Penisparty Warum viele Heteros gerne Schwulenpornos schauen
Porno-Rätsel: Warum Heteros schwuler Sex anmacht?!?
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Thomas ist verheiratet, mag Brüste, hatte noch nie was mit
einem Mann – schaut aber regelmäßig anderen Männern beim Sex zu. Pornos sieht
er immer schon gerne, als Teenager entdeckte er Hardcore-Streifen in Sexkinos,
später schaute er manchmal Filme zusammen mit seiner Frau, immer
heterosexuelle. Darüber, dass er heute auch im Netz auf Pornoportalen für
schwule Männer unterwegs ist, spricht Thomas normalerweise nur anonym,
in Foren wie dem von "Schöner Onanieren".
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Am Telefon erzählt er von seinen Vorlieben, aber nur als seine Frau bei der Arbeit ist.
Auf den schwulen Pornos sei er "hängen
geblieben", sagt Thomas, auf dem Bildschirm beobachtet er regelmäßig
Männer dabei, wie sie sich selbst befriedigen oder miteinander Analsex haben.
Ganz normal. Jeder fünfte Mann, der sich als heterosexuell bezeichnet, hat in den vergangenen sechs Monaten mindestens einen schwulen Sexfilm gesehen. Das hat das US-amerikanische Institut Public Health Solutions kürzlich in einer Studie herausgefunden.
Ganz normal. Jeder fünfte Mann, der sich als heterosexuell bezeichnet, hat in den vergangenen sechs Monaten mindestens einen schwulen Sexfilm gesehen. Das hat das US-amerikanische Institut Public Health Solutions kürzlich in einer Studie herausgefunden.
In einer Umfrage des Forums von "Schöner
Onanieren" gab etwa die Hälfte der Männer an, sie sei nur an Frauen
interessiert, schaue aber Schwulenpornos. Auch wer sich auf Pornoportalen durch
die Profile von Heteros klickt, findet neben Frau-Mann-Pornos öfter mal einen
schwulen Analfick in der Playlist gespeichert.
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"Es gibt Männer, die auf der Party anderen Männern beim Sex zusehen, aber selbst nicht angefasst werden wollen"
Das Phänomen lässt sich auch hautnah studieren, zum Beispiel
auf der Pornceptual-Party in Berlin. Die Veranstaltung steht jedes Mal unter
einem neuen Motto: Traum-Porno, Dschungel-Porno, Futuristischer Porno. Darauf
stimmen die Organisatoren die Dekoration ab, es gibt eine passende
Live-Sex-Performance, und es wird für jede Party ein Kunstfilm produziert – zum
Thema Dada wanderten collagenartig ausgeschnittene Penisse, Zungen und Schriftzeichen
durch die Visuals.
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Die Gäste verkleiden sich, für das Motto Animalist Porn trugen Frauen zum Latexkostüm einen Fuchs über der Schulter oder ein Stirnband mit Fledermaus-Ohren, eine Transsexuelle sperrte ihren Kopf in einen Vogelkäfig, eine Frau im Katzenkostüm führte ihren Begleiter, der sein Gesicht hinter einer Ledermaske mit Hundeschnauze versteckte, an der Leine über den Dancefloor. Ob Hetero, Bi, Homo, Mann, Frau, Trans ist bei der Party egal. Manche lassen sich inspirieren und machen auf Spielwiesen und in Darkrooms selbst mit, andere sehen nur zu. "Gelegentlich sind Gäste irritiert, dass es Männer gibt, die auf der Party herumstehen und anderen Männern beim Sex zuschauen, aber selbst nicht angefasst werden wollen", erzählt Emre Busse, der die künstlerische Umsetzung der Partymottos leitete. "Aber wenn die sagen, sorry, ich bin hetero, dann muss man das respektieren."
