Mittwoch, 10. Januar 2018


Einsamkeit: Wie Du den Dämon besiegst   und   Die schwule Angst vor Nähe


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Einsamkeit: Wie Du den Dämon besiegst  

Single sein nervt und kann depressiv machen. Wir geben Tipps gegen Einsamkeitsattacken.
Single sein nervt: Wenn man mit einem Ikea-Regal nach Hause kommt und es selbst in den fünften Stock schaffen muss. Sonntage verbringt, an denen man den Mund nur zum Essen und Zähneputzen aufmacht. Vom allein Einschlafen und Aufwachen gar nicht zu reden ...


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"Mein letztes Date war im Juli. Lief eigentlich sehr schön. Aber dann habe ich von ihm nie wieder was gehört. Ich finde mich langsam ab damit, allein zu sein. Aber manchmal macht mich diese Sehnsucht total verrückt." So drückt Marc es aus. Und auch wenn er behauptet, er habe sich mit ihrem langjährigen Single-Leben arrangiert - kann man ihm das wirklich glauben? Es ist auffällig, dass diejenigen unter uns, die dem Beziehungsideal - langjährig, treu, intensiv - am beharrlichsten nachlaufen, lange Zeiten ihres Lebens alleine verbringen. Das ständige Ersehnen gräbt sich in ihre Züge, mischt sich in ihre Aura und umhüllt sie wie ein Duft. So intensiv, dass es auf viele Menschen abschreckend wirkt. Sie könnten sich auch "Liebe mich, verdammt noch mal" mit Kajal auf die Stirn schreiben.


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Dieses warme Gefühl ...

Einsamkeit ist keine Lappalie. Von der gefühlten Einsamkeit zur tiefen Depression - das geht manchmal schneller als man denkt. Deshalb ist es wichtig, sich mit den eigenen Ansprüchen und Sehnsüchten auseinanderzusetzen. Marcs Problem ist, dass Zweisamkeit mittlerweile etwas ziemlich Abstraktes für ihn geworden ist. In seiner Vision einer Beziehung geht es hauptsächlich darum, dass jemand kommt, um sein Alleinsein zu beenden. Er will geliebt werden, aber im Grunde hält er sich nicht für liebenswert. Sonst könnte er relaxter mit seinem Status umgehen. Er macht den Begriff "Beziehung" an diesem warmen Gefühl fest, das man in der Bauchgegend spürt, wenn man im Arm gehalten wird, wenn man in der Löffelposition einschläft, wenn man gemeinsam einen Strand entlang schlendert. Dieses warme Gefühl ist aber nur ein einzelner Bestandteil des Konstrukts "Beziehung".
Entspannt läuft's besser


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In meinem Freundeskreis gibt es viele Singles. Die wenigsten von ihnen erleben ihr "Alleinsein" als Beeinträchtigung. "Ich schließe nicht aus, dass ich irgendwann mal wieder was Längeres haben werde, aber ich warte nicht darauf", erzählt mein Freund Johnny. Drei Tage später treffe ich ihn beim Einkaufen: "Ich hatte ein Date vorgestern. Hammer-Typ." - "Und seht ihr euch wieder?" - "Seit vorgestern ununterbrochen. Da kommt er mit dem Brot!" Wenn man es schafft, alleine klar zu kommen, mit sich selbst im Reinen zu sein, dann ist es am wahrscheinlichsten, dass man auf andere anziehend wirkt.


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Tim ist seit einem Jahr Liebesleid nach der weltschlimmsten Trennung wieder im Dating-Modus. An Beziehung denkt er (noch) nicht. "Ich habe Sexdates, mit manchen treffe ich mich aber auch auf einen Kaffee oder einen Spaziergang." - "Und, war schon jemand dabei?" - "Bislang war jeder okay." Aber keiner der Richtige. Und Tim findet das in seinem gegenwärtigen Lebensabschnitt völlig unproblematisch, denn er fühlt sich nicht allein. Niemand muss das. "Ich hab guten Sex, ich lerne interessante Menschen kennen, höre viele Geschichten. Das ist zwar anders als die Jahre mit André, aber es hat was." - "Fühlst du dich einsam?" - "Einsam? Bist du wahnsinnig? Ich erlebe gerade so viel, dass ich froh bin, wenn ich mal einen Abend alleine zu Hause bin."



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Die Wirkmacht von Gedanken

Ich halte in meiner rechten Hand eine Zitrone, frisch vom Markt. In der linken ein Obstmesser. Schneide die Zitrone in der Mitte durch - der unverwechselbare Duft steigt mir in die Nase. Ich schneide eine Spalte ab, der Saft läuft mir über die Hand, ich beiße in die Zitronenspalte und spüre die Säure auf der Zunge. Wenn Dir jetzt das Wasser im Mund zusammenläuft, dann hast Du das Prinzip der Wirkmacht von Gedanken am eigenen Gaumen erlebt.


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Einsamkeit ist ein schrecklicher Zustand, doch dank der Wirkmacht von Gefühlen und Gedanken kann schon die Angst vor Einsamkeit einem das Leben vermiesen. Ich muss also nichts "erleiden", um mir das Leben schwer zu machen. Es geht mir schon schlecht, wenn ich es nur befürchte. Das erleben auch Menschen, die in einer Beziehung sind und deren Ende so stark befürchten, dass sie es dadurch geradezu auslösen. Eifersucht ist ein Symptom dieser Furcht. Auch im Leben von wohl fast jedem Single kommt es zu Einbrüchen des Seelenhaushalts, oft angesichts von Lappalien oder Widrigkeiten wie dem besagten Ikea-Regal, das in den fünften Stock soll. "Wieso hab ausgerechnet ich niemanden, der mir hilft? Warum muss ich allein sein?" 


