Ehe für alle und legales Cannabis? Ernsthaft?
Basecap quergestellt, Homoehe und Cannabislegalisierung? Kraß. Ich fühlte mich ertappt, als ich den Text auf ZEIT Campus ONLINE über Diana Kinnert las und darüber, wie sich die Union verändern müßte, um junge Leute zu begeistern.
Ich dagegen: aufgewachsen in der Kleinstadt,
Ministrant und Chorsänger, mit 17 den Ortsverband der Jungen Union (JU)
wiederbelebt, mit 22 im Stadtrat, JU und CSU-"Karriere" und dann auch
noch humanistisches Gymnasium, Jurastudent und Hemdkragen. Oh Mann,
anscheinend alles, was verantwortlich ist am Untergang der Konservativen in
Deutschland. Bin ich der falsche Konservative? Oder gar kein Konservativer
mehr? Das fragte ich mich kurz, dann kam der Unmut:
Mich stören vor allem die Themen, die laut Artikel zum
Konservativismus in Deutschland gehören sollen. Ehe für alle und
Cannabislegalisierung? Ernsthaft jetzt? Vor einigen Monaten war ich mit dem
Bezirksverband der JU auf einem Schülerkongreß. 80 Schülersprecher aus der
ganzen Region kamen zusammen, es gab eine Ständemeile der politischen
Jugendorganisationen. Wir haben zwei Stunden wunderbar an unserem Stand
diskutiert, die JU bekommt bei solchen Auftritten immer am meisten ab, ist ja
klar. Aber als ich nach zwei Stunden im großen und ganzen nur Fragen zu
Cannabislegalisierung beantworten durfte, war ich wirklich deprimiert. Haben
diese Teenager keine anderen Probleme? Rentensystem? Staatsverschuldung?
Krieg und Frieden? Anscheinend wurden solche Probleme zusammen mit dem G9
abgeschafft.
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| Foto-Gaypootason.com |
Ich glaube, daß wir die wichtigen Probleme oft entweder nicht sehen oder meinen, wir könnten ja eh nichts dran ändern.
Als Konservativer sehe ich mich als jemand mit gesundem
Menschenverstand, eigentlich ideologiefrei im Gegensatz zum Rest mit
rosaroter Brille. In solchen Zeiten ist das doch eigentlich die wichtigste
Eigenschaft schlechthin. Ich will die politischen Themen rational und mit dem
Blick fürs Gemeinwohl betrachten. Cannabis für alle? Selbst wenn es nicht
"schlimmer" als Alkohol ist, zwei legale Drogen im Staat reichen aus
und belasten unsere Sozialsysteme schon in ausreichender Form. Ehe für
alle? Muß ein gleichgeschlechtliches Paar einen Anspruch auf die gleiche
Bezeichnung (!) haben wie ein gemischtgeschlechtliches? Unterschiede sind
wertvoll, sie dürfen auch unterscheidbar bleiben. Um bei Diana Kinnert zu
bleiben: Unisextoilletten? Ich glaube durchaus, daß es Leute gibt, die Probleme
mit ihrer sexuellen Identität und darunter zu leiden haben, aber kann ich für
diesen schwindend geringen Prozentsatz das ganze Land umbauen und den Rest
pikiert zurücklassen? Nein. Muß ich, um Frauen gleichzustellen, meine
Studenten in der Übung, die ich seit Kurzem an der Uni halte, mit
"Studierende" begrüßen? Die Mädels sind hundertmal klüger, reifer und
ehrgeiziger als die Jungs, die da vor mir sitzen. Die packen das, weil sie
wissen, daß sie gemeint sind, auch wenn ich "Studenten" sage.
Ich glaube, daß wir die wichtigen Probleme oft entweder
nicht sehen oder meinen, wir könnten ja eh nichts dran ändern. Ich bin jung und
konservativ, weil ich sehe, daß ich als Staatsbürger für jedes Problem
mitverantwortlich bin. Deshalb halte ich es für wichtig, daß in solchen Zeiten
Konservative regieren. Um das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden, um
mutige Überlegtheit vor feiges Gekreische zu stellen und um Ordnung in
Unordnung zu bringen. Denn die Ordnung, die unsere Welt in den vergangenen 70
Jahren prägte, droht zu verblassen. Zum ersten Mal sind wahre Rechtspopulisten
auf dem Vormarsch, zum ersten Mal stellt ein amerikanischer Präsident den Westen
als Ordnungssystem in Frage und zum ersten Mal wächst Europa eher
auseinander, als daß es weiter zusammenwächst. Und zum wiederholten Male pumpen
wir unsere Sozialsysteme mit Geld auf, daß wir meiner Rente und irgendwann
meinen Kindern wegnehmen. Konservativ fühle ich mich, weil ich bei aller
berechtigter Kritik an dieser alten Ordnung ihren Wert für Wohlstand und ein
glückliches Leben sehe.
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| Foto-Vice.com |
Jung und konservativ sollten wir sein, wenn wir dafür
kämpfen wollen, daß das, was uns unsere Eltern schenkten, auch noch für unsere
Kinder da ist. Wenn wir das "Uns geht’s doch gut!" mit dem "Was
braucht’s, damit es morgen auch noch so ist?" verknüpfen. Wenn wir uns
endlich wieder eingestehen, daß die Welt ein Wettbewerb ist, dem wir uns
stellen müssen. Daß Deutschland eine Nation und Europa eine
Schicksalsgemeinschaft ist, die nur zusammen verliert und zusammen gewinnt. Daß
wir für dieses Land und seine Menschen in der Sache streiten müssen und uns
nicht davor verstecken sollten, überhaupt ein Land zu sein. Wenn wir Freude
am anderen haben und es wertschätzen, aber dennoch wissen, daß Gesellschaft
immer von einer Werteordnung zusammengehalten werden muß.
Wenn wir uns auch eingestehen, daß nicht jeder der Klügste
ist, aber jeder ein Mensch, und deshalb der Azubi so viel wert ist wie der
Doktor. Wenn wir den abgehängtesten Wutbürger mit seinen Sorgen ernst nehmen,
weil er mit uns im gleichen Boot sitzt. Wenn wir einsehen, daß wir eine
Meuterei bei stürmischer See nicht verkraften.
Deutschland geht es wirtschaftlich gut, den Leuten geht es
gut. Jung und konservativ bin ich, weil ich will, daß Deutschland Deutschland
bleibt. Egal ob mit Basecap oder Hemdkragen.(von Konrad Körner-ZeitCampus)



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