"Ich habe diesen großen Penisneid... Ich stelle mir
vor, dass ich das wäre"
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Nur: Warum eigentlich wollen Hetero-Männer anderen Typen beim Sex zusehen? Bisher sind doch viele immer noch darauf bedacht, bloß nicht schwul rüberzukommen. Während es inzwischen üblich ist, dass Frauen auf Partys knutschen und Fotos davon auf Instagram stellen, sind Männer noch viel verklemmter. Zwar küsste einmal der Schauspieler August Diehl den Sänger Herbert Grönemeyer, der Hiphopper Thomas D. den Musikproduzenten Moses Pelham und der Schauspieler Ken Duken seinen Kollegen Kostja Ullmann, aber das war dann gleich Teil einer großen Aktion der Zeitschrift "GQ" gegen Homophobie.
In
Sexforen gilt es als normal, dass heterosexuelle Frauen und Männer
Lesbenpornos schauen – Hetero-Männer mit Vorliebe für schwule Filme
aber diskutieren dort in langen Threads, woran das wohl liegen könnte, dass sie
eben gerne Schwänze in Aktion sehen. Und, woran liegt es? Wir haben uns
umgehört, bei Forschern und in Sexforen.
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Wir sind sowieso alle bi
Vielleicht wollen die Männer ja, aber trauen sich nicht? Der
schwule Porno wäre dann ein Raum, in dem sie ihre heimlichen homosexuellen
Neigungen ausleben könnten, geschützt vor dem Urteil der anderen. In der
berühmten Studie des amerikanischen Zoologen Alfred Kinsey aus den
Vierzigerjahren reagierte fast die Hälfte aller Männer auf sexuelle Reize
beider Geschlechter. Daraus ist ein Mythos entstanden, der sich hartnäckig
hält. So bekommt man immer wieder von Party-Besserwissern nach dem dritten
Drink erklärt, wir seien doch alle ein bisschen bi. Stimmt aber nicht.
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"Die Verbreitung der Bisexualität wird überschätzt", sagt der Würzburger Sexualsoziologe Sven Lewandowski. "Kinsey hat nicht mit einer repräsentativen Auswahl von Männern und Frauen gearbeitet, sondern mit Leuten, die sich freiwillig bei ihm meldeten und bereit waren, über ihre sexuellen Erfahrungen zu reden." Wahrscheinlich waren die auch besonders offen für unterschiedliche Erfahrungen, was das Ergebnis verzerrt, und in Wirklichkeit sind deutlich weniger Menschen bi. Zuverlässige Zahlen gibt es aber nicht.
Standard-Sexfilme werden schnell langweilig
Manchen ist normale Pornografie nicht mehr aufregend genug.
Im Forum "Steadyhealth" beschreibt Freakx82 anschaulich, wie er immer
neue Arten von Sexfilmen ausprobiert. "Ich bin durch etliche Phasen
gegangen: von Lesben, über Masturbation, Cartoons, Transsexuelle, über Piss-
und Fäkalspiele … so ungefähr jede mögliche Kategorie auf Redtube. Wenn du vom
Gay-Zeugs runterwillst, probier einfach mal ein paar so ’ner Sachen."
Alles wird langweilig, ganz einfach.
"Manche Männer werden schon beim Anblick mächtiger
Baumstämme sexuell erregt"
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Ob man tatsächlich von Pornografie abstumpft, erforscht die Neuropsychologin Valery Voon an der Universität Cambridge. Sie legte männlichen Probanden abwechselnd sexuelle und nichtsexuelle Bilder vor und untersuchte dabei die Gehirnaktivität unter einem Magnetresonanztomografen. Dabei kam raus: Zeigt man Männern mehrmals dieselbe nackte Frau, werden sie jedes Mal weniger sexuell erregt. Bei Männern, die viele Pornos sehen, lässt die Wirkung besonders schnell nach. Voon folgert, dass manche Männer sich an die Wirkung von Pornos gewöhnen. Sie würden daraufhin nach immer neuem, immer extremerem Reizmaterial suchen. Andere Forscher bezweifeln allerdings, dass es das Phänomen wirklich gibt.