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Wenn man sich lange genug einredet, wie schrecklich alles ist, dann wird es das auch. Sicher, es ist angenehmer, ein Regal zu zweit zu transportieren. Aber es hat auch Vorteile, seine Einkäufe mit niemandem abstimmen zu müssen, die Wahl zwischen Billy und Benno selbst zu treffen.

Die schwule Angst vor Nähe

Ab jetzt nur noch alles gemeinsam?! Trotz Sehnsucht nach Partnerschaft ist Angst ein großer Beziehungskiller

"Alles hat prima angefangen", erklärt Mario (36) aus Hamburg. "Wir verstanden uns hervorragend und unternahmen die ersten Monate alles zusammen. Doch dann hatte ich das Gefühl, kein eigenständiges Wesen mehr zu sein. Ich musste einfach wieder raus, andere Männer sehen." Marios Beziehung wäre beinahe zerbrochen, bevor sie richtig begonnen hatte. Der Grund: Nach dreijährigem Singledasein versetzte die plötzliche Überdosis Nähe Mario in Panik. 

Viele Singles projizieren Glück und Unglück ihrer aktuellen Lebenssituation auf einen potenziellen Partner: "Wenn ich erst wieder eine Beziehung führe, wird es mir auch besser gehen", sagen häufig vor allem Menschen, die bereits länger auf der Suche sind. Die Gefahr hierbei ist, dass die Erwartungen nicht an die Beziehung, sondern an den Partner immens werden. In der Folge fühlt sich der Neue nach einer sehr intensiven Startphase schnell eingeengt und bedrängt. Ihm bleibt womöglich nur noch die Flucht oder der Rückzug.




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Ein anderes Phänomen: die aktiven und die passiven Beziehungsverweigerer. Jeder hat vermutlich schon einmal nach einer euphorischen Kennenlernphase den niederschmetternden Kommentar gehört: "Weißt du, das ist toll, so wie es ist. Aber eine Beziehung möchte ich nicht." Bei einem solchen aktiven Beziehungsverweigerer weiß man zumindest, woran man ist. Anders bei den passiven Beziehungsverweigerern. Die sagen zwar, sie wünschten sich eine Beziehung, doch sie tun unbewusst alles, um diese zu verhindern. Beispielsweise, indem sie sich in kleine, oft auch nur scheinbare Fehler des Partners hineinsteigern.


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Jeder hat Angst vor Nähe, mancher mehr, mancher weniger. Zähneputzen während der Partner nebenan unter der Dusche steht, ist für einige die Erfüllung, für andere ein unerträglicher Eingriff in die Intimsphäre. Eine Diskussion darüber verletzt vor allem leicht den Partner, der Nähe sucht. Denn aus seiner Perspektive ist der Wunsch nach Freiraum häufig eine persönliche Zurückweisung. Wichtig ist, sich der eigenen Ängste vor zu viel Nähe bewusst zu werden und diese mit dem Partner offen anzusprechen. Nur so können Missverständnisse vermieden werden. Gerade zu Beginn einer Beziehung, wenn die gemeinsame Kommunikationsebene noch entwickelt wird, ist es wichtig, die eigenen Bedürfnisse an die Partnerschaft so zu formulieren, dass der Partner dies nicht als Kritik an seiner Person versteht.


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Woher kommt die Beziehungsangst?

Jeder will einerseits seine Persönlichkeit entfalten und sich gleichzeitig geborgen fühlen. Diese Bedürfnisse auszubalancieren, ist ein entscheidender Faktor innerhalb einer Beziehung. Unsere Grundhaltung für den Umgang mit Nähe und Distanz wird in der Familie gelegt, von der wir Verhaltensmuster übernehmen. Kinder, die sich von ihren Eltern distanzieren, erleben als Reaktion darauf beispielsweise Stolz oder große Verunsicherung seitens die Eltern. Gerade negative Erfahrungen können sich problematisch auf Beziehungen im Erwachsenenalter auswirken. Viele Menschen suchen sich wegen solcher Bindungsprobleme einen Partner, der ihnen in einer Beziehung nun das geben soll, was sie bei sich selbst nicht finden können. Anfangs klappt das hervorragend, doch nach einer Weile entwickelt sich aus der anfänglichen Wertschätzung eine gegenseitige Abwertung. Extreme Gegensätze passen hierbei genauso wenig wie völlige Gleichheit, denn ohne Spannung wird eine Beziehung rasch als langweilig erlebt.


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Entscheidend für eine Beziehung ist eine von beiden Partnern als ausgewogen empfundene Regulierung von Nähe und Distanz. Das spiegelt sich beispielsweise in der Art und Weise wider, wie das Paar mit dem Faktor Selbstständigkeit umgeht. Die Partner müssen sich sicher sein können, mit ihren individuellen Nähe- und Distanzwünschen respektiert zu werden. Wenn das nicht gelingt, droht nach einem euphorischen Start eine schnelle Trennung.

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