Trans*menschen nicht
ermorden sollen. Das macht deutlich, wie gering die Chancen auf ein
würdevolles, unversehrtes Leben für viele Trans*menschen sind.
Albrecht: Wenn ein Mensch dieses Interview liest und zu der
Überzeugung gelangt Trans*menschen unterstützen zu wollen, was kann sie_er
nun konkret tun?
René_: Ich empfehle, sich eigenständig mit dem Thema
trans* zu beschäftigen und sich mit Internetblogs, YouTube-Videos, Büchern zu
beschäftigen, die Trans*personen selbst über das Thema trans* erstellt haben.
Hierbei können auch die Internetseiten von Trans*organisationen selbst
aufgesucht werden, z.B. www.transinterqueer.de
oder www.bundesverband-trans.de.
Auch meine Diplomarbeit könnte durchgelesen werden, sie findet sich unter www.rhornstein.de.
Dabei gilt: Die Trans*community ist sehr heterogen und es
gibt dort ganz unterschiedliche Vorstellungen von Transidentität, dem gutem
Leben, der idealen Gesellschaft und was Trans*verbündetenschaft bedeutet. Das
heißt, daß Verbündete damit rechnen sollen, daß sie keine universellen Gesetze
finden, die für jede Trans*person gleichermaßen gelten und daß die Wünsche an
Unterstützung von Person zu Person unterschiedlich sind. Und daß sie
möglicherweise von Trans*menschen in Frage gestellt werden für Dinge, die sie
von anderen Trans*menschen gelernt haben.
Es ist wichtig, sich mit der eigenen Idee von
Geschlechtlichkeit und der eigenen Geschlechtsidentität zu beschäftigen, damit
nicht unbewußte oder unreflektierte Standpunkte zum Thema Geschlecht in den
Umgang mit Trans*menschen hineinprojiziert werden. Zum Beispiel gibt es bestimmte
Strömungen des Feminismus, die trans*feindliche Inhalte haben - sog.
"Radikaler Feminismus", auch als Trans*ausschließender Radikaler
Feminismus bezeichnet (engl. TERF). Diese Positionen sind in manchen Kontexten
(z.B. Frauengleichstellung an den Hochschulen, feministische Gruppen) noch
häufig unbewußt handlungsleitend gegenüber Trans*menschen und können zu
Ausschlüssen führen.
Eine zentrale Überlegung sollte sein, daß ich als Person,
die mit Trans*menschen verbündet handeln will, nicht alles über
Trans*diskriminierung und Trans*verbündetenschaft wissen kann, offen für
Rückmeldungen und individuelle Unterstützungswünsche sein sollte und
kontinuierlich an mir und meinem Wissen über Trans*lebensrealitäten arbeiten
sollte. Kurz: Demut und Ausdauer.
René_ Hornstein (30) hat ein Diplom in Psychologie und
lebt in Berlin. René_ promoviert an der TU Braunschweig. Forschungsinteressen
sind: Intersektionalität,
Transidentität, Nicht-binäre Identitäten, Internalisierte Diskriminierung,
Internalisierte Trans*feindlichkeit, Critical Whiteneß und Trans*diskriminierung an Hochschulen.
René_ ist Mitglied im Verband der LSBTIQ-Menschen in der Psychologie (VLSP*), dem Bundesverband Trans*
(BVT*), dem Trans*-Recht e.V. sowie
der Fachgesellschaft Gender.
(Evangelisch.de-Mathias Alberecht)




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