Männer mögen Penisse
Im Forum von "Schöner Onanieren" erzählt Vicente:
"Ich selber bin komplett hetero. Allerdings habe ich diesen großen
Penisneid. Deswegen schau ich oft Clips an, in denen sich ein Typ mit riesigem
Schwanz einfach nur einen runterholt und stelle mir dann immer vor, dass ich
das wäre." Ein User namens Oben-bleiben schreibt: "Am meisten machen
mich Jungs oder Männer an, wenn sie wichsen." Und der verheiratete Thomas
sagt recht deutlich, als seine Frau nicht zuhört: "Ich seh es halt gerne
spritzen." In dem Forum "Steadyhealth" erklärt ein Gast, warum
das seiner Meinung nach so ist: "Jeder Mann hat sich seinen ersten Orgasmus
selbst besorgt.
Wir assoziieren also das männliche Genital mit sexueller
Befriedigung."
Ähnlich beschreibt der Soziologe Kurt Starke, was Männer in
erigierten Gliedern auf dem Bildschirm sehen, nur auf Akademisch: "Es
handelt sich um eine abstrakte sexuelle Erregbarkeit. Manchen Männern gefällt
es, sich in die Rolle des agierenden Pornodarstellers zu versetzen: mit
riesiger sexueller Potenz, einem gewaltigen Penis und universell anziehender
Männlichkeit." Außerdem sei die Ejakulation ein besonders authentisches
Element im Porno: "Kein Sexfilm der Welt kann eindeutig zeigen, dass eine
Frau zum Orgasmus gekommen ist. Aber beim Mann ist das einfach zu filmen. Und
zwar so, wie das bei der eigenen Selbstbefriedigung auch aussieht." Einen
Samenerguss kann man nicht spielen, das sei für manche Männer ein besonderer
Reiz.
Dass Männer von pornografischen Darstellungen angeregt
werden, die sie real gar nicht ausleben wollen, zeige auch, dass der Mensch
alles Mögliche zur Inspiration nutzen kann, erzählt Starke. "Manche Männer
werden schon beim Anblick mächtiger Baumstämme sexuell erregt. Warum dann
nicht auch von einem Schwulenporno?"
In Sexfilmen geht es nicht um reale Vorlieben
"Pornokonsum funktioniert ganz ähnlich wie Medienkonsum
an sich", sagt der Sexualwissenschaftler Sven Lewandowski von der
Universität Würzburg. "Es kommt auf die Lesart des Betrachters an."
Was einen erregt, muss mit dem Geschlecht gar nichts zu tun haben: Manche reagieren
auf rote Haare oder Analsex, andere auf Macht und Unterwerfung. "Heteros
finden diese sexuellen Reize eben auch in Homo-Pornos", sagt Lewandowski.
"Dabei spielt die sexuelle Orientierung nicht unbedingt eine Rolle."
Eine lesbische Frau erzählte ihm, warum sie gerne schwule Sexfilme guckt:
"Lesbenpornos waren ihr zu weich und Hetero-Pornos zu hetero." So
geht es auch bei den Pornceptual-Partys nur vordergründig um den
Geschlechtsakt, eigentlich aber um erotische Reize, die unabhängig davon sind,
wer gerade was mit wem tut. "Erst durch die Voyeure werden die sexuellen
Handlungen der Akteure zu Pornografie", sagt der Party-Organisator Emre
Busse. Oft entstehe die Spannung gerade durch die unsichtbare Grenze zwischen
Darstellern und Beobachtern. Die Lust am Zuschauen muss mit der eigenen,
gelebten Sexualität nichts zu tun haben. Welche Pornos man gerne sieht, sagt
also kaum etwas darüber aus, was man im echten Leben mag. (von Philipp T. Hinz-Neon)